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Brief zu einer kontroversen Diskussion

In einem Brief an einen deutschen Freund hat László Tarnai, Mitglied der Freunde von Ungarn Stiftung (Friends of Hungary Foundation), seine Gedanken über die Lage der EU, über Migration und über Ungarn geäußert. Für „Ungarn Heute“ wurde dieses Schreiben als Leserbrief zur Verfügung gestellt:

Lieber …..,

ich hoffe, es geht Dir – den Umständen entsprechend relativ gut. […] Nun zu unserer kontroversen Diskussion. Ich werde jetzt meine Meinung in paar sehr übertrieben Sätzen darstellen. Bewusst übertrieben, damit Du meine Meinung über die heutige Situation in Europa klar siehst. Du weißt, ich habe Deine Meinung immer sehr ernst genommen, da Du ein politisch denkender Mensch bist. Ich will Dich nicht verletzen, aber ich muss sagen, dass Du Deine Meinung auf der Basis der Informationen der deutschen Medien bildest. Und in Deutschland gibt es keine Pressefreiheit. Die deutschen Medien werden von der Regierung und von der Finanzwelt gesteuert. Sorry. Ich schicke Dir eine aktuelle Erhebung über die Meinung einiger Staaten in Europa über die von Brüssel angeordneten Zwangsverteilung der Migranten. Hier siehst Du, dass die Bürger in Mitteleuropa zwischen 70-94 % gegen die Zwangsverteilung sind. Wie kannst Du behaupten, dass Orbán ein „einsamer Wolf“ ist????? Im Gegenteil: was heute immer mehr Politiker sagen, hat er vor zwei Jahren schon gesagt. Er ist bereits die Hauptfigur der realistisch denkenden Europäer, die Europa auch die Zukunft auf der jüdisch-christlichen Basis vorstellen und nicht eine islamische Herrschaft, die leider nicht auszuschließen ist, wenn es so weitergeht. Nun zu einigen – teilweise brutalen, übertriebenen – Behauptungen, die ich angekündigt hatte.

1. Die EU – in der heutigen Form, wie die Gründungsväter geplant hatten – hat endgültig aufgehört zu existieren. Es ist ein Imperium mit Sitz in Brüssel entstanden. Das Urteil über die Rechtmäßigkeit der Entscheidung der EU-Kommission über die Zwangsverteilung war der endgültige Beweis. Warum? Der Rat der Ministerpräsidenten (der Hauptentscheidungsträger in der EU ist) hat vor zwei Jahren beschlossen, dass die Aufnahme von Migranten nur auf freiwillige Basis sein soll. Daraufhin haben die EU-Kommission und das EU-Parlament durch juristische Tricks beschlossen, dass die Verteilung zwangsweise zu erfolgen hat. Nun hat der EU Gerichtshof entschieden, dass diese Entscheidung rechtmäßig ist. Das tragische Problem ist, dass die EU-Kommission – trotz den EU-Statuten – die Macht in Europa übernommen hat. Wenn durch juristische Manipulationen die EU-Kommission Entscheidungen treffen kann, wurde die Führung der EU total geändert. Diejenigen Staaten, die mit den Entscheidungen der EU-Kommission nicht einverstanden sind, haben nichts zu sagen; sie sind zu Protektoraten abgewertet, so ähnlich, wie früher die Kolonien von Frankreich, England, Holland, Belgien, Spanien usw. bzw. Tschechoslowakei im zweiten Weltkrieg. Die Gründungsväter drehen sich sicher um in ihrem Grab. Sie haben ein demokratisches Europa auf der Basis der Gleichberechtigung geplant.

2. Die Migranten-Politik der EU ist eine Tragödie. Ich kann nicht entscheiden, ob die EU-Führung und einige führende Politiker der westlichen Staaten nur Idioten oder Verbrecher sind. Die Politik der EU ist Selbstaufgabe bzw. Selbstmord. Diese Leute machen Europa kaputt; tausendjährige Nationen, unsere Kultur, unsere Religion bzw. unsere ganze europäische Zivilisation.

3. In dieser Entwicklung ist vielleicht eine etwas zwingende, göttliche Gerechtigkeit. Viele westliche Staaten haben in der Geschichte viele Länder besetzt; die dortige Kultur und Zivilisation vernichtet, einen Teil der Einwohner getötet. Weiterhin haben sie die Schätze und die Energievorkommnisse mitgenommen und diese Länder als Menschen zweiten Ranges betrachtet. Zum Teil dadurch ist heute Westeuropa so reich. Und wie zu den alten Zeiten, hat die westliche EU-Führung angefangen, den armen mitteleuropäischen Staaten belehren, was sie machen sollen und was nicht. Denn sie wissen genau, was richtig ist; und wir, die unter den Türken und Russen gelitten hatten, haben keine Ahnung, was für uns gut ist und was nicht. Nun bekommen die früheren Kolonialmächte (Deutschland ausgenommen) die Quittung; deux ex machina. Terroranschläge, No-go Zonen und ein Bürgerkrieg, der langsam nicht auszuschließen ist. Westeuropa wird langsam zu einer Festung mit Betonblöcken, Polizei auf den Straßen und sechst Meter hohem Zaun um den Eiffelturm. Ein Teil der Menschen der ehemaligen Kolonien ist aufgebrochen zu ihren früheren „Sklavenhalter“ und präsentieren nun die Rechnung einschl. Islam, der keine Gesetzte in den westlichen Ländern akzeptiert. Er ist eine aggressive Religion, die unsere Religion in den nächsten Jahrzehnten klar ablösen wird.

4. Das tragische Problem für uns, osteuropäische Menschen ist, dass unser Traum über den demokratischen und klugen Westen, ein Mythos – an den wir geglaubt hatten – zerbricht. Das Schlimme ist jedoch, dass der Westen ihre früheren Schandtaten nicht selber auslöffeln will, sondern die entstandenen Probleme durch die Zwangsverteilung auf die geschichtlich „unschuldigen“ Länder verteilen will. Und das mit der Begründung der Solidarität. Ohne gesetzliche Grundlage und ohne Schuldgefühle. Denn wir, Mitteleuropäer sind auch Menschen zweiten Grades, wie früher in den Kolonien. Eine Frage: Die Verteidigung der Grenzen der EU durch unseren Zaun, gehört nicht zu Solidarität zu EU? Was glaubst Du, warum kommen so wenige Migranten über die Balkanroute? Wir verteidigen Österreich, Deutschland, usw. Und was bekommen wir dafür von der EU? Beschimpfungen und Vorwurf des Rassismus.

5. Noch eine Überlegung zu den Zusammenhängen auf der Welt. Cui prodest? Wem nützt das alles? Ich meine, der Finanzwelt, den Reichen und denjenigen, die von diesen bezahlt werden. Politiker, Journalisten, usw. Wusstest Du, dass ein Drittel der EU-Abgeordneten auf der Payrol von Soros stehen? Das ist Tatsache, ist klar dokumentiert. Diese Leute wollen keinen Nationalstaat; denn nur ein Nationalstaat kann sich gegen die Multis und die Finanzwelt wehren. Durch eine europäische oder Weltregierung hätten sie keine Probleme mehr. Das traurige ist, dass die linksliberale Opposition in Ungarn, die keine Möglichkeit hat an die Macht zu kommen, sehr verräterischer Weise die Welt ständig mit Lügen und Halbwahrheiten über Ungarn informiert. Und das ist, was man in den deutschen Medien hören und sehen kann.

6. Was folgt aus diesen Überlegungen für mich?

– Wir dürfen keine Migranten nach Ungarn lassen; mit Ausnahme von wirklichen verfolgten Flüchtlingen, auf freiwilliger Basis.

– Wir müssen unsere nationale Selbstständigkeit bewahren (wir haben 150 Jahre türkische und über 40 Jahre kommunistische Herrschaft gehabt) und leben zwischen der germanischen und slawischen Welt. Und wir leben noch.

– Wir müssen politisch klug sein und unsere Interessen wahren. Warum ist das schlimm, dass wir mit Russland Geschäfte machen, wenn es unser Interesse ist? Ist das nicht so, dass Deutschland in viel größerem Maße mit Russland zusammenarbeitet? Warum darf Deutschland und wir nicht? Über Schröder gar nicht zu sprechen. Übrigens, ich halte Putin für einen sehr guten Politiker. Nicht er ist aggressiv, sondern die USA und der Westen, die rund um Russland Positionen bezogen haben und als die Ukraine dran kam, war das Glas voll für Putin. Weißt Du, dass die USA über 100 Stützpunkte auf der Welt hat und die Russen keine fünf. Wer ist dann aggressiv?

Sei mir nicht böse, dass ich so viel geschrieben hatte; bei mir ist nämlich das Glas auch voll. Ich kann die PR, politisch korrekte Meinungsmache in den deutschen Medien nicht mehr hören. Für mich ist die heutige Welt nicht in Ordnung und bin froh, dass ich den Untergang von Europa nicht mehr erleben werde. Hier verweise ich auf Oswald Spengler, „Der Untergang des Abendlandes“. Er hatte Recht.

Ich hoffe, wir sehen uns irgendwann.

Mit lieben Grüßen

László

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Über den Autor, László Tarnai: Geboren 1939; Volksschule, Gymnasium in Budapest; nach dem Aufstand mit 17 Jahren nach Deutschland emigriert. 1959 Abitur in dem ungarischen Gymnasium in Burg Kastl.

1959-1965 Diplom in Volkswirtschaft; während dieser Zeit 1962-1963 Präsident des ungarischen Studentenverbandes in Deutschland (MEFESZ) und Organisation von ungarischen Hochschulwochen in Deutschland.

1965-1971 Mitarbeiter der IBM Deutschland; 1971-1995 Gründer und Inhaber einer IT-Unternehmensgruppe in München. Neben der Entwicklung und Vertrieb von Software hat das Unternehmen mehrere hundert ungarische Programmierer nach Österreich und Deutschland vermittelt.

1995 Rückkehr nach Ungarn; Gründung einer ungarischen IT-Firma in Budapest; zwecks Förderung der deutsch-ungarischen Kooperation auf dem Gebiet der IT und Vermittlung von ungarischen Programmierern in den deutschsprachigen Raum.

Vorstandsmitglied des Vereins Burg Kastl Alumni e.V.; in dieser Eigenschaft Übernahme von der Auszeichnung des Vereins mit dem „Magyar Örökség Díj“ 2010. Mitglied der Stiftung Freunde von Ungarn (Friends of Hungary Foundation).

Drei Kinder; zwei leben in Frankreich, ein in England.

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Foto: badische-zeitung.de