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Deutsche Fußballtrainer wollen eine neue Puskás-Ära in Ungarn schaffen

Im ungarischen Fußball werden die Türe für deutsche Trainer weit aufgerissen. Sowohl Ungarns Nationalteam, als auch mehrere Teams in der Ersten Liga werden von deutschen Trainern betreut. Ungarns Fußball ist im Kommen und das ist auch den deutschen Trainern zuzuschreiben.

Bernd Storck

Bernd Storck, Trainer der ungarischen Nationalmannschaft (Foto: mlsz.hu)

Als aktiver Fußballer begann die Karriere von Bernd Storck bei Boele-Kabel von 1882 e.V. in Hagen. In der Saison 1981/82 gab sein Debüt bei dem VfL Bochum in der Fußball Bundesliga. Zu Borussia Dortmund wechselte er ein Jahr später, wo er bis 1989 aktiv war. Storck erzielte in 171 Bundesligaspielen acht Tore, der Gewinn des DFB Pokals 1989 war sein größter Erfolg als Profi.

Storck absolvierte eine Trainerausbildung nach dem Ende seiner Spielkarriere. Zunächst war er Co-Trainer unter Jürgen Röber bei Herta BSC, VfL Wolfsburg, Partizan Belgrad und Borussia Dortmund. 2008 ging er nach Kasachstan, wo er sich als Cheftrainer der kasachischen U-21-Nationalmannschaft und als Trainer des kasachischen Klubs Tsesna Almaty betätigte. Er war vom Januar 2009 bis zum Oktober 2010 Nationaltrainer von Kasachstan. Zwischen 2012 und 2014 wurde er von Olympiakos als Nachwuchskoordinator engagiert.

Nach Ungarn kam Storck 2015 als Sportdirektor beim ungarischen Fußballverband. Er war erst Trainer der ungarischen U-20 Nationalmannschaft. Im Juli 2015 wurde er Interimstrainer und seit November 2015 ist er Trainer der ungarischen Nationalmannschaft. Sein größter Erfolg mit der ungarischen Nationalelf war die Europameisterschaft 2016, wo er und das Team sich ins Achterfinale spielte, und Ungarn wieder Teil der europäischen Fußballbühne wurde. Er wurde von der Jury des deutschen Fußball Botschafter e. V. im Jahr 2017 in der „Kategorie Trainer“ nominiert.

Andreas Möller

Andreas Möller, Co-Trainer von Bernd Storck (Foto: m4sport.hu)

Als aktiver Fußballer begann die Karriere von Andreas „Andy“ Möller bei Eintracht Frankfurt. Sein Debüt in Deutschlands höchster Fußballklasse erfolgte im Jahr 1986. Als Mittelfeldspieler spielte er von 1985 bis 2004 für Eintracht Frankfurt, Borussia Dortmund und den FC Schalke 04, zwischendurch auch in der Serie A für Juventus Turin. Möller erzielte in 429 Bundesligaspielen 110 Tore. Er wurde unter anderem Weltmeister mit der deutschen Nationalmannschaft im Jahr 1990.

Nach dem Ende seiner Spielkarriere machte er in der Deutschen Sporthochschule Köln den Fußballlehrerschein. Als Trainer arbeitete er erst bei Aschaffenburg (2007-2008). Zwischen 2008 und 2011 war er sportlicher Leiter bei Kickers Offenbach.

Nach Ungarn kam Möller 2015 als Co-Trainer der ungarischen U-20 Nationalmannschaft unter Bernd Storck. Er folgte Storck im Oktober zur Ungarischen Nationalmannschaft, wo er mit Zoltán Szécsi als Co-Trainer von Bernd Storck arbeitet.

Thomas Doll

Thomas Doll, Trainer von Ferencváros Budapest (Foto: fourfourtwo.com)

Als Jugendliche begann Thomas Doll mit dem Vereinsfußball bei der BSG Lok Malchin. Er spielte von 1983 bis 1986 als Stürmer in der DDR-Oberliga bei F.C. Hansa Rostock. Von 1986 bis 2001 spielte er bei BFC Dynamo, Hamburger SV, Lazio Rom, Eintracht Frankfurt und AS Bari. Er spielte sowohl in der Nationalmannschaft der DDR (1986-1990) als auch in der Nationalmannschaft der BRD (1990-1993). 1992 wurde Doll mit der DFB-Elf Vize-Europameister.

Nach dem Ende seiner Spielkarriere übernahm Doll als Trainer erst die Amateure des Hamburger SV, dann 2004 auch die Profimannschaft. 2007 arbeitete er ein Jahr als Trainer bei Borussia Dortmund, dann als Trainer in der Türkei und in Saudi-Arabien.

Nach Ungarn kam Doll im Dezember 2015 als Trainer des ungarischen Erstligisten Ferencváros Budapest. Er sicherte für das Team den dritten Tabellenplatz der NB I und somit die Teilnahme an der 1. Qualifikationsrunde für die Europa League. Zweimal, im Jahr 2015 und 2016 gewann Doll mit Ferencváros den ungarischen Pokal. Im Mai 2016 erhielt er für seine Arbeit von dem Ungarischen Fußballverband die Trainer des Jahres Auszeichnung.

Michael Oenning

Michael Oenning, Trainer von Vasas Budapest (Foto: vasasfc.hu)

Als aktiver Fußballer hatte Michael Oenning eine fünfjährige Karriere, aber er spielte nie in Deutschland höchster Fußballklasse. Er konzentrierte sich weniger auf das Spielen als auf sein Studium. Er absolvierte in Münster ein Lehramtsstudium in den Fächern Deutsch und Sport. Bis 2004 war er Verbandssportlehrer in Württemberg.

Als Co-Trainer war er 2000-2004 im Trainerstab der deutschen U-18- und U-20 Jugendnationalmannschaften tätig. Nach Stationen bei Borussia Mönchengladbach und bei VfL Wolfsburg als Co-Trainer wurde er 2007 Trainer der U19 Mannschaft bei VfL Bochum. Ein Jahr später wurde er Co-Trainer später Trainer bei 1. FC Nürnberg. 2010 ging er zum Hamburger SV, wo er erst als Co-Trainer, dann als Trainer arbeitete.

Nach Ungarn kam Oenning 2016 als Trainer des ungarischen Erstligisten Vasas Budapest. In der Saison 2015/2016 belegte das Team zum Ende der Saison den zehnten Platz. Als Überraschungsteam wurde unter Oenning Vasas Budapest in der Saison 2016/17 nach zehn Spieltagen Tabellenführer, zurzeit steht das Team auf dem dritten Platz.

Der ungarische Fußballnachwuchs wird auch von Deutschen trainiert. Unter anderem wird die U19-Auswahl Ungarns von Michael Boris, der Nachwuchs von Ferecváros Budapest von Theo Schneider koordiniert. Ob es die deutschen Trainer gelingt, das Training zu professionalisieren, die Nachwuchsarbeit zu verbessern, die Abläufe zu strukturieren und ein neues Puskás Team in Ungarn zu schaffen…

via mlsz.hu, transfermarkt.de, wikipedia.de; Foto: 24.hu