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Kommentar: Der Fall der deutschen Medien mit den Fantompogromen

Der gestern erschienene ZDF Artikel „Ungarns Ultrarechte – Der Traum von der Volksgemeinschaft” wurde auf dem ungarischen Internetportal Mandiner von dem Chefredakteur, Gellért Rajcsányi kommentiert.

„Ungarische Pogrome und Ur-Ungarn werden vom ZDF visioniert. Als wären wir in der Zeit sechs-acht Jahren zurückgegangen, zu der Urzeit als NER (Im Jahre 2010 erschienene politische Deklaration des Ungarischen Parlaments über die Nationale Zusammenarbeit. Die Abkürzung steht seit 2010 inoffiziell anstelle der Orbán-Regierung. – Anm. der Red.) noch nicht existierte. Es wird ermittelt, dass sich „im Windschatten von Viktor Orbáns rechtskonservativer Politik“ die radikalen Kräfte ungestört einfalten können; und dass es immer wieder Berichte über „martialische Aufmärsche von rechten Bürgerwehren“ und „über pogromhafte Ausschreitungen gegen Minderheiten im Land“ gibt.

Alte Erfahrung aus der Presseschau: je ferner das Land ist, wo über unsere Heimat (Ungarn) geschrieben wird, desto genauer und korrekter ist die Berichterstattung. Während z.B. aus Österreich die meisten Meinungsartikel – und als Reportage verkleidete Meinungsartikel – aus dem Schatten des hochgehobenen Zeigefingers von Paul Lendvai stammen, scheint die angelsächsische und amerikanische Presse den ungarischen Globus besser zu kennen.

Die deutsche Presse steht irgendwo in der Mitte: neben zahlreichen korrekten Artikeln tauchen von Zeit zu Zeit solche Schriften auf, die mit ganz verwirrten Gewichtungen, Missverständnissen oder mit netto Lüg Irrtümern darstellen, was daheim (in Ungarn) passiert.

Seit knapp drei Jahrzehnten ist ein ständiges Thema die unaufhaltsame politische Verschiebung Ungarns ins rechtsradikale Lager. Allerdings, wenn es jederzeit wahr gewesen wäre, hätte diese Verschiebung sogar den Mond erreicht. Der Autor des öffentlich-rechtlichen (!) ZDF hat dieses altvertraute Thema in seinem mit hanebüchenen Behauptungen ausgestatteten Artikel bestaunt.

Der Artikel geht es großenteils um unseren mit Kranichfeder ausgeschmückten Lieblingsrollenspieler Mihály Zoltán Orosz. Um Missverständnisse zu vermeiden, wir sind mit dem Bürgermeister von Érpatak keine dicken Freunde, er hat mich schon verklagt, dann ist er gar nicht vors Gericht gekommen und hat den Prozess richtig verloren. MZO ist aber ein bisschen überdimensioniert: der sonderbare Herr von Érpatak wird als landesweit wirkendes schulschöpferisches Vorbild dargestellt, obwohl seine Tätigkeit, außer „seine bunte und duftende Selbstrepräsentation” und außer den Grenzen seines Dorfes uninterpretierbar ist.

Der Autor des ZDF trägt in den letzten zwei Abschnitten alles zusammen.

Nur das nicht, was in diesem Thema jetzt, im Sommer 2017 aktuell wäre.

Rücksichtslose Fidesz-Jobbik Krieg? Vollständige Entfaltung des Fidesz-Landes? Seltsame Besänftigung der Jobbik? Simicska, Soros, Putin usw.? Aber bitte…

Als wären wir in der Zeit sechs-acht Jahren zurückgegangen, zu der Urzeit als NER noch nicht existierte. Es wird ermittelt, dass „im Windschatten von Viktor Orbáns rechtskonservativer Politik“ sich die radikalen Kräfte ungestört einfalten können; und dass es immer wieder Berichte über „martialische Aufmärsche von rechten Bürgerwehren“ und „über pogromhafte Ausschreitungen gegen Minderheiten im Land“ gibt.

Wenn es noch nicht genug sei: Laut des Artikels wollen die Ultrarechte „einen ungarischen Großreich“ (?) in den Grenzen von 1920 errichten und einen Staat nur für ethnische Ungarn etablieren. Schließlich können wir von ZDF mitbekommen: Csíksomlyó (im ZDF Artikel „Csikshomlyo“) gilt als „Ursprung der Ur-Ungarn“ und ist für die Ultrarechten ein heiliger Ort, wo mit einem Gottesdienst die ungarische Geschichte gefeiert wird – als es hier in der Wirklichkeit nicht um einen seit Jahrhunderten existierenden, ganz normalen, traditionellen, katholischen Wallfahrtsort ginge.

So wird der ZDF Artikel random Vernehmen und ein bisschen Bauchreden nach eine magisch-realistische Vision eines uninformierten Autors.”

Aus dem Ungarischen von Ungarn Heute

via mandiner.hu, Foto: badische-zeitung.de