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Nach 80 Jahren ist Schluss: führende Oppositionszeitschrift Magyar Nemzet erscheint am 11. April zum letzten Mal

Seit 1938 erscheint die einst bürgerliche Zeitung „Magyar Nemzet“ in Ungarn. Damals galt die Zeitung als Flaggschiff des bürgerlichen Journalismus. Jetzt muss sie aber das Schreiben beenden: die Entscheidung habe finanzielle Gründe. Nach einem Streit zwischen dem Eigentümer und Ministerpräsident Orbán (2015) kam das Blatt in eine schwere finanzielle Lage. Es kündigte sein eigenes Ende auf seiner Webseite an:

„Wegen finanzieller Probleme haben die Besitzer entschieden, die Medienproduktion ab dem 11. April zu beenden. ‚Magyar Nemzet‘ und ihre Onlineversion werden schließen.“

Die Einstellung der Zeitung schockierte die Mitarbeiter: „Wir fühlen uns wie nach einem Terroranschlag“, sagte der stellvertretende Chefredakteur Zsombor György dem Portal „24.hu“.

Simicska habe den Radiosender „Lánchíd“ nach 11 Jahren auch einstellen müssen. Die letzte Sendung wurde um Mitternacht beendet. Bedroht ist außerdem die Wochenzeitung „Heti Válasz“, wenn sich kein Käufer findet, während Hir TV vorerst nur „rationalisiert” werden soll.

Als Investor meldete sich der Politiker Péter Ungár. Das Präsidiumsmitglied der Partei LMP ist Miteigentümer eines großen Budapester Immobilienunternehmens. Das teilt er sich allerdings mit seiner Mutter Maria Schmidt, eine Unterstützerin Orbáns.

Viktor Orbán wurde auf einer Pressekonferenz über das Blatt Magyar Nemzet gefragt, er wollte aber sich nicht näher zur Einstellung der Zeitung äußern: „Bekanntlich beschäftigen wir uns nicht mit geschäftlichen Dingen. Die Eigentümer entscheiden das, wie sie wollen“, sagte er.

 

(Via: mno.hu, hvg.hu, 24.hu, dw.com/de, nzz.ch, Beitragsbild:mno.hu)