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Presseschau über die „Soros-Liste”

„Nazi-Methode”, „Legalisierter Hass”, „eine neue Stufe der Schikanierung von NGOs“– so reagierten die oppositionsorientierten Zeitschriften auf die sog. „Soros-Liste”, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Die regierungsnahe Wochenzeitung „Figyelő” hat eine Auflistung von 200 Personen publiziert, die sie als Teil des „Soros-Netzwerks“ in Ungarn betrachtet. Figyelő fragt danach in einem Artikel, ob es das ausschließliche Vorrecht des „George Soros-Blogs“ (gemeint ist 444) sei, Listen von Personen zu erstellen, die sie nicht mögen. Presseschau von budapost.de:

In Népszava wirft Róbert Friss der Wochenzeitschrift Figyelő vor, „Hass zu legalisieren“ und eine potenzielle Gewohnheit einzuführen, nämlich die des Zusammenstellens von „Henkerslisten“. Wo dies möglich sei, so wettert Friss, „kann jeder zum Juden, Zigeuner oder Deutschen erklärt und ausgewiesen werden“.

Auf hvg.hu wird der Figyelő-Artikel als „eine neue Stufe der Schikanierung von NGOs“ bezeichnet.

Mérce merkt an, dass die Liste Namen von Menschen enthalte, die bereits vor Jahren verstorben seien.

Zoom berichtet über eine Erklärung der von George Soros gegründeten Central European University, in der die Veröffentlichung der Liste verurteilt wird. Rektor Michael Ignatieff bezeichnet sie als „einen eklatanten Einschüchterungsversuch“. (Auch die US-Botschaft in Budapest reagierte mit einem Tweet auf die Veröffentlichung der Namensliste. Darin verurteilt die diplomatische Vertretung „den von Figyelő unternommenen Versuch der Einschüchterung dieser Bürger“ – Anm. d. Red.)

In einer ironisch gemeinten Reaktion bekundet die Redaktion von Figyelő ihr „Interesse“ daran, „sich der Hysterie anzuschließen, die unter den aktiv an der Umsetzung des Soros-Plans arbeitenden Personen ausgebrochen ist“. Die Redaktion entschuldigt sich bei den Familien der Verstorbenen, die irrtümlich in die Liste aufgenommen wurden. Außerdem lädt sie diejenigen, die der Zusammenstellung hinzugefügt werden wollen, ein, ihr entsprechendes Begehren zu signalisieren. Denjenigen wiederum, „die sich der Aufnahme in die Liste schämen“, bietet Figyelő eine Löschung ihrer Namen an.

In einem separaten Artikel fragt Figyelő, ob es das ausschließliche Vorrecht des „George Soros-Blogs“ (gemeint ist 444) sei, Listen von Personen zu erstellen, die sie nicht mögen. (Die linksliberale Website hatte ihre Leser im Jahr 2013 aufgefordert, den „servilsten Ungarn“ zu wählen. In diesem Zusammenhang war eine Liste mit dreißig Namen regierungsfreundlicher Persönlichkeiten mit verunglimpfenden Kommentaren zu ihren Aktivitäten veröffentlicht worden – Anm. d. Red.)

(Via: budapost.de, Beitragsbild: MTI)