Kultur

Tag der Poesie, Geburtstag von Attila József

Realismus, Abstrakt, Stilnote aus den ungarischen Volksliedern, globale wie auch individulle Probleme: das ist das vielschichtige Werk von dem berühmten ungarischen Dichter Attila József. Wir feiern heute seinen Geburtstag: er ist gerade an diesem Tag 1905 geboren. József ist einer der beduetendsten Lyriker des Landes. Viele seiner Werke sind auch auf deutsch erreichbar! Zum Gedenken des Dichters kann man heute landesweit aus einem reichen kulturellen Angebot wählen.

„Ich liebe dich wie seine Mutter das Kind,
wie die stummen Gruben ihren tiefsten Grund,
wie die Hallen das Licht, wie – sonnengesinnt –
die Seele die Flamme, der Körper die Rast!
Ich liebe dich, wie ums Leben liebend werben
die Sterblichen, solang sie nicht sterben.”

(József Attila: „Ode” – Auszug)

Curriculum vitae

Attila József wurde als sechstes Kind eines Seifensieders in einfachen Verhältnissen geboren. Drei der fünf Geschwister waren zum Zeitpunkt seiner Geburt allerdings bereits verstorben. So hatte er zwei Schwestern. Als er drei Jahre alt war, verließ der Vater die Familie und verschwand angeblich nach Amerika. Die Familie lebte in großer Armut: Attilas Mutter arbeitete als Wäscherin in Budapest. Attila und eine seiner Schwestern mussten zweieinhalb Jahre bei Pflegeeltern in Öcsöd verbringen. Nach der Rückkehr der Kinder zu ihrer Mutter lebten sie zusammen in Budapest. Attila war neun Jahre alt, als der Erste Weltkrieg ausbrach. In dieser Zeit half er bereits seiner Mutter im Haushalt und bei der Arbeit. Er beschreibt dies in seinem Lebenslauf:

„Auch ich durfte mich zur Genüge vor den Geschäften anstellen, wobei es vorkam, daß ich seit neun Uhr abends vor einem Lebensmittelladen in der Schlange gewartet hatte und man mir am Morgen um halb acht, wenn ich dann an der Reihe gewesen wäre – unmittelbar vor meiner Nase – erklärte, daß das Schmalz aus sei. Ich half meiner Mutter so gut ich eben konnte. Ich verkaufte Wasser im Filmtheater ‚Világ‘ (Anm.: ‚Welt‘), stahl Holz und Kohlen auf dem Franzstädter Bahnhof, um an Heizmaterial zu kommen, und bastelte bunte Papierwindrädchen, die ich an Kinder aus bessergestellten Familien verkaufte. In den Markthallen schleppte ich Körbe und Pakete usw..“

(Curriculum vitae – Auszug)

Im Jahr 1914 versucht er nach einem Streit mit seiner Schwester Selbstmord zu begehen. Im selben Jahr erkrankt seine Mutter schwer. Inzwischen wurden seine Werke in der liberalen und damals bedeutendsten Literaturzeitschrift des 20. Jahrhunderts „Nyugat” veröffentlicht.

1922 erschien sein erster Gedichtband mit dem Titel Szépség koldusa (= Bettler der Schönheit). Vor allem sein Sonett Éhség (= Der Hunger) wurde als selbständig und durchaus neuartig empfunden.

Er lebte ein Jahre lang in Wien, wo er zuerst kleinere Arbeiten hatte. Dann bekam er einen Freitisch im Collegium Hungaricum und unterrichtete dort. Er kam immer wieder für kurze Perioden wieder nach Ungarn zurück um dann aber nach Paris zu fahren. Hier übersetzte er Villon und Apollinaire. Er war schon in den 30-er Jahren schwer krank: litt unter schweren Depressionen, weswegen er sich psychoanalytischen Therapien unterzog. 1936 erschien seine letzte Gedichtsammlung Nagyon fáj (= Es schmerzt heftig). Im Januar 1937 begrüßte er den Flüchtling Thomas Mann zu seiner Lesung von Lotte in Weimar in Budapest mit dem Gedicht Wie lange wohl noch steht ein Saal für Dich bereit? 1937 kam er in ein Nervensanatorium. Im Alter von 32 Jahren stürzte er sich in Balatonszárszó vor einen Güterzug.

Übersetzungen in die deutsche Sprache

    „József, Attila, 1905-1937”. Gedichte / Attila József, herausgegeben von Stephan Hermlin, deutsch von Gunther Deicke, Verlag Volk und Welt, Berlin, 1960

    „Attila József, Am Rande der Stadt”, übersetzt von Alexander Gosztonyi, Tschudy, St. Gallen, 1963

    „Ein wilder Apfelbaum will ich werden”. Gedichte 1916-1937 (Szeretném, ha vadalmafa lennék, übertragen und herausgegeben von Daniel Muth (Csaba Báthori), Vorwort von Ferenc Fejtő, Nachwort von György Dalos). Ammann, Zürich 2005 (Texte deutsch und ungarisch).

    „Liste freier Ideen” Herausgegeben und übersetzt von Christian Filips und Orsolya Kalász. (roughbooks 043, Berlin und Schupfart, 2017)

(Via de.wikipedia.org/wiki/Attila_József, Beitragsbild: magyar-irodalom.elte.hu )