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15. März: legendäre Orte der Revolution 1848 in Budapest

Ungarn Heute 2019.03.14.

Pressefreiheit, die Aufhebung von Zensur, Gleichheit vor dem Gesetz, Abbau der Privilegien und Gemeinsames Tragen der öffentlichen Lasten – unter anderem diese Punkte wurden von den ungarischen Revolutionäre am 15. März 1848 gefordert. Die Revolution in Ungarn begann ganau an diesem Tag, als in Pest und Buda gewaltlose Massendemonstrationen den kaiserlichen Gouverneur dazu zwangen, alle ihrer 12 Punkte zu akzeptieren. Es entwickelte sich jedoch zu einem Unabhängigkeitskrieg gegen die Vorherrschaft der österreichischen Habsburger. Hier zeigen wir Ihnen die wichtigsten Orte in Budapest, die damals, während der Revolution, extrem wichtig waren!

Pilvax Café

Im März 1848 diskutierten die Revolutionäre mit der Leitung von Sándor Petőfi  in dem berühmten, und in seiner Zeit sehr geliebten Pilvax-Café über die Forderungen der Revolution und auch die 12 Punkte wurden hier formuliert.

Pilvax wurde 1838 von Ferenc Privorszky in der „Úri Straße“  unter dem Namen „Cafe Renaissance“ eröffnet. Der Ort wurde bald zu einem beliebten Treffpunkt für Studenten und Juraten. 1842 übernahm Károly Pillvax, ein Angestellter von Privorszky, die Leitung des Kaffeehauses. Der neue Besitzer wurde sehr schnell beliebt. Er renovierte das Gebäude und malte im Inneren des Hauses Porträts berühmter Ungarn. Es wurde ab 1844 zu einem richtigen politischen-litararischen und kulturellen Kaffeehaus. Die größten Schriftsteller der Zeit konnten sich hier treffen: unter anderem Sándor Petőfi und Mór Jókai. Einige haben hier so viel Zeit verbracht, dass sie ihre Post hierher richten ließen.

Heute gibt es nur noch eine Gedenktafel, die an das ehemalige Café erinnert: 

 

Landerers Druckerei

Die Ungarische Revolution von 1848 hatte ihren Beginn in der Druckerei von Landerer & Heckenast, da am 15. März 1848 die „Zwölf Punkte“, d.h. die Forderungen der revolutionären ungarischen Jugend und das von Sándor Petőfi verfasste „Nationallied“ (ung. Nemzeti dal) hier gedruckt wurden. Später wurden die sog. Banknoten des „Revolutionsgeldes“ auch hier gedruckt. Nach der Niederschlagung der Revolution am 11. August 1849 wurde die Druckerei eben deswegen geschlossen. Viele Angestellte mussten sich vor Gericht zu verantworten. Ludwig Landerer war gezwungen, sich – als Drucker der Banknoten – vor den Behörden zu verbergen.

Fact

Die aus Deutschland stammende Familie Landerer gehört zu den bedeutendsten Buchdrucker-Familien des Königreichs Ungarn des 18. und 19. Jahrhunderts. Der Begründer der Druckerdynastie Landerer war Johann Sebastian Landerer, welcher zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus Bayern in das damalige Königreich Ungarn einwanderte und sich in Ofen niederließ.

 

Vinzenz Katzler: die Pesther Studenten machen die Wünsche des Volkes bekannt. (Quelle: Wikipedia.org.)

 

Nationalmuseum

Auch das Nationalmuseum war ein wichtiger Ort für die Ereignisse der Revolution. Hier versammelten sich die Menschenmassen und strömten zum Rathaus von Pest. Die Revolutionäre kündigten „Zeit und Ort der Demonstration“ mit Hilfe der in der Landerer-Druckerei gedruckten Flugblättern an, es war so erfolgreich, dass etwa 10.000 Menschen vor dem Museum anwesend waren. Von dort ging die Menge zum Rathaus und dann in das Burgviertel, um Mihály Táncsics aus dem Gefängnis zu befreien.

Foto: Das Nationalmusem, Quelle: wikipedia.org

 

Foto: Das Nationalmusem, Quelle: wikipedia.org

 

Gefängnis von Mihály Táncsics im Budaer Burgviertel 

Nach dem Besuch des Kanzleramts von Buda (wo die 12 Punkte angenommen wurden), wurde die revolutionäre Menge mit Fackeln ausgestattet, um den Lehrer und Journalisten Mihály Táncsics, einen der ersten sozialistischen Politiker Ungarns, zu entfesseln. In den Fenstern des Gefängnisses im Budaer Burgviertel (Táncsics Mihály Str. 9) befanden sich keine Gitter, nur Holzbretter, die die Menge schnell abriss. Táncsics wurde einfach aus dem Gefängnis befreit, setzte sich auf einer Pferdekutsche, die für seine Flucht arrangiert worden war.

 

 

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Nationaltheater

Nach der Befreiung von Táncsics ging die revolutionäre Menge zum Nationaltheater. Es wurde größtenteils aus öffentlichen Spenden gemacht, daher war seine Existenz ein Symbol für die Unabhängigkeit der Nation. Im März 1848 war Ferenc Erkel der Hauptmusikdirektor des Theaters. (Er war ein ungarischer Komponist und der Begründer der ungarischen Nationaloper sowie Verfasser der Ungarischen Nationalhymne.)

 

Das ehemalige Gebäude des Nationaltheaters

 

Das neue Theater eröffnete seine Türe im Jahr 2002, Foto: Eöri Szabó Zsolt – Nemzeti Színház

Ursprünglich hätte man am Abend des 15. März zum fünften Mal einen Fünfakter mit dem Titel „Kind von zwei Mütter“ gespielt. Es wurde aber schon am Vormittag klar: dass das Programm wegen der Revolution verändert werden muss. Der Direktor ordnete an, das Werk „Bánk bán“ von József Katona zu spielen. Kurz nach dem Beginn der Aufführung musste es sofort abgebrochen werden, weil die revolutionäre Masse in das Theater strömte.

Die Neugebäude auf dem „Szabadság Platz“ 

Das Neugebäude (ungarisch Újépület) war ein Gebäudekomplex in Budapest, der die gesamte Fläche des heutigen Szabadság tér einnahm. Das Neugebäude fungierte zeitweise als Gefängnis und war zuletzt eine königliche Artilleriekaserne, die für 18.000 Mann ausgelegt war.

Die Neugebäude um 1880, Foto: wikipedia.org

Viele hielten es nach der Revolution für ein Symbol „der habsburgischen Tyrannei“.

Die Ausführung von Lajos Batthyány im Hof der Neugebäude, Foto: wikipedia.org

Lajos Batthyány, der erste Premierminister des unabhängigen ungarischen Staates nach der Ungarischen Revolution 1848/1849, wurde am 6. Oktober 1849 auf dem Hof des Neugebäudes exekutiert. Es war derselbe Tag der Hinrichtung der 13 Märtyrer von Arad. In der nordöstlichen Ecke des Szabaság tér wurde zum Gedenken an die Hinrichtung am 6. Oktober 1926 an der Exekutionsstelle im ehemaligen Innenhof des Neugebäudes das Batthyány-Denkmal eingeweiht. In einer bronzenen Laterne bewahrt es das „Ewige Licht Batthyánys“ (ungarisch: Batthyány Lajos-örökmécses).

 

„Ewige Licht Batthyánys“, Foto: honvedelem.hu

(Via: origo.hu, funzine.hu, wikipedia.org, torimaskepp.blog.hu, Beitragsbild: Zoltán Balogh – MTI)