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Budapost: Antony Blinken wird nächster US-Außenminister

Ungarn Heute 2020.11.30.
FIZETŐS

Kommentatoren aus dem gesamten politischen Spektrum versuchen sich einen Reim darauf zu machen, wie sich die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Ungarn unter der Ägide der neuen US-Regierung entwickeln werden. Presseschau von budapost.de. 

Das wichtigste geopolitische und von Präsident Biden zu lösende Problem bestehe in der Frage, ob er die Rolle der USA als globaler Garant „westlicher Werte“ wiederherstellen oder Präsident Trumps isolationistische Strategie fortsetzen wolle, lautet die Einschätzung von Csaba Tibor Tóth in einem ausführlichen Artikel für Mérce. Die Nominierungen des designierten Präsidenten Biden für Schlüsselpositionen weisen nach Ansicht des linksgerichteten Kommentators darauf hin, dass die USA zu ihrer früheren Rolle zurückkehren und versuchen dürften, ihre globale Hegemonie wiederherzustellen. Was Antony Blinkens Nominierung betrifft, so macht Tóth darauf aufmerksam, dass es sich bei dessen Mutter sowie der Stiefmutter Vera Blinken um ungarische Holocaust-Überlebende handele.
(In Wahrheit wurden Antony Blinkens Mutter und sogar seine Großmutter in den USA geboren. Seine Urgroßmutter war eine um die Jahrhundertwende in die USA emigrierte Ungarin. Antony Blinken wurde von seiner Mutter Judith Blinken, geb. Frehm, aufgezogen. Ihre Ehe mit Vater Donald Blinken wurde geschieden. Tóth erinnert auch daran, dass Antony Blinkens Vater zwischen 1994 und 1997 als US-Botschafter in Ungarn tätig gewesen sei. Botschafter Donald Blinken und seine zweite Frau Vera Blinken, die Ungarn nach der Revolution von 1956 verlassen hatte, unterstützten sowohl die Central European University [CEU] wie auch die Open Society Archives [OSA] in Budapest – Anm. d. Red.)

Der aus Ungarn stammende Antony Blinken soll neuer US-Außenminister werden
Der aus Ungarn stammende Antony Blinken soll neuer US-Außenminister werden

Es wurde von Joe Bidens Übergangsteam bestätigt, dass der gewählte Präsident Antony Blinken zum neuen Außenminister der Vereinigten Staaten nominieren werde. Blinkens Vater, Donald Blinken war zwischen 1994 und 1998 US-Botschafter in Ungarn. Mütterlicherseits, Name der Mutter ist Judith Pisar, stammt er teilweise aus Ungarn: Die Großeltern waren ungarische Juden, die bereits in Amerika geboren […]Continue reading

Tóth meint, dass die USA unter Biden am Beispiel Ungarns und Polens autoritären, eng mit Russland und China zusammenarbeitenden Regimes eine Lektion erteilen würden. Zudem dürfte die Anti-Soros-Kampagne der ungarischen Regierung nach hinten losgehen, da George Soros enge Beziehungen zum gewählten Präsidenten Biden unterhalte. „Die Verfolgung der CEU“ werde auch für Antony Blinken eine persönliche Angelegenheit sein.
All dies deute darauf hin, dass sich die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Ungarn weiter verschlechtern und noch spannungsgeladener gestalten würden, prognostiziert Tóth. Allerdings dürften die USA ihre Hegemonie in der von Deutschland dominierten EU nicht ohne weiteres wiederherstellen können. Daher wäre es unrealistisch zu hoffen, dass der Druck der USA ausreichen werde, um Ministerpräsident Orbán zu stürzen.

In Magyar Nemzet argwöhnt Loretta Tóth, dass die Nominierung von Antony Blinken zum US-Außenminister eine großartige Nachricht für George Soros sei. Donald und Vera Blinken hätten zwischen 1994 und 1998 enge Beziehungen zur sozialistisch-liberalen Regierung unterhalten. Beide seien zudem Partner von George Soros, notiert die regierungsfreundliche Kolumnistin und fügt hinzu: Donald Blinken habe die Orbán-Regierung nach ihrem Sieg bei den Wahlen 1998 kritisiert.

Auf Portfolio warnt Dániel Huszák davor, die Strategie von Antony Blinken auf der Grundlage der Leistungen seiner Eltern in Ungarn vor zwei Jahrzehnten vorherzusagen. Während die meisten Analysten verstärkte diplomatische Friktionen zwischen den USA und Ungarn erwarten, schließt Huszák nicht aus, dass Biden und Blinken Europa als eine wichtige geopolitische Region betrachten und trotz der offensichtlichen ideologischen Unterschiede gute strategische Beziehungen pflegen würden. Ungarn habe US-amerikanische Waffen gekauft und Blinken Präsident Trump für die Schwächung der US-Militärpräsenz in Deutschland kritisiert, erinnert der Journalist. Blinken wolle die wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit mit Europa vertiefen, um den Einfluss Russlands zu verringern, vermutet Huszák.

(Via: budapost.de, Beitragsbild: MTI/AP/Carolyn Kaster)