news letter

Wöchentliche Newsletter

Budapost: Studenten besetzen die Theater- und Filmuniversität

Ungarn Heute 2020.09.03.

Ein regierungsnaher Kommentator wirft denjenigen Studenten, die die Theater- und Filmuniversität besetzt halten, politische Parteinahme vor. Sein linksorientiertes Gegenüber wiederum ruft zum Dialog auf. Presseschau von budapost.de. 

Studenten, die gegen die Umstrukturierung der Universität für Theater- und Filmkunst protestieren (siehe BudaPost vom 5., 17. und 28. August), haben am Montagabend das Gebäude der Hochschule blockiert. Mehrere Fakultätsmitglieder sowie der Senat traten aus Protest gegen das von der Regierung eingesetzte neue Kuratorium zurück.

Tamás Pataki von Magyar Nemzet wirft Studenten, Schauspielern und Regisseuren, die gegen die Umstrukturierung der Universität für Theater- und Filmkunst protestieren, politische Voreingenommenheit vor. Der regierungsfreundliche Kommentator vertritt die Auffassung, dass die Kritiker der Universitätsreform jeden Kompromiss ablehnen würden, weil die linksorientierte Fakultät sie hinters Licht führe. Sie behaupte nämlich fälschlicherweise, die neue Führungsstruktur werde die Meinungsfreiheit untergraben. Laut Pataki wird die neue Struktur die Unabhängigkeit der Universität hingegen weiter stärken und ihrem Senat mehr Macht verleihen, was eine deutliche Garantie für die künstlerische Freiheit darstelle. Auch weist er Vorwürfe zurück, die Regierung habe die für die Kultur bereitgestellten Mittel gekürzt. Sowohl die Zahl der Theater als auch die der Theaterbesucher sei seit 2010 gestiegen, betont Pataki.

Der „Krieg“ um die Theater- und Filmuniversität illustriere die in Ungarn vorherrschenden tiefgreifenden Gegensätze, konstatiert Gyula Balogh. Der Kolumnist der linksorientierten Tageszeitung Népszava hält es für höchst problematisch, dass Studenten ihre Universität besetzen würden. Gleichzeitig jedoch habe die von der Regierung berufene neue Führung der Universität weder auf die Bitten der Studenten gehört noch Zugeständnisse gemacht. Statt den Streit weiter zu eskalieren, sollten ein Waffenstillstand vereinbart sowie Kompromisse geschlossen werden, fordert Balogh.