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Ungarische Politiker auf der chinesischen Überwachungsliste

Ungarn Heute 2020.10.16.

Die mysteriöse chinesische Firma Shenzhen Zhenhua Data Technology soll in einer Datenbank detaillierte Informationen von Millionen Ausländern, unter ihnen auch Ungarn, gesammelt haben. Die Liste enthält 710 ungarische Staatsbürger. Neben ungarischen Politikern, Diplomaten und ihren Familienmitgliedern sind auch Wissenschaftler, Diplomaten, Militärs, Geschäftsleute, Ingenieure und Journalisten auf der Liste zu finden. 

Das Portal „Szabad Európa“ berichtete kürzlich darüber, dass eine Datenbank mit insgesamt 2,3 Milliarden Artikeln und 2,1 Milliarden Social-Media-Posts in China zusammengestellt wurde, was darauf hinweisen kann, dass China weltweit Informationen sammelt und überwacht. Dem Bericht zufolge betreffen die rekonstruierten Profile unter anderem 52.000 US-Bürger, 35.000 Australier, 10.000 Inder, 9.700 Briten und 5.000 Kanadier.

Die Liste beinhaltet auch 710 ungarische Namen, darunter Namen vieler Politiker sowie derer Familienangehörige, Militäroffiziere, aber auch Finanzfachleute und Kirchenführer stehen auf der Liste. Da die Dateien beschädigt waren, konnten die Informatiker nur etwa 10% der Daten wiederherstellen. Demnach hätte Zhenhua Daten über Tausende von Ungarn sammeln können.

Neben ungarischen Politikern, Diplomaten und ihren Familien sind auch Polizeikapitäne und Richter in der Datenbank zu finden. Die Verwandten der ehemaligen Premierminister Péter Medgyessy und Gordon Bajnai stehen ebenso auf der Liste wie der Name eines Kindes von Premierminister Viktor Orbán.

Unter den Regierungsmitgliedern sind Justizministerin Judit Varga, Landwirtschaftsminister István Nagy, Staatssekretär für nationale Beziehungen Miklós Soltész, sowie stellvertretender Staatssekretär im Amt des Premierministers Bertalan Havasi von der Datensammlung betroffen.

„Szabad Európa“ fand auf der Liste auch die Namen der Kinder von Minister Antal Rogán, Staatssekretär Bence Tuzson, ex Minister János Lázár, Lajos Kósa, László Trócsányi und János Martonyi, und ex-Oberbürgermeister von Budapest István Tarlós. Auf der Liste stehen auch Gábor Kubatov, der Parteivorsitzende von der Regierungspartei Fidesz und eines seiner Kinder, sowie die Tochter des stellvertretenden Premierministers Zsolt Semjén. Die Datenbank enthält auch Oppositionspolitiker: unter anderem den Jobbik-Abgeordneten Márton Gyöngyösi, die sozialistischen Politiker István Hiller, Sándor Burány und Ágnes Kunhalmi aber auch Verwandte von ex-Politikern wie Gábor Vona, Ibolya Dávid und József Ángyán.

Aktive und ehemalige Diplomaten, Richter und Verfassungsrichter, Polizeichefs und Oberbefehlshaber sowie einige ihrer unmittelbaren Verwandten sind ebenfalls in der Datenbank zu finden.

Auch für das Management von staatlichen Unternehmen war die chinesische Firma interessiert. Zu den betroffenen Unternehmen gehören die Ungarische Nationalbank, die Ungarische Staatsbahnen MÁV, das Budapester Verkehrsunternehmen BKK, die öffentliche Beschaffungsbehörde, die Ungarische Nationale Vermögensverwaltung (MNV), die Ungarische Staatskasse, Magyar Posta, die Export-Import-Agentur HEPA und drei ehemalige Führungskräfte des Öl- und Gasunternehmens MOL. Darüber hinaus enthält die Datenbank mehrere Namen, die an der Verwaltung des Kernkraftwerks Paks beteiligt waren.

Die vollständige Liste finden Sie auf der Website von „Szabad Európa„.

Auf Anfrage des britischen Guardian wies das Unternehmen die Vorwürfe zurück. Der Bericht sei falsch. „Unsere Daten sind alles öffentliche Daten aus dem Internet. Wir sammeln keine Daten. Dies ist nur eine Datenintegration. Unser Geschäftsmodell und unsere Partner sind unsere Geschäftsgeheimnisse. Es gibt keine Datenbank mit zwei Millionen Menschen“, sagte ein Unternehmensvertreter dem Blatt.

Es ist noch nicht ganz klar, welchem Zweck die Datensammlung der Firma Shenzhen Zhenhua dienen könnte. Sicherheitsexperten und die „überwachten“ Personen sind aber besorgt.

(Via: Hungary Today, Beitragsbild: Pixabay)