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„Dankesgeld“: Zwei Ärzte in Handschellen abgeführt

Zsófia Nagy-Vargha 2021.09.13.

Die ungarische Polizei ermittelt gegen zwei Ärzte und einen ihrer Assistenten in einem Budapester Krankenhaus wegen der Annahme von „Dankesgeldern“. Laut dem Verdacht sollen die beiden Ärzte zwischen Juni und August 2021 Geld von Patienten der Klinik angenommen haben. Ab dem 1. Januar ist es im ungarischen Gesundheitswesen verboten, „Dankesgeld“ („Hálapénz“) zu geben oder anzunehmen. Diese Maßnahme ist sogar im Strafgesetzbuch geregelt. 

Bei einer Durchsuchung in den Praxen von zwei Ärzten wurden fast 200 leere Briefumschläge gefunden, in denen die Patienten sog. „Dankesgelder“ vermutlich übergeben hatten. Seit März prüft der Nationale Schutzdienst (NPS) in Ungarn, ob das Gesundheitspersonal in den ungarischen Krankenhäusern „Dankesgelder“ annimmt. Professionelle Polizeibeamte in 50 Dienststellen werden eingesetzt um zu überprüfen, ob Ärzte, Krankenschwester oder andere Arbeitnehmer von Patienten Geld entgegen nehmen, um damit eine bessere Versorgung zu erhalten.

Anfang August wurde schon gegen die Oberschwester eines Krankenhauses in der Hauptstadt ermittelt, weil sie Geld von den Patienten entgegen genommen hatte. Sie nahm Geld für die einmonatige Behandlung einer älteren Frau, die aufgrund der Sozialversicherung kostenlos wäre.

Ärztekammer mit Plakatkampagne gegen Dankesgeld
Ärztekammer mit Plakatkampagne gegen Dankesgeld

Ab Januar 2021 dürfen Ärzte jedoch laut Gesetz kein Geld mehr von Patienten annehmen.Continue reading

Fact

Spezialisten des Teams suchen den Arzt/das Gesundheitspersonal Inkognito auf. Während der Prüfung wird eine realistische, aber künstliche Situation geschaffen, in der eine der Personen, die geprüft werden, entweder ein Arzt oder eine andere medizinische Fachkraft ist. Das Dienstleistungspersonal ist nicht immer als Patient anwesend, sondern kann auch als Begleiter oder Familienmitglied auftreten. Bei dem „Test“ können sie das Gesundheitspersonal nicht zwingen, das ihnen angebotene Geld anzunehmen, d. h. sie können der Person kein Geld in die Tasche stecken oder den Umschlag auf den Tisch legen.

Nach Angaben des Nationalen Schutzdienstes variiert die Höhe der von den Beschäftigten des Gesundheitswesens gelegentlich akzeptierten „Dankesgelder“ von einigen Zehntausend bis zu Hunderttausenden Forint. Zwanzig Prozent der 86 Fälle, die sie in den letzten sechs Monaten aufgedeckt haben, endeten mit einer Anklage, aber die meiste Arbeit liegt noch vor ihnen, dies sagte Oberst Piroska Váradi kürzlich gegenüber der Zeitschrift „Demokrata“.

Typische Bereiche für „Dankesgelder“ sind Geburtshilfe und Gynäkologie, chronische internistische Stationen für ältere Menschen, die meist nicht mehr in der Lage sind, sich selbst zu versorgen, Sportmedizin und Fachgebiete mit langen Wartelisten.