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Die Ausgangsorte von Revolutionen und Aufständen haben im Laufe der Geschichte immer eine entscheidende Rolle gespielt. In vielen Fällen war dieser Ort eine Universität, wenn wir uns an die Revolution von 1956 und die Budapester Technischen Universität denken. Der Ort kann auch eine Kneipe sein, wie es beim Münchner Bierputsch 1923 der Fall war, und offensichtlich könnte auch ein Café der Geburtsort revolutionärer Gedanken und Taten sein, wie es 1848 in Pilvax passiert is. 

Die jungen Revolutionäre würden jetzt im Stich gelassen, wenn sie heute eine Revolution vorbereiten wollten. Das Café Pilvax wäre genauso von den strengen Corona-Maßnahmen betroffen. „Die Jungen von März“ hätten entweder ein gesperrtes Lokal gefunden oder hätten die Wahl gehabt, einen Kaffee „to go“ zu bestellen. Auf dem damaligen Entwicklungsniveau der Technik wäre es nicht so einfach gewesen. Wer würde eine halbe Stunde auf einen Kaffee warten?

Fact

Die Ungarische Revolution und Freiheitskampf 1848/1849 war gegen die Vorherrschaft der österreichischen Habsburger. Die Revolution in Ungarn begann am 15. März 1848, als in Pest und Buda gewaltlose Massendemonstrationen den kaiserlichen Gouverneur dazu zwangen, alle 12 Punkte der ungarischen Revolutionäre zu akzeptieren, in denen unter anderem Pressefreiheit, die Aufhebung von Zensur und Frondienst gefordert wurden.

Das kultische Café Pilvax im 5. Bezirk der Hauptstadt hieß ursprünglich Café Renaissance. Den Namen Pilvax kann man auf den neuen Besitzer (ab 1840) Károly Pilvax (früher Pillwax) zurückführen. Gegen Ende der Reformzeit diente das Kaffeehaus als Zentrum  junger, radikaler Intellektuellen, die sich dort regelmäßig versammelten und politische Diskussionen geführt haben. Hier wurde unter anderem die sog. „Gesellschaft der Zehn“ gegründet. Sándor Petőfi, der weltberühmte ungarische Dichter, der eine zentrale Rolle bei der Revolution gespielt hat, war auch ein Mitglied dieser Gesellschaft. In diesem Kaffeehaus haben die jungen Revolutionären und Petőfi die 12 Punkte zusammengestellt und von hier haben sie die Revolution gestartet.

Fact

1. Wir wollen Pressefreiheit und die Abschaffung der Zensur.
2. Ministerium in Buda-Pest.
3. Jährliches Parlament in Pest.
4. Gleichheit vor dem Gesetz in ziviler und religiöser Hinsicht.
5. Nationale Armee.
6.Gleiche Beteiligung an den Lasten.
7. Beseitigung des Frondienstes.
8. Schwurgericht, Vertretung auf Grundlage der Gleichstellung.
9. Nationalbank.
10. Die Armee soll auf die Verfassung schwören, die ungarischen Soldaten sollen nicht nach Ausland gesendet werden, die ausländischen Soldaten müssen das Land verlassen.
11. Politische Gefangene sollten freigelassen werden.
12.Union. 

In Pilvax gab es eine große Auswahl an Kaffee. Am beliebtesten war der würzige Mokka, der eigentlich eine gute Art von Kaffeelikör war, der hauptsächlich mit Anis, Vanille und anderen Gewürzen aromatisiert war. Damals wurde der Kaffe nicht mit Espressomaschinen zubereitet, sondern einfach in einem Kessel, wie eine Suppe gekocht. Man musste auf diese modernen Maschinen mehr als 50 Jahre warten. Genau im Jahre 1901 hat Luigi Bezerra die Espressomaschine erfunden.
Aber in der Reformzeit musste man noch die Kaffeebohnen händisch mahlen, dann kochen. Die Zubereitung konnte bis zu einer halben Stunde dauern.

15. März: Sándor Petőfis Nemzeti Dal (Nationales Lied), Ungarns berühmtestes Gedicht
15. März: Sándor Petőfis Nemzeti Dal (Nationales Lied), Ungarns berühmtestes Gedicht

Vor 172 Jahren, am 15. März 1848, las der junge Dichter und Revolutionär Sándor Petőfi der versammelten Menge in der Innenstadt von Budapest ein Gedicht vor. Am Ende des Gedichts sangen alle gemeinsam den Refrain, als sie begannen, durch die Stadt zu marschieren, die Presse zu ergreifen, politische Gefangene zu befreien und das Ende der […]Continue reading

Zum Kaffe konnte man auch saure Sahne oder Schlagobers bestellen, weiterhin konnte man den Kaffee auch in Form eines Cappuccinos genießen aber auch mit Alkohol gemischt trinken, der heutzutage als Caffee corretto bezeichnet wird.
Nicht nur der Kaffee, sondern alkoholische Getränke waren auch sehr beliebt, während man revolutionäre Gedanken mit den anderen geteilt hat. Das berühmteste Getränk aus dieser Zeit war der sog. „Krampampuli“, den man auch als „Teufelsgetränk“ bezeichnet hat. Warum? Wenn man zu viel von diesem Trank zu sich genommen hat, dann benahm man sich so bösartig wie der Teufel.
Aber woraus bestand das „Teufelsgetränk“? Hier ist eine kurze Beschreibung aus „Pesti Napló“, die von Elek Magyar (Deckname: Ínyesmester = „Gourmet-Meister“), dem wohlbekannten Journalisten und Gastronomen geschrieben wurde.

Fact

„Wir stellen eine große, bauchige, feuerfeste Schüssel in die Mitte des Tisches und geben gehackte Feigen, entkernte Datteln, Rosinen, Malaga-Trauben, kandierte Orangenschalen, mit Walnüssen ausgekleidete Pflaumen und halbgebackene Johannisbrotbohnen in die Schüssel hinein. Wir stellen einen Eisenrost auf die Schüssel. Auf den Rost legen wir ein Kilo auf Orangenschale abgeriebene Zuckerwürfel. Dies wird mit einem halben Liter feinem Zuckerrohr-Rum bestreut und entzündet. In der Zwischenzeit machen wir das Licht aus und schauen geduldig zu, bis der brennende Alkohol ausbrennt und der geschmolzene Zucker in die Schüssel tropft. Dann geben wir 2 Liter weißen Glühwein (der mit Zimt, Zitronenschale und Nelke gewürzt wurde), einen Liter heißen Tee, und aus 2 Zitronen und 2 Orangen gepressten Saft dazu. Dann lassen wir unsere Mischung einige Minuten stehen. Gut umrühren und kosten, ob es stark genug oder zu süß ist. Dies kann durch die anschließende Zugabe von Zucker, Rum, Wein oder Tee korrigiert werden. Schließlich filtern wir das Getränk in Punschgläser.“

Die Gäste der Revolutionszeit haben nicht nur getrunken, sonder auch gegessen, nichts zu wundern. Ein sehr beliebter Kuchen war das sog. „Deákbrot“. Es war ein süßes, konzentriertes und nahrhaftes Bischofsbrot, angereichert mit Früchten und Samen.

Das Café hat sich aufgrund der revolutionären Ereignisse als „Saal der Freiheit“ bezeichnet. Nach dem Fall des Freiheitskampfes musste der Name Pilvax jedoch geändert werden. Es gab sogar eine schwere Strafe nur für die Erwähnung des Namens. 1911 wurde das ursprüngliche Gebäude abgerissen. Stattdessen steht dort jetzt das City Hotel Pilvax. Nur noch der Name und eine Gedenktafel erinnert uns an das ehemalige, kultische Kaffeehaus.

6. Oktober 1849: Deutsche, die sich für Ungarn aufopferten
6. Oktober 1849: Deutsche, die sich für Ungarn aufopferten

Die bürgerliche Revolution vom 15. März 1848 wurde auch von der in Ungarn lebenden Deutschen mit einer großen Begeisterung begrüsst. Sie haben sogar, mit Ausnahme der Sachsen in Siebenbürgen, im Unabhängigkeitskrieg heldenhaft gekämpft. Nach der Niederschlagung des Freiheitskampfes wurden am 6. Oktober 13 Anführer und Generäle in der heute in Rumänien liegenden Stadt Arad hingerichtet, […]Continue reading

(Dániel András Vargha, Beitragsbild: Farbstiftzeichnung von József Preiszler)