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Kardinal Bo aus Myanmar: „Wer Geduld hat, verwandelt jede Herausforderung in eine lebensverändernde Chance“

Zsófia Nagy-Vargha 2021.09.09.

„Der Budapester Eucharistische Weltkongress ist ein starkes Zeugnis für einen lebendigen und pulsierenden Glauben“ sagte Kardinal Charles Bo aus Myanmar und fügte hinzu: „Unsere Sprachen mögen unterschiedlich sein. Aber wir sind geeint in der Botschaft Jesu“. Der 72-jährige Kardinal Bo ist seit 2003 Erzbischof in der myanmarischen Metropole Yangon. In seinen Worten in Budapest bat er erneut um Gebet für das Volk von Myanmar, das in den vergangenen Monaten mit „Konflikten, Covid, dem Zusammenbruch des Landes und Klimakatastrophen“ konfrontiert gewesen sei. 

Der Kardinal begrüßte die Teilnehmer mit „Jó reggelt!“ („Guten Morgen“ auf Ungarisch) und fragte sie dann: „Hogy vagytok?“ (Wie geht es euch?“) und brachte dann seine Freude darüber zum Ausdruck, nach Budapest gekommen zu sein.

Zu Beginn seiner Rede lobte der Kardinal Ungarn dafür, dass es in seiner langen Geschichte immer wieder Geduld und Toleranz bewiesen habe. Er gedachte des heiligen Stephanus, der langen Reihe ungarischer Heiliger und der Art und Weise, wie diese Nation angesichts der Widrigkeiten der Geschichte den Glauben bewahrt hat, berichtet Magyar Kurír. Er sprach auch darüber, wie es Ungarn gelungen ist, das Virus unter Kontrolle zu bringen, und dass wir nach der Epidemie nun gemeinsam den Sieg der Beharrlichkeit feiern können.

Bo erinnerte an Herausforderungen durch Armut, COVID-Pandemie oder Konflikte in seinem Heimatland.

Ich bin fest davon überzeugt, dass dieser Kongress der Ausgangspunkt für eine weltweite Heilung ist

so der Kardinal und Vorsitzende der Föderation der Asiatischen Bischofskonferenzen. Die wichtigste Botschaft des Kardinals war die der Geduld.

 Wer Geduld hat, verwandelt jede Herausforderung in eine lebensverändernde Chance

so der Kardinal. Geduld sei zudem „der einzige Weg, wie diese Welt in Frieden leben kann“, verwies Bo auf historische Entwicklungen, in denen „ungestüme, impulsive, ungeduldige Führer die Welt in die Katastrophe geführt haben“.

Kardinal Bo beschrieb die jahrhundertealte Verehrung der Heiligen Jungfrau Maria als Knotenlöserin, die auch selbst von Papst Franziskus gefördert wird. Auf dem bekannten Gemälde bietet ein Engel Maria ein Seil voller Knoten an, während ein anderer Engel die andere, von Maria bereits geglättete Hälfte nimmt und sie den Menschen anbietet. „Mit geduldigem Gehorsam löst die Muttergottes die Knoten, die für die geistigen und körperlichen Schwierigkeiten stehen, die von anderen oder von uns selbst verursacht wurden, sowie für die scheinbar unlösbaren Probleme, die die Welt selbst verursacht hat.“

Fact

Das barocke GnadenbildMaria Knotenlöserin“ wurde im Jahr 1700 von dem Augsburger Patrizier Hieronymus Ambrosius Langenmantel (1641–1718), Kanonikus am Stift St. Peter zu Augsburg, für den Altar der „Mutter vom Guten Rat“ gestiftet und stammt von dem Augsburger Künstler Johann Georg Melchior Schmidtner. Es zeigt die auf einer Mondsichel stehende Madonna, wie sie Knoten in einem langen weißen Band löst und zugleich mit dem Fuß auf den Kopf einer Schlange als Symbol für den Teufel und den Sündenfall tritt und diesen dadurch rückgängig macht. Die verknotete Form der Schlange spiegelt den Knoten, den Maria in ihren Händen hält. Die Mondsichelmadonna ist von zwölf kleinen und zwei großen Engeln und einem Sternenkranz mit sieben sichtbaren Sechssternen umgeben. Über ihrem Haupt schwebt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube – eine Anspielung auf Maria als Braut des Heiligen Geistes. Die Frau, hier als Knotenlöserin, ist von der Sonne umkleidet, wie in der Offenbarung des Johannes beschrieben.

Der Kardinal betonte zugleich die Bedeutung des Sakraments der Eucharistie für die Gläubigen.

„Als Quelle und Höhepunkt des geistlichen Lebens“ waren die Gläubigen während der Pandemie beraubt. Das kirchliche Verständnis der Eucharistie reicht laut dem Kardinal aber über diesen Punkt hinaus. Im Sinne der Verbindung von eucharistischer Frömmigkeit und karitativem Wirken brauche es eine „globale Eucharistie der gemeinsamen Ressourcen, der wirtschaftlichen und ökologischen Gerechtigkeit – eine Welt, in der Gottes Gerechtigkeit siegt“, so Bo, berichtet kathpress.at.

Die Eucharistie ist ein prophetischer Schrei, der von Millionen Altären ausgeht: ein Schrei nach Gerechtigkeit, nach einem Krieg gegen Armut, gegen Hunger, gegen die Unterdrückung der Schwachen

Fact

Heute werden mehr als 340 Millionen Christen täglich aufgrund ihrer Religion diskriminiert. Im südostasiatischen Birma sind Mitglieder der Gemeinschaft seit Jahrzehnten Unterdrückung und Verfolgung ausgesetzt. In dem Land mit 53 Millionen Einwohnern sind die Buddhisten in der großen Mehrheit. Ein Prozent der Bevölkerung ist christlich und 4 Prozent muslimisch. Trotz der Unterdrückung und des Minderheitenstatus ist die birmanische Kirche selbst in den repressivsten Zeiten gewachsen. Die Zahl der Gläubigen ist von 100.000 auf 700.000 gestiegen. Der 160-köpfige Klerus wuchs auf 700, während die Zahl der Mönche von 300 auf 2000 anstieg, die meisten von ihnen unter 40 Jahren. Charles Maung Bo sagte kürzlich in einem Vortrag: „Die Kirche war wie ein Senfkorn, das, wie im Gleichnis in der Heiligen Schrift, zu einem Baum wuchs.“ Wie stark die Gemeinschaft ist, zeigt die Tatsache, dass inzwischen 16 Wohlfahrtsverbände Bedürftige unterstützen.

Myanmar braucht Heilung

Auch die Katholiken im Land hätten sehr gelitten, „Kirchen wurden angegriffen“, sagte der Kardinal. „Viele unserer Leute sind Flüchtlinge in unserem eigenen Land.“ Die Katholische Kirche in Myanmar versuche die Menschen „in ihren Tränen und ihrer Zerrissenheit“ zu begleiten. „Unsere Nation braucht Heilung“, betonte Bo weiter.

Der Kardinal von Myanmar zitierte Papst Franziskus, der selbst die Pandemie als eine „Lektion“ über die Folgen von Egoismus und verschwenderischem Leben und als eine Wahl zwischen dem Weitergehen auf dem gleichen Weg oder dem Einschlagen eines neuen Weges sieht.

Und in der Tat haben wir während des Covid viel über Geduld gelernt, aber nach der geistigen und emotionalen Dunkelheit können wir auch eine Wiedergeburt erleben und den Wert unseres Lebens realistischer sehen

so der Kardinal und fügte schließlich hinzu: „Gott war in der Heilsgeschichte unzählige Male geduldig mit den Menschen, und Jesus selbst war geduldig in Situationen der Ablehnung oder Verweigerung.“

(Via: kathpress.at, iec2020.hu, Titelbild: MTI – Noémi Bruzák)