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Musikalische Heimatliebe – Weltberühmter Komponist Szokolay vor 90 Jahren geboren

Vor 90 Jahren genau an diesem Tag ist der weltberühmte ungarische Komponist Sándor Szokolay geboren, dessen Persönlichkeit mit der ungarischen Oper verschmolzen ist und untrennbar wurde. Die sakrale Musik könnte man ebenso hervorheben, die gleicherweise eine entscheidende Rolle in Szokolays Leben gespielt hatte. Die heilige Dreifachzahl hat ihn sein ganzes Leben lang begleitet. Der Meister erzählte oft, dass er an drei Orten geboren ist. Körperlich in Kunágota, geistig in Orosháza und musikalisch in Békés-Tarhos. Wenn ich ihn charakterisieren sollte, würde ich dies auch mit drei verschiedenen, aber gleichzeitig untrennbaren Begriffen tun: Glaube, Heimat und Familie. Alle drei spielten eine sakrale Rolle in seinem Leben, ebenso wie die Dreifaltigkeit, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Sándor Szokolay ist am 30. März 1931 in Kunágota geboren. Er hat schon seit dem Anfang seines Lebens musikalische Impulse erhalten. Der Vater Bálint war ursprünglich Beamter im Gemeindehaus, aber in seiner Freizeit hat er so viel wie möglich musiziert. Er beherrschte mehrere Instrumente, hat unter anderem bei den Philharmonikern in Orosháza gespielt. Das Gymnasium hat der junge Szokolay in dieser Stadt besucht. 1947 war ein wichtiges Jahr in seinem Leben. In diesem bestimmten Jahr wurde das berühmte Lyzeum für Musik in Békés-Tarhos, unter der Leitung von dem Kodály-Lehrling und Dirigenten György Gulyás, gegründet.

Op 1. Zene-Bona, Ostinato in bulgarischen Rhythmus. Von seinem Sohn, Balázs Szokolay gespielt.

Der sechzehnjährige Szokolay ist hier wortwörtlich musikalisch geboren, als er seine Fähigkeit zum Komponieren entdeckt hat. Er hat so schnell den ersten Band der Klavierschule gelernt, dass seine Lehrerin Éva Sipos empfohlen hat, eigene „Fingerübungen“ zu schreiben, bis die Lieferung des zweiten Bandes ankommt. So ist es passiert, dass er während der Schuljahre mehr als hundert solcher Stücke geschaffen hat. So ist die Op. 1. „Zene-Bona“ Sammlung geboren. Ab diesem Punkt war seine Karriere als Komponist determiniert und unvermeidbar.

Von links nach rechts: Frau von Kodály Péczely Sarolta, Zoltán Kodály, Sándor Szokolay

Nach den wertvollen Jahren in Tarhos wurde er an die berühmte Budapester Liszt Akademie (heute: Liszt Ferenc Zeneművészeti Egyetem) aufgenommen, wo unter der Leitung von Ferenc Farkas und teilweise Zoltán Kodály sein Talent aufblühte. Während dieser Zeit wurde er von der Musik von Béla Bartók beeinflusst, dies hört man auch in seiner Diplomkomposition Op. 13. Concerto für Violine. Es ist aber wichtig zu vermerken, dass er am Ende seines Studiums seinen eindeutig erkennbaren Stil schon entdeckt hat, den man in diesem Stück unanfechtbar hört.

Aufnahme: Op 13. Violin Concerto, aufgeführt von seiner Tochter, Orsolya Szokolay.

Wie die meisten Künstler in der kommunistischen Ära, war auch er von der damaligen politischen Macht abhängig, so ist es passiert, dass er 1959 beauftragt wurde, ein Stück für den 40. Jahrestag der Räterepublik zu komponieren. Szokolay hat mit Absicht ein Gedicht (A Tűz márciusa, „März des Feuers“) von Endre Ady gewählt, das als Text seines Oratoriums diente. Mit diesem Werk gedachte er der Opfer der Revolution von 1956. Der Text der Komposition war auch für das kommunistische Regime auffällig.

Lasset uns endlich die Worte des Ungarns hören
der nie Angst hatte, und jetzt kann er nicht mehr Angst haben […]
[…] Es gibt keinen der trauriger ist als ein junger Ungar, weil er unter Bastarden und Narren lebt. […] Ein Toter sendet Leben und Glaube für Euch, junge, verlassene Brüder […]

Vor der Uraufführung wurde er wegen seiner Komposition mit Volksfeindlichkeit angeschuldigt. Weiterhin musste er ein Dokument unterschreiben, in dem stand, dass er die Verantwortung übernimmt, falls es nach dem Konzert zu einer Demonstration kommt. Nach der Uraufführung wurde das Stück für mehrere Jahrzehnte verboten und wurde in gedruckter Form nicht ausgegeben. Nur wegen der Fürsprache seines Meisters Kodály, ist er wahrscheinlich dem Gefängnis entkommen.

Szokolay als Dirigent, Foto: http://www.szokolay.hu/galeria.asp

Sein Genie ist mit elementarer Kraft in seiner weltberühmten Oper „Vérnász“ („Bluthochzeit“), aufgeblüht. Das Libretto hat er aus dem Ursprungswerk von Frederico García Lorca selber geschrieben, was sehr selten ist, dass ein Komponist das Libretto selber schreibt. Die im Jahre 1964 uraufgeführte Oper hat ihn den Weltruhm bedeutet. Sein Werk wurde in 23 Ländern, auch in den USA, aufgeführt und in mehrere Sprachen übersetzt. Diese große Leistung musste sogar das kommunistische Regime erkennen, so ist es passiert, dass er mit 35 die höchste staatliche Auszeichnung, den Kossuth-Preis erhalten hat. Außer „Vérnász“ hat er noch sechs weitere große Opern geschrieben.

Fact

Opern von Szokolay
Hamlet (1968)
Sámson (1973)
Ecce Homo (1987)
Szávitri (1988)
Nathan der Weise (1994)
Margit, a hazának szentelt áldozat (1995)

Neben dem Komponieren hat er an der Budapester Akademie Komposition unterrichtet. Er war Präsident von zahlreichen Stiftungen und Gesellschaften, so hatte er die Möglichkeit seine, in vielen Fällen kritische, Meinung in öffentlichen Bereichen zu sagen. Sein Glaube an Gott und seine Heimatliebe stand über allem und er ist immer für die Gerechtigkeit und gegen die Ungerechtigkeit eingetreten. Deswegen hat er das Werk „Ima rontás ellen“ („Gebet gegen Verpestung) geschrieben, mit dem er gegen das Dorfzerstörungsprogramm des rumänischen, kommunistischen Regimes protestiert hatte. Trotzdem hat er Anfang der 90er Jahre viele ungebührende Kritiken bekommen, weswegen sogar seine Gesundheit gefährdet wurde. Um seine Ruhe zu finden, hat die Familie die laute Hauptstadt verlassen und ist 1994 nach Sopron umgezogen.

Katolische Kirche in Böződújfalu, Siebenbürgen. Foto von: Iacihobo-https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5399121

Katholische Kirche in Böződújfalu, Siebenbürgen. Foto von: Iacihobo-https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5399121

Seine Werke, unabhängig davon, ob sie sakral oder weltlich waren, sind von seinem Glauben an Gott -ähnlich, wie bei Bach- untrennbar. Bach und Szokolay haben nicht nur wegen des Berufes Gemeinsamkeiten. Beide Komponisten waren glaubenstreue und stolze Lutheraner. Diese Tatsache wird von den Werken Confessio Augustana und Luther-Kantata von Szokolay unterstützt.

Der Meister hat unermüdlich bis zu seinem Tod (08. Dezember 2013) komponiert. Regelmäßig hat er Konzerte dirigiert, hat an verschiedenen gesellschaftlichen Anlässen teilgenommen. Ein riesengroßes Lebenswerk mit hunderten von Kompositionen hat er hinterlassen. Seine Bedeutung in der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts steht außer Frage. Seine Lebensphilosophie, sein beispielloser Mut in den schwierigsten Zeiten, sein Glaube und seine Heimatliebe sollte immer als Beispiel vor uns stehen.

Sándor Szokolay in Sopron

Die von seiner Tochter, der Violinistin Orsolya Szokolay und seinem Schwiegersohn, dem Pianisten László Legendy gegründete Szokolay Stiftung pflegt sein Lebenswerk und organisiert regelmäßig einen Wettbewerb für junge, talentierte Komponisten. Er lebt immer in unseren Gedanken weiter, wie er gelebt hat, als liebevoller Mensch.

(Artikel von Dániel András Vargha, ehemaliger Lehrling und Freund. Fotos: www.szokolay.hu)