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Premier Orbán: „Wir haben keine Soros-Phobie“

Ungarn Heute 2020.01.16.

Fidesz und die Zukunft der EVP, Ungarns Beziehungen zu Russland und zu der Türkei, die Grünen in Europa, Kommunalwahlen, Brexit, Medienlandschaft in Ungarn, sowie George Soros. Premier Viktor Orbán hielt am 9. Januar eine fast dreistündige Pressekonferenz mit mehr als einhundert Journalisten des in- und ausländischen Pressekorps. Artikel von abouthungary.com.

„In den nächsten zwei Jahren wollen wir auf unseren Erfolgen aufbauen“, sagte Premierminister Orbán und definierte die kommende Ära. Der Ministerpräsident gab einen kurzen Überblick über die aktuelle Situation im Irak und die dort stationierten ungarischen Soldaten, informierte über den aktuellen Stand der illegalen Migration, des Wirtschaftswachstumes, die Gesundheitsreformen sowie die Klimapolitik. Der Premierminister nahm dann an einer zweistündigen Fragerunde mit dem internationalen Pressekorps teil.

„Bei den jüngsten Raketenangriffen“, begann Premierminister Orbán zum Thema der ungarischen Truppen im Irak, „gab es unter den angegriffenen Stützpunkten auch solche, in denen ungarische Soldaten stationiert waren“, sagte er, „aber es wurde kein einziger ungarischer Soldat verletzt.“

Die ungarischen Soldaten sind so sicher im Irak wie Soldaten im Irak eben sein können

Der Ministerpräsident stellte jedoch klar, dass Ungarn alle notwendigen Vorbereitungen getroffen habe, um eine sofortige Evakuierung durchzuführen.

Foto: MTI/Szigetváry Zsolt

Was den Migrationsbericht angeht, so Orbán, „da haben wir zunächst die Jahresdaten der türkischen Hauptdirektion für Einwanderung kennengelernt“.

„Im Jahr 2019 überquerten 450.000 Menschen auf illegale Weise die Grenze zur Türkei“, dies ist ein steiler Anstieg von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sagte Premierminister Orbán und bewertete die jüngsten türkischen Berichte über den wachsenden Migrationsdruck. Infolgedessen hat sich die Zahl der Migranten, die nach Griechenland kommen, fast verdoppelt, und an der ungarischen Grenze werden inzwischen täglich über einhundert Menschen verhaftet.

Deshalb müssen wir die Zahl der an der serbisch-ungarischen Grenze tätigen Soldaten und Polizisten erhöhen

sagte der Ministerpräsident. Inzwischen ist in den V4-Ländern auch ein Grenzschutzabkommen in Kraft getreten, und Ungarn hat die polizeiliche Zusammenarbeit mit Nordmazedonien und Serbien ausgeweitet, um illegale Einwanderer abzuwehren und sie aufzuhalten.

Ministerpräsident Orbán sprach auch über die Wirtschaftslage Ungarns. 

„Zum ersten Mal seit 30 Jahren beschäftigen wir mehr als 4,5 Millionen Menschen. Im Vergleich dazu arbeiten heute mehr als 800.000 Ungarn als im Jahre 2010. Während die Durchschnittslöhne in den letzten zehn Jahren um stolze 80 Prozent gestiegen sind, sind auch die Gehälter der sozial am wenigsten verdienenden Gruppen dramatisch angestiegen. Seit 2010 sind die Mindestlöhne und -gehälter für Facharbeiter um 120 bzw. 135 Prozent gewachsen.“ 

Orbán verspricht weitere Lohnerhöhungen

„Die Frage ist“, so Orbán, „wie das ungarische Wirtschaftsmodell funktionieren kann, wenn es in der Eurozone kein Wirtschaftswachstum gibt?“ Aus diesem Grund wird „das Jahr 2020 ein ungewöhnliches, besonderes und aufregendes Jahr.“

In einem Versuch, unsere Angestellten im Gesundheitswesen in Ungarn zu halten, sagte Premierminister Viktor Orbán, dass die Regierung in dieser Branche in den nächsten zwei bis drei Jahren die Durchführung einer Lohnerhöhung von 72 Prozent beschlossen habe.

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Gleichzeitig, so der Ministerpräsident, forderte er den Minister für nationale Entwicklung auf, die Renovierung von Krankenhäusern zur obersten Priorität zu machen.

Ich denke, es stimmt, wenn die Leute sagen, dass die Krankenhäuser, die sie aufsuchen müssen, nicht in angemessenem Zustand sind

sagte Premierminister Orbán. Er bestätigte ferner, dass nach einer kürzlich getroffenen Entscheidung der Regierung alle Krankenhauseinrichtungen, die älter als drei Jahre sind, renoviert werden.

Zur Klimapolitik erklärte Premierminister Orbán, die Regierung habe gerade ihre nationalen Energie- und Klimastrategien verabschiedet. Diese beiden müssen seiner Überzeugung nach gemeinsam behandelt werden. „Von den 200 Ländern der Welt konnten nur 21 Länder ein BIP-Wachstum verzeichnen und gleichzeitig ihre CO2-Emission verringern“, sagte der Ministerpräsident. Ungarn gehört tatsächlich zu diesen 21 Ländern.

Das Karpatenbecken ist in der Lage, die notwendigen Lebensmittel zu produzieren, das Karpatenbecken ist in der Lage, das notwendige Trinkwasser zu liefern und es ist in der Lage, für die hier lebenden Menschen eine saubere Umwelt zu schaffen, wenn wir uns schön, ruhig und planmäßig an den Klimawandel anpassen.

Orbán: „Arme Länder dürfen den Preis für Kampf gegen Klimawandel nicht bezahlen“

orbán fügte hinzu: die Regierung strebt bis 2030 eine Energieerzeugung an, die zu 90 Prozent kohlenstofffrei ist.

Die Journalisten hatten die Möglichkeit, den Premier zu fragen. Hier sind einige Highlights aus der Fragerunde:

Zu Soros und der Kritik, dass die ungarische Regierung zu viel von dem Thema hält, sagte der Ministerpräsident, dass Kritiker wie Kommissar Timmermans sich mit der Realität auseinandersetzen müssen.

„Wir haben keine Soros-Phobie“, sagte er, „wir sind nicht darauf fixiert. Wir stehen jedoch einer sehr starken Gruppe gegenüber, die von George Soros geleitet wird.“ Ihr Ziel ist es, Einfluss auf die Politik der EU zu nehmen.

„Ich denke, George Soros ist ein talentierter, ungarischer Mann. Genau das ist das Problem. Es tut mir sehr leid, dass er nicht mit uns ist, sondern gegen uns.“

Auf die Frage des ZDF, ob der Fidesz aus der Europäischen Volkspartei austreten werde, antwortete der Ministerpräsident, dass „die EVP immer liberaler, sozialistischer und zentristischer wird“ und so würden wir unsere ursprünglichen Werte nicht bewahren. Im Idealfall wäre es das Ziel des Fidesz, die EVP zu ändern. Die zukünftige EVP sollte laut Ministerpräsident Orbán anders aussehen – die Frage ist, ob Fidesz in der EVP die Befugnis hat, solche Änderungen einzuleiten. „Wenn wir die EVP nicht ändern können, werden wir eine neue Bewegung innerhalb der EP einleiten“, sagte er.

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Auf die Frage nach den Beziehungen Ungarns zu Ländern, die keine Demokratien sind, erklärte der Ministerpräsident, dass die Verfolgung einer ausschließlich auf Werten beruhenden Außenpolitik unsere Kompromissfähigkeit einschränke. In der Außenpolitik gebe es seines Erachtens drei Möglichkeiten: Isolation, Kompromiss oder Krieg. Die beste Option ist der Kompromiss.

In der Zwischenzeit erkundigte sich die Financial Times nach der künftigen Politik von Premierminister Orbán gegenüber Großbritannien nach dem Brexit. „Wir müssen mit dem Vereinigten Königreich gut auskommen und auf strategischer Ebene zusammenarbeiten“, sagte Premierminister Orbán und bezeichnete Boris Johnson als einen der „tapfersten europäischen Politiker“ von heute. Laut Viktor Orbán zeichnet sich in Großbritannien eine „Erfolgsgeschichte“ ab, während die Europäische Union zu Unrecht davon ausgeht, dass eine ordnungsgemäße Beziehung zwischen Großbritannien und der EU in erster Linie im Interesse des Vereinigten Königreichs liegt.

In Beantwortung einer Frage zur Medienfreiheit und zu der Frage, ob die ungarische Medienlandschaft ausgewogen sei, sagte der Ministerpräsident, dass die Erfahrung hier Bände spricht. Erfahrungsgemäß würde er bei einer geheimen Abstimmung unter den Journalisten im Saal mit einer 80-zu-20 Prozent-Rate verlieren, da die überwiegende Mehrheit der Journalisten nicht mit der Regierung sympathisiert. Und dies gilt überall in der westlichen Welt.

(Via: abouthungary.com, miniszterelnok.hu, Beitragsbild: MTI – Zsolt Szigetváry)