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Sputnik-Janssen-Debatte: Warum empfehlen Virologen es nicht?

Ungarn Heute 2021.11.19.

Obwohl die ungarischen Behörden dies nicht empfehlen, entschieden sich sowohl der Kanzleramtsminister als auch der Pandemie-Berater Nr. 1. der Regierung, der Rektor der Semmelweis-Uni, sich nach zwei russischen Impfstoffen einen Janssen-Impstoff verabreichen zu lassen. Diese Entscheidung ist seltsam, da selbst auf der COVID-Informationswebseite der Regierung koronavirus.gov.hu Janssen nicht als empfohlene dritte Dosis für Personen aufgeführt ist, die früher mit Sputnik geimpft wurden. Dies betont jetzt auch der Virologe Ferenc Jakab. 

Ich möchte noch einmal betonen: Wer zwei Vektorimpfstoffe erhalten hat, zwei Sputnik oder zwei AstreZeneca, sollte nicht nach Janssen fragen und auch nicht nach einem dritten Vektorimpfstoff

dies sagte Virologe Ferenc Jakab bezüglich der Sputnik-Sputnik-Janssen-Debatte in der Morgensendung von Radio Kossuth am Donnerstagmorgen.

Die „Sputnik-Janssen-Impfstoffmischung“ rückte wieder in den Mittelpunkt des Interesses, nachdem Béla Merkely, der Rektor der Semmelweis-Universität, am Mittwochmorgen bekannt gab, dass er nach den beiden russischen Impfstoffen den Janssen-Impfstoff gewählt hat, der ebenfalls mit der Vektorimpfstofftechnologie hergestellt wird (ähnlich wie Gergely Gulyás, Kanzleramtsminister). In der früheren Empfehlung des NNK wurde diese Impfstoffkombination jedoch nicht empfohlen.

Ein wichtiger Aspekt ist, dass diejenigen, die Sputnik als Erst- und Zweitimpfung erhalten haben, in viele Länder nicht reisen können, selbst wenn sie Pfizer oder Moderna als Drittimpfung erhalten. Janssen ist der einzige Einzeldosis-Impfstoff, der eine Reiselösung bietet.

Fact

Auffrischungsimpfungen – das Nationale Zentrum für öffentliche Gesundheit empfiehlt diese Kombinationen:

  • AstraZeneca (Vektorimpfstoff): Pfizer, Moderna, Sinopharm, AstraZeneca
  • Janssen (Vektorimpfstoff): Pfizer, Moderna, Sinopharm, Janssen
  • Moderna (mRNA): Sinopharm, Janssen, AstraZeneca, Moderna
  • Pfizer (mRNA): Sinopharm, Janssen, AstraZeneca, Pfizer
  • Sinopharm (inaktiviert): Pfizer, Moderna, AstraZeneca, Janssen, Sinopharm
  • Sputnik V (Vektorimpfstoff): Pfizer, Moderna, Sinopharm, Sputnik

Der Virologe Miklós Rusvai meint, dass Janssen nach dem russischen Impfstoff sicherlich keinen Schaden anrichten wird, aber da es sich wie bei Sputnik um einen Impfstoff auf Adenovirusbasis handelt, könnte es bei den mit dem russischen Impfstoff Geimpften zu einem 5-10%igen Wirkungsverlust kommen.

Die Semmelweis-Universität hat zum Thema eine Erklärung abgegeben, nachdem auch Professor Merkely den Janssen-Impstoff nach zwei Sputniks aufgenommen hat:

Die Universität vertritt den Standpunkt, dass es in der gegenwärtigen Situation am wichtigsten ist, dass jeder die erste, zweite und dritte Impfung erhält.

In der Erklarung wird auf internationale Empfehlungen hingewiesen:

„Auf der Grundlage der verfügbaren internationalen Daten und Empfehlungen kann ein vektorbasierter Impfstoff verabreicht werden, der das gleiche Adenovirus enthält. Dafür spricht, dass die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) beispielsweise die wiederholte Verabreichung des Janssen-Impfstoffs genehmigt hat oder dass in England drei aufeinanderfolgende vektorbasierte Impfungen mit Astra Zeneca sowie in Russland eine dritte Impfung mit Sputnik zugelassen wurden.“

Ferenc Jakab, Leiter des Szentágothai-János-Forschungszentrums, Nationales Labor für Virologie, Universität Pécs, sprach anschließend am Donnerstagmorgen in der Morgensendung von Radio Kossuth.  Der Professor räumte ein, dass es keine Beweise dafür gibt, dass die Kombination nicht wirksam sei, aber unser derzeitiges Wissen ist, dass unser Immunsystem beginnt, sich auch gegen das Vektorenvirus zu verteidigen, und die Wirksamkeit des dritten Impfstoffs könnte sich daher verringern. Er fügte hinzu, dass es für junge Menschen sogar besser sei, den chinesischen Impfstoff von Sinopharm als dritten Impfstoff zu verlangen.

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In Ungarn kann ein jeder seit August eine dritte Dosis des Coronavirus-Impfstoffs  erhalten (wenn seit der zweiten Dosis vier Monate vergangen sind). Um die Impfung zu beschleunigen, startet die Regirung nächste Woche eine Impf-Kampgane. Alle Krankenhäuser in Ungarn, insgesamt 101, werden in der nächsten Woche (von Montag bis Sonntag) die Coronavirus-Impfung ohne eine Voranmeldung anbieten. Jeder kann somit die erste, zweite oder die dritte „Auffrischungsimpfung“ erhalten, ohne einen Termin vereinbaren oder sich elektronisch registrieren zu müssen.

(Via: portfolio.hu, Titelbild: Attila Balázs/MTI)