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Tragischer Mai für Franz Joseph

Tragischer Mai. Es war eine seltsame Wendung des Schicksals, dass das erstgeborene Kind von der ungarnliebenden Sisi (die sogar auch zum Zeitpunkt ihres Todes einen ungarischen Satz sagte!), dessen Erziehung gewaltsam von der ungarnhassenden Schwiegermutter  übernommen wurde, auf einer Ungarn-Reise im Alter von zwei Jahren starb. Vielleicht soll die Schwiegermutter das österreichische Kaiserreich symbolisieren, das Kind könnte Ungarn verkörpern und Sisi kommt als eine schützende Mutter der Nation vor. Dieses tragische Familienereignis hätte beinahe die dunkle Zukunft vorausgesagt, die das ungarische Königreich erwartete. Und wie es das Schicksal „wollte“, starben die ungeliebte Schwiegermutter und das geliebte kleine Mädchen fast am selben Tag (in unterschiedlichen Jahren 1872 bzw. 1857): so wurden der 28. und 29. Mai  zu tragischen Todestagen für Franz Joseph.

Entschlossenheit, Strenge und Leiden. Mit diesen drei Worten könnte man am besten Sophie Friederike von Bayern, die Mutter von Franz Joseph, Schwiegermutter von Sisi  beschreiben, wobei die Kaiserin Elisabeth sie immer mit dem Ausdruck „böse Frau“ bezeichnet hat.

Die ehrgeizige, talentierte und rücksichtslose Sofia, „der einzige Mann in der Familie“ – wie sie vom Volk bezeichnet wurde – brachte 1848 mit ihrer unermüdlichen Intrige die Staatsführung dazu, das Szenario der Inthronisierung des Neffen von Kaiser Ferdinand zu akzeptieren und ihren Mann (und die anderen legitimen Erben) außen vor zu lassen. Am 2. Dezember 1848 entmachtete der Hofkämmerer unter dem Einfluss der Erzherzogin den Monarchen in einem Staatsstreich, wonach der Kaiser abdankte und durch den 18-jährigen Erzherzog Franz Joseph ersetzt wurde, Sohn der Erzherzogin Sofia.

Als ihr Sohn Franz Joseph Kaiser wurde, ließ die zur Herrschaft entschlossene Zsófia ihre eigene Schwester, die Witwe Karolina Augusta von Wien nach Salzburg „verbannen“.

Erzherzogin Sophie, via Wikimedia Commons

Die Erzherzogin mit ihrer schwierigen Natur hatte aber ein ebenso schweres Schicksal. Schon am Anfang der Beziehung zu ihrer Schwiegertochter Kaiserin Elisabeth gab es nur Konflikte. Die Kaiserin Sisi litt sehr unter der Strenge ihrer Schwiegermutter. Nur nach schweren Auseinandersetzungen gelang es der Kaiserin, das Recht auf Erziehung ihrer eigenen Kinder wiederzuerlangen. Trotz dieser Ereignisse hat das kaiserliche Ehepaar dem ersten Kind den Namen der Erzherzogin gegeben, so wurde sie Sophie Friederike von Österreich.

Die kleine Tochter von Sisi, Marie Valerie via Wikimedia Commons

Sophie war das erste Kind von Kaiser Franz Josef und Elisabeth von Österreich. Sie war erst 2 Jahre alt, als das königliche Ehepaar von Wien aus zu einer langen Reise nach Ungarn aufgebrochen sind. Sisi bestand darauf, dass ihre beiden Töchter, Zsófia und die einjährige Gizella, sie zur Budaer Burg begleiten, um dort auf ihre Rückkehr von ihrer einwöchigen Reise zu warten.

Sisi und Franz Joseph sollten Buda am 13. Mai für ihre Ungarn-Reise verlassen, aber die Reise wurde wegen der Krankheit der jüngeren Tochter Gizella verschoben. Der Hof ahnte nichts Böses und glaubte, Erzherzogin Gizella sei „von einem Zahndurchbruch befallen“, doch hatte die Kleine dann so große Schmerzen, dass man schließlich beschloss, die Reise zu verschieben. Bis hin zum 17. Mai.

Doch in der Zwischenzeit erkrankte auch Sofia

Während sich die jüngere Gisela schnell erholte, wurde die kleine Sophie immer schwächer, bis sie schließlich starb. Später wurde vermutet, dass nicht Durchfall und Fieber, sondern Typhus schuld an ihrem frühen Tod war.

Das 2 jährige Mädchen ist am Abend des 29. Mai verstorben.

Der Säugling wurde am 31. Mai in der Budaer Burgkapelle aufgebahrt. Am Abend des 1. Juni wurde dann der Leichnam der verstorbenen Erzherzogin mit einem Sonderzug nach Wien gebracht und dann in einem Sechsergespann in die kaiserliche Gruft transportiert. Da es Nacht war, führten zwei kaiserliche Soldaten die Pferde, mit einer Laterne in der Hand. Der Leichenwagen wurde hinter sechs schneeweiße Pferde gespannt.

Der Tod ihres ersten Kindes stürzte die junge Königin Elisabeth in eine schwere Depression, und die Erinnerung daran verfolgte sie für den Rest ihres Lebens. Jedoch bestand sie später bei ihrer vierten Schwangerschaft darauf, dass ihr jüngstes Kind, Maria Valeria, 1868 im Budaer Burgpalast geboren werden soll, trotz der dramatischen Erinnerungen an ihr erstes Kind, Sofia, welches dort im Alter von zwei Jahren starb. Die traurigen Ereignisse hatten jedoch kein Ende mit dem Tod ihrer Tochter. Später beging ihr Sohn, der Thronfolger Rudolf, mit 30 Jahren Selbstmord.

Ihr tragisches Schicksal hatte sie aber mit ihrer Schwiegermutter gemeinsam: Der Sohn der Erzherzogin, Kaiser Maximilian I von Mexiko, wurde nach dem Machtsturz zum Tode verurteilt und hingerichtet. Danach verlor Sophie jeden Lebensmut und überlebte ihn nur um fünf Jahre. Nach einem Besuch im Burgtheater zog sie sich eine schwere Lungenentzündung zu, an der sie am 28. Mai 1972 in Wien starb. Sie wurde ebenfalls in der Kapuzinergruft in Wien beigesetzt.

(Beitragsbild: Josef Kriehuber via Wikimedia Commons)