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Székelyudvarhely, Siebenbürgens „ungarischste Stadt“

Zsófia Nagy-Vargha 2021.06.04.

Obwohl nach dem Trianon-Diktat vom Jahr 1920 Ungarn mehr als Zweidrittel seines Territoriums verloren hat und damit auch einen großen Teil seiner Bevölkerung, und die Zahl der in den jeweiligen Staaten lebenden Ungarn stetig schrumpft, konnte Székelyudvarhely, mit einem ungarischen Bevölkerungsanteil von über 90 Prozent ein kleines Ungarn mitten in Rumänien beibehalten. Die Kleinstadt wird als die „ungarischste Stadt“ Siebenbürgens bezeichnet, die von der jahrhundertelangen rumänischen Herrschaft und der rasanten Modernisierung des 20. Jahrhunderts scheinbar wenig betroffen bleiben konnte. 

Die wunderschöne Stadt liegt östlich des Siebenbürgischen Beckens, in den Westausläufern des Harghita-Gebirges, eines Gebirgszugs der Ostkarpaten. Die Stadt wird vom Fluss Nagy-Küküllő durchquert, und in der Nähe befinden sich die bemerkenswerten Gipfel der Szarkakő und der legendäre Budvár.

Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt erfolgte im Jahr 1330 in einem päpstlichen Pflichtregister, besiedelt soll die Gegend aber schon seit der Steinzeit sein.

Der Legende nach ließ sich auch König Attila in Székelyudvarhely nieder, bevor er seinen Herrschaftssitz an der Theiß errichtete. Lokale Legenden schreiben den Bau von Budvár auch den Hunnen zu, und zwar dem Bruder und Vorfahren des großen Herrschers Buda – Bleda. Die Legende besagt, dass die Szekler auch nach dem Tod von Attila dem Hunnen, der das Karpatenbecken verlassen musste, Siebenbürgen nicht verlassen haben.

Historischen Berichten zufolge lehnten die hier lebenden Szekler den Bau einer Burg immer wieder ab, da sie eine Burg viel mehr als eine Gefahr für ihre Freiheit als einen Schutz ansahen.

So wurde die Stadt während der stürmischen Jahrhunderte der ungarischen Geschichte mehrmals von den in Siebenbürgen einfallenden osmanischen und tatarischen Armeen niedergebrannt und geplündert. Trotz der häufigen Zerstörungen konnte sie ihre zentrale Rolle lange beibehalten: nicht nur als Verwaltungszentrum der Region Udvarhelyszék, sondern auch als Tagungsort der Szekler Nationalversammlungen.

Die Tradition der Szekler Freiheit ging nie verloren, auch dann nicht, als Siebenbürgen nach der Vertreibung der Türken in das Habsburger Reich eingegliedert wurde. 1762, vor der Madéfalva-Tragödie, ist ein Unmut auch hier über die Stationierung von kaiserlichen Truppen im Szeklerland ausgebrochen. Diese Traditionen waren auch im Herbst 1848 sehr lebendig: Tausende Freiwillige aus der Stadt schlossen sich den neu organisierten Heimatschutztruppen an.

Gedenktag des Massakers in Madéfalva
Gedenktag des Massakers in Madéfalva

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Während des Daulismus konnte sich die Stadt weiter entwickeln, aber erreichte die Position eines Industrie-Zentrums nicht. Die meisten Bürger lebten von der Landwirtschaft. Zwischen 1869 und 1910 verdoppelte sich die Einwohnerzahl der Stadt, auf knapp über 10.000. Mehr als 97% der Bürger (9888 Personen) erklärten sich bei der letzten Volkszählung der Monarchie als gebürtige Ungarn.

Obwohl die neue Staatsmacht nach dem Ersten Weltkrieg die Szekler „umromanisieren“ wollte, konnten die Bürger von Székelyudvarhely zwischen den beiden Weltkriegen mehrmals einen ungarischen Bürgermeister wählen, und 1935 stellten sie vier Fünftel der örtlichen Beamtenschaft aus. Und trotz mehrerer gewaltsamer Versuche der kommunistischen rumänischen Regierung während der Jahrzehnte des Sozialismus, konnte die Stadt als eine der wichtigsten Bastionen der Siebenbürger Ungarn diese Rolle behalten. Zur Bewahrung der ungarischen Identität trug auch die Tanzhausbewegung bei, deren siebenbürgisches Zentrum in den 1970er Jahren auch in die Stadt gelangte.

Obwohl die Einwohnerzahl rückläufig ist (34.257 im Jahr 2011), lag der Anteil der Ungarn bei der letzten Volkszählung immer noch bei fast 92,5%.

Sehenswürdigkeiten in der Stadt

Obwohl sich die Bedeutung von Székelyudvarhely wie gesagt stetig verringerte, blieb sie das kulturelle Zentrum des Szeklerlandes. Die Stadt hat sich ihr Image aus dem 19. Jahrhundert mit ihrem charmanten Stadtbild, den renommierten Schulen und dem pulsierenden kulturellen Leben bewahrt.

Foto: Facebook Seite der Stadt

Sie wird oft auch als die „Stadt der Schulen und Buchläden“ bezeichnet.

Jeder vierte Einwohner der Stadt ist Schüler. Es gibt 15 Kindergärten, 7 Grundschulen, 10 weiterführende Schulen, 4 Berufsschulen, 3 Hochschulen und 4 Fernschulen. Das erste Gymnasium wurde 1593 gegründet und das reformierte Kollegium 1670. Das Kulturhaus, das Volkstheater Tomcsa Sándor, die Stadtbibliothek und die wissenschaftliche Bibliothek, das Museum und die Galerie sowie die Musikveranstaltungen sind national und international für ihre öffentlichen kulturellen Leistungen bekannt.

Dank der Gründung zahlreicher Schulen in der Geschichte der Stadt wurde sie zu einem kulturellen Zentrum von großer Bedeutung für beide großen Konfessionen (römisch-katholisch, kalvinistisch). Dank dieser Einrichtungen, die auch heute noch in Betrieb sind, rühmt sich Székelyudvarhely mit berühmten Persönlichkeiten wie dem Schriftsteller, Volkskunde-Forscher Balázs Orbán, dem weltberühmte Maler Miklós Barabás, sowie den Schriftstellern/Dichtern Elek Benedek, Áron Tamási und Sándor Kányádi.

Foto: Csaba Lőrincz

Die Stadt besteht aus patinierten historischen Gebäuden, romantischen und malerischen Straßen, gefärbt mit Kopfsteinpflasterstraßen, Blumenmärkten, bezaubernden Treppen, die zum Hauptgymnasium hinaufführen. Es gibt auch ein atemberaubendes Panorama auf die Stadt. Es lohnt sich auch die kürzlich restaurierte Alte Burg zu besichtigen. Sie alle haben ein „richtiges westeuropäisches Flair“. Die Promenade am Ufer des Küküllő, das imposante Tomcsa-Sándor-Theater, der Skulpturenpark mit seinen Statuen der Größen der Nation, die hübschen Villen des Sombatfalvi-Viertels und die modernen aber geschmackvollen Gebäude des Malom-Straßenviertels stärken auch das magische Image der Stadt.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass die Stadt das ganze Jahr über eine Reihe von ungarischen Festen und Programmen feiert und jeden ungarischen nationalen Feiertag würdig begeht.

Jedes Jahr findet in der Stadt ein „Galopp“ statt. Die „Széki Vágta“ ist ein Pferdetreffen und gleichzeitig ein Geschicklichkeitswettbewerb.

FIZETŐS

Foto: MTI – Nándor Veres

Kinder erinnern mit ungarischen Fahnen in den Händen an den ungarischen Unabhängigkeitskrieg von 1848/49. Foto: Facebook Seite der Stadt. 

Tag der ungarischen Staatsgründung (20. August)

Christkindlmarkt auf dem Hauptplatz. Foto: Facebook Seite der Stadt. 

 Schließlich eine Zeitreise mit Hilfe der Fotosammlung von Fortepan

Die Stadt im Jahr 1903. Foto: Fortepan / Magyar Földrajzi Múzeum / Erdélyi Mór cége

Rathaus 1941, Foto: Fortepan / Aszódi Zoltán

Grabstätte von Balázs Orbán, Foto: Fortepan / Aszódi Zoltán

Hauptplatz, 1963, Foto: Fortepan / Németh Tamás

Szekler-Tore 1985, Foto: Fortepan / Németh Tamás

(Via: rubiconintezet.hu, wikipedia.org, Titelbild: Csaba Lőrincz – Rathaus von Székelyudvarhely, Fotos: Facebook Seite der Stadt, Fortepan, MTI)