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„Ungarn ist der sicherste Ort für Juden in Europa“ – Rabbi Köves auf der internationalen Journalistenkonferenz „Hungary at first site“

Ungarn Heute 2020.11.19.
FIZETŐS

Ungarn ist derzeit der wahrscheinlich sicherste Ort für Juden in Europa, sagte der Oberrabbiner der Einheitlichen Ungarischen Jüdischen Kongregation (EMIH) Slomó Köves auf der internationalen Journalistenkonferenz „Hungary at first site“, die von der Stiftung „Freunde von Ungarn“ organisiert wurde. „Obwohl ein Teil der Gesellschaft antisemitische Gefühle hat, gibt es im Gegensatz zu einigen westeuropäischen Ländern keine physischen Gräueltaten“ – fügte der Rabbi hinzu.

In seinem Vortrag verwies Rabbi Köves auf die Gründung ihrer Stiftung „Foundation for Action and Defense (TVA)“. Die Inspiration für dessen Gründung kam durch die Entstehung der extremen Rechten, der wachsenden Popularität von Jobbik, den kontroversen Aussagen einiger Politiker um die Mitte des letzten Jahrzehnts und dem bloßen Gedanken, dass jüdische Gemeinden für sich selbst verantwortlich sind.

Fact

Die Organisation bietet Rechtsschutz und Hilfe für die Opfer, für Fälle im Zusammenhang mit der Leugnung des Holocaust sowie für die Erstellung von Dokumenten zur Änderung der Gesetzgebung. Die zweite Grundlage ihrer Aktivität ist Forschung und Überwachung, die kürzlich auf acht weitere Länder ausgeweitet wurden. Die dritte ist die Bildung (Programme, Lehrbücher, Kurse), welche Köves für am Wichtigsten hält.

In Bezug auf ungarische antisemitische Tendenzen gilt Ungarn im internationalen Vergleich definitiv als sicher, sagt Köves. So listete TVA 2019 nur 35 Fälle antisemitischer Vorfälle in Ungarn auf, d.h. 3,5 Fälle pro Million Einwohner. Diese Zahl ist erheblich besser als ähnliche Daten westlicher Länder (Niederlande, Frankreich, USA oder Großbritannien). Darüber hinaus verzeichnete auch das benachbarte Österreich in den Vorjahren mehr Fälle.

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Dennoch sind in der ungarischen Gesellschaft auch  antisemitische Neigungen vorhanden. Rund zwei Drittel der ungarischen Gesellschaft haben überhaupt keine antisemitischen Gefühle. Es ist jedoch besorgniserregend, wies der Rabbiner darauf hin, dass gemäßigte Antisemiten zum Extrem tendieren, was Köves der Entstehung der Jobbik-Partei zuschreibt, die rechtsextreme Neigung akzeptabler machte.

Ungarn ist kein antisemitisches Land und derzeit wahrscheinlich der sicherste Ort in Europa für Juden 

Abgesehen von der Hilfe der ungarischen und der israelischen Regierung und in enger Zusammenarbeit mit der ungarischen Polizei verfügen beide großen jüdischen Gemeinden Ungarns über ein eigenes Bewachungssystem, einschließlich ihres eigenen Sicherheitspersonals, Kameraüberwachungssysteme und Notaufnahmen, „um auf alles vorbereitet zu sein“ verriet Köves.

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Als Antwort auf die Frage, ob die Anti-Soros-Kampagne der Orbán-Regierung negative Auswirkungen auf den Antisemitismus des Landes und die jüdische Gemeinde hatte, gab Köves zu, dass er die Kampagne nicht als „elegant“ empfunden habe, und verwies auf eine Umfrage seiner Organisation. Die Befragten würden „Soros nicht mit dem Judentum in Verbindung bringen“, und anscheinend hatten die „Soros-Kampagnen“ keine wesentlichen Auswirkungen auf den Antisemitismus im Land.

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In Bezug auf das Gedenkprojekt „Haus des Schicksals“, das auch in der Innenpolitik heftige Debatten auslöste, sagte Köves, dass sie hart daran arbeiten. Aber solche Großprojekte brauchen viel Zeit.

Fact

2013 wurde in Ungarn beschlossen, ein weiteres Holocaust-Gedenkzentrum auf dem Gelände des ehemaligen Josefstädter Güterbahnhofs in Budapest zu errichten. Von diesem Bahnhof wurden nach dem deutschen Einmarsch Juden aus der Umgebung Budapests deportiert. In dieses „Haus des Schicksals“ sollten vor allem jüdische Kinder gedacht werden.

Nachdem das Projekt aufgrund von Meinungsverschiedenheiten zwischen der für das Konzept verantwortlichen Historikerin Mária Schmidt und den jüdischen Gemeinden im Jahr 2017 zum Stillstand gekommen war, wurde die Vereinigte Ungarische Jüdische Kongregation gebeten, die Leitung des Projekts zu übernehmen. Sie arbeiten jetzt mit Designfirmen und bekanntesten Historikern zusammen, so Köves und fügte hinzu, dass eine mögliche Eröffnung schon vor dem 80. Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust (2024) verwirklicht werden kann.

(geschrieben von Hungary Today, übersetzt von Ungarn Heute, Beitragsbild: MTI – Zoltán Balogh)