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Weitere Kommentatoren sehen die Opposition in der Krise

Ein linker sowie ein konservativer Kommentator stellen übereinstimmend fest, dass die Opposition ihren bei den Vorwahlen vom Oktober gewonnenen Schwung eingebüßt hat. Seinerzeit waren der Bewerber um das Amt des Ministerpräsidenten sowie die gemeinsamen Kandidatinnen und Kandidaten in den 106 einzelnen Wahlkreisen bestimmt worden.

Auf Hírklikk fordert Péter Németh die Opposition auf, ein schlüssiges Programm auszuarbeiten und ihre Kampagne für die im April nächsten Jahres anstehenden Parlamentswahlen in Gang zu setzen. Aus seinen eigenen Quellen habe er erfahren, dass das Programm der Opposition bis Mitte Januar fertig sein solle. Das aber – so der im November wieder zum Chefredakteur von Népszava ernannte, aber weiterhin auch für das linke Nachrichtenportal schreibende Journalist – werde zu spät sein, mache sich doch nach der Euphorie der Vorwahlen eine resignative Stimmung unter den Oppositionsanhängern breit. Viele würden wieder an die Unbesiegbarkeit des Fidesz zu glauben beginnen. Németh fordert den Spitzenkandidaten Péter Márki-Zay auf, geduldiger zu sein und nicht schon auf die kleinsten Bemerkungen seiner Verbündeten, die er für unpassend halte, schroff zu reagieren. (Zu Márki-Zays Äußerungen über „Verräter“ innerhalb der Opposition: siehe BudaPost vom 27. Dezember).

Gábor Bencsik von Demokrata hält es für praktisch sicher, dass die Opposition die Wahlen im April verlieren werde. Seiner Meinung nach ist die Zwietracht der Oppositionsparteien die natürliche Folge der extremen Zersplitterung ihres Bündnisses. Die sechs Parteien, aus denen es sich zusammensetze, hätten keine gemeinsame Weltsicht, und es sei nur allzu natürlich, dass sie in verschiedenen politischen Fragen keine gemeinsame Basis finden könnten. Hinzu komme, dass die Wähler einen Außenseiter als Spitzenkandidaten gewählt hätten, der in der politischen Sphäre nicht sozialisiert worden sei. Darüber hinaus erscheine er stur und intolerant und somit schlichtweg ungeeignet für die Aufgabe, die Bemühungen und Ansichten des von ihm zu führenden Bündnisses geduldig aufeinander abzustimmen. Nach den nächsten Wahlen, so prognostiziert Bencsik, werde ein Wechsel innerhalb der Opposition und nicht an der Regierung stattfinden müssen. Der Publizist bezweifelt jedoch, dass innerhalb des nächsten Jahrzehnts eine neue Oppositionskraft heranwachsen und den Fidesz erfolgreich herausfordern werde.

(via budapost.de, Beitragsbild: MTI/Tamás Sóki)