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Marc Jongen: Ungarn wird mit Hoffnung betrachtet

Ungarn wird mit Hoffnung betrachtet, da sein Beispiel zeigt, dass eine Wende möglich ist, sagte der AfD-Politiker und Philosoph Marc Jongen dem ungarischen Nachrichtenportal „Mandiner” im Interview nach einer Konferenz in Berlin. Es könnte der Konservativen wichtig sein, in bestimmten Fragen mit muslimischen Organisationen zu kooperieren, um sie wenigstens teilweise zu spalten und sie von den politischen Linken zu entfernen.

– Wie ist die Zuwanderungssituation in Deutschland?

– Seit den ’60er Jahren gibt es eine riesige türkische Gemeinde in Deutschland. Über die Türken wurde erst gedacht, dass sie nach einigen Jahren in ihre Heimat zurückkehren, aber schließlich sind diese Menschen hier geblieben. Bis die Deutschen realisiert haben, dass die Türken nicht heimkehren, ist viel Zeit vergangen. Also sie sollten integriert werden, mit der Situation sollte umgegangen werden, man konnte nicht so tun, als ob sie nicht hier wären. Die Integration war aber schwer zu erreichen: die zweite und dritte Generation wurde strenger gläubiger Muslim, ist enger mit dem Islam verbunden, als die erste. Dieser Rückkehr zum Islam geschah parallel mit der Verstärkung der Verbundenheit mit der Heimat, mit der Türkei. Dieser Prozess ist auch in der Türkei im Gange. Die Situation wurde dann im Jahre 2015 schlechter, als Merkels „Willkommen” die Tore geöffnet hat und eine Million Muslimen mit ihrem gewissermaßen archaischen Denken nach Deutschland strömten.

– Wäre die Integration noch lösbar, oder nicht mehr möglich?

– Es wäre unter einigen gut definierten Umständen möglich. Wenn in Deutschland alle davon überzeugt wären, dass die Migranten sich an den deutschen Gesetzen und Regeln anpassen müssen, und sie ausdrücklich zur Assimilation bewegt werden könnten, dann wäre es möglich. Verwirklicht wird aber genau das Gegenteil, die Leute sowie die Regierung gehen mit diesen Menschen um, als wären sie Gäste. Die Integrationsversuche sind auf Deutschkurse und auf ein bisschen deutscher Kulturunterricht beschränkt, das ist aber völlig ungenügend. Den Migranten wird so eine Art forderndes Verhalten beigebracht.

– Wäre die Integration ohne Assimilation möglich? Die Migranten haben natürlich das Recht, ihre Religion und Bräuche zu praktizieren, so bildet sich aber, wenn sie sich auch gewissermaßen anpassen, eine Parallelgesellschaft heraus. Kann das ohne Assimilation verhindert werden?

– Ich nehme an, dass die Parallelgesellschaft für die Befürworter der Multikulturalität kein negativer Begriff ist. Ich selbst glaube aber, dass die Bildung der Parallelgesellschaften auf jeden Fall vermieden werden soll. Für die Multikulturalisten ist die Bildung der Parallelgesellschaften normal. Sie glauben daran, dass diese Gesellschaften langfristig friedlich nebeneinander leben können, das ist aber unwahrscheinlich, da es darüber, wer „wir“ sind, kein gemeinsames Bekenntnis, keine gemeinsame Vorstellung gibt.

– In mehreren europäischen Ländern z.B. in Belgien gibt es seit langer Zeit eine „Säulengesellschaft”, anderswo, z.B. im Karpatenbecken führen einheimische ethnische Minderheiten ihr eigenes Leben. Es gibt eine einheimische türkische Minderheit in Polen. Warum ist es ein Problem, wenn andere kommen und sich die Vielfalt ausprägt?

– Ja, ja das ist wahr. Aber es stellt sich immer deutlicher heraus, dass die Behauptungen der Multikulturalisten falsch, mit anderen Worten von der Wirklichkeit losgerissen sind. Die Migranten haben zahlreiche Verbrechen begangen, über die in der lokalen Presse berichtet wird. In der überregionalen Presse wird darüber kaum berichtet, sie versuchen das zu vertuschen. Aber die Gesellschaft ist immer stärker davon überzeugt, dass diese Entwicklung nicht normal ist, dass es so nicht weitergehen kann. Aber wie Sie es auch wissen, herrscht in Deutschland ein historisches Schuldgefühl, es ist schwierig, über diese Themen anders zu sprechen, da es sofort behauptet wird, dass man Nazi oder mindestens Rechtsextremist ist. Die Angst, Nazi oder Rechtsextremist genannt zu sein, soll überwunden werden.

– In Ungarn ist die Kategorie „Faschist” so entwertet, dass es als „alltägliches Schimpfwort” gilt.

– Ja, in Ungarn ist es anders. Deshalb wird Ungarn mit Hoffnung betrachtet, da sein Beispiel zeigt, dass eine Wende möglich ist. Orbán hat etwas für seine Nation geschafft, er hat die Balkanroute geschlossen. Es war nicht nur für Ungarn, sondern auch für Europa von Nutzen.

– Was denken Sie über den „Türkenslang”? Ist dieses Phänomen gefährlich oder eher übertrieben?

– Das kündigt die Schwäche der deutschen Kultur und die Schwäche des deutschen Selbstbewusstseins an.

– In Ihrem Vortrag haben Sie eine Frage gestellt: da die Denkweise der Muslimen über bestimmte Fragen der Denkweise der Konservative ähnelt, sollten die europäische Konservative nicht mit den Muslimen kooperieren, mindestens bei einigen Angelegenheiten gegen die Vorhaben der politischen Linken? Oder wäre es überflüssig, da sie sowieso mit den politischen Linken kooperieren, wie beim Streit über die Kathedrale in Córdoba?

– Die Kathedrale in Córdoba ist das Symbol der kulturellen und politischen Prozesse in Europa. Durch dieses Beispiel wird gezeigt, wie die muslimischen Lobbisten versuchen, ihre eigenen Vorstellungen mit Hilfe der politischen Linken zu verwirklichen. Die muslimischen Migranten und die europäischen politischen Linken haben zwar recht unterschiedliche Vorstellungen, trotzdem sind sie einander Mittel zum Zweck. Die Muslimen haben sich zur linken, multikulturellen Ausdrucksweise angepasst, was ein schlauer Schritt war.

– Sollten die Konservativen mit den politischen Linken kooperieren, um die Migration zu stoppen, oder sollten sie mit den Muslimen kooperieren, um den linken Kulturkampf zu stoppen?

– Es ist eine offene Frage, ob die Kooperation mit den muslimischen Migranten in bestimmten Fragen möglich ist. Ich glaube nicht, dass z.B. die Ehe für alle von den muslimischen Leitern je unterstützt wird. Dis Situation ist paradox: sie kooperieren mit den politischen Linken, um ihre Ziele zu verwirklichen, während sie in konkreten Fragen gegensätzliche Standpunkt vertreten. Theoretisch ist die Kooperation der Konservativen, der Rechten und die Muslimen vorstellbar, aber man soll vorsichtig sein, die Muslimen könnten diese Kooperation ausnutzen. Eine weitere offene Frage ist, wer der echte Feind ist: der Islam oder der Liberalismus?

– Roger Scruton schrieb einmal: es lohnt sich nicht in solcher Kultur zu leben, in der der Wein keine Rolle hat.

– Ja, die Muslimen dürfen keinen Wein trinken. Die Parallele müssen irgendwo ein Ende haben. Durch die Neigung zu den göttlichen, heiligen Dingen und durch gewisse traditionelle Werte sind die Muslimen und die Konservative verbunden, aber das ist alles. Es kann aber taktisch wichtig sein, in bestimmten Fragen mit muslimischen Organisationen zu kooperieren, um sie wenigstens teilweise zu spalten und sie von den politischen Linken zu entfernen.

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Marc Jongen: deutscher Philosoph, einer der beiden gleichberechtigten Landessprecher der AfD Baden-Württemberg. Er ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (HfG).

via mandiner.hu, aus dem Ungarischen von Ungarn Heute; Foto: commons.wikimedia.org