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Viktor Orbán: „Man kann der Welt nicht helfen, indem man das eigene Volk zugrunde richtet”

Die EU müsse den Flüchtlingen helfen, aber „man kann der Welt nicht helfen, indem man das eigene Volk zugrunde richtet”, sagte der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán in einem Interview mit der „Welt am Sonntag” am 10. Januar in Berlin.

Viktor Orbán (1.l.) beim Interview mit der „Welt am Sonntag” am 10. Januar in Berlin (Foto: Balázs Szecsődi – Miniszterelnöki Sajtóirada/MTI)

Er sei mit dem Papst einverstanden, den Flüchtlingen muss aus christlicher Nächstenliebe geholfen werden, aber die große Frage sei es, wie die EU helfe, betonte Ungarns Premier. Um ihr Leben zu retten, haben die Syrer das Recht, in den ersten sicheren Stadt einzureisen. „Wir aber haben sie nach Europa einmarschieren lassen und dafür alle Gesetze außer Kraft gesetzt”, fügte Orbán hinzu. Heutzutage handele es sich aber um Wirtschaftsflüchtlinge, die bei uns besser als in Afrika oder Asien leben wollen, deshalb müsste man „die Hilfe dorthin und nicht die Migranten hierher bringen”.

„Ungarn hat ein feineres Gespür für das Thema Migration als Deutschland”, da das Land sich in einer „Gefahrenzone” befinde, erläuterte der Ministerpräsident. „Wenn Menschenmassen einströmen, läuten bei uns die Alarmglocken.”, sagte Orbán: „Wir Ungarn sind solidarisch und werden dafür kritisiert. Wir stehen mit Soldaten an den Grenzen der EU, das hat uns bisher eine Milliarde Euro gekostet. Was aber machen Brüssel und Berlin? Sie zahlen uns nichts und beschimpfen uns.” Eine Beteiligung Ungarn an einem neuen EU-System zur Verteilung von Flüchtlingen hält der Premier nur bei Beachtung des Grundsatzes „Nur Ungarn kann entscheiden, wer sich auf ungarischem Boden aufhalten darf” für möglich. Für die Ungarn, die aus einer Diktatur kommen, sei der Schengen-Raum die größte Errungenschaft der EU, „wenn man aber die Außengrenzen nicht schützen kann, muss man die inneren Grenzen schließen.”, erklärte er.

Auf die Frage, warum er sich selbst als überzeugten Europäer bezeichnet, antwortete Orbán, dass es Teil der ungarischen Identität sei, Europäer zu sein. „Europa ist aber nicht in Brüssel, sondern in Berlin, Budapest, Warschau und Paris.” Er schimpfe nicht über Brüssel, sondern über Brüsseler Politiker und Bürokraten, die sich aufführen, als wären sie das Zentrum eines Reiches. Die ungarische Regierung wünsche aber „eine EU mit einem begrenzt mächtigen Parlament, einer Kommission, die über die Verträge wacht, statt eigene Politik zu machen, und einem starken Rat der Regierungschefs.”

via mti.hu, welt.de; Foto: Balázs Szecsődi – Miniszterelnöki Sajtóirada/MTI