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Balog über Migration: „Wir müssen unsere europäische und christliche Identität stärken“

Ungarn Heute 2019.01.23.

Der Dialog über die Migration ist einseitig, oberflächlich und propagandistisch. Inzwischen besteht ein enormes Bedürfnis nach sinnvollen Gesprächen und Debatten – sagte Zoltán Balog, Präsident der Stiftung für ein Bürgerliches Ungarn, kalvinistischer Pastor und ex-Minister, an einer Veranstaltung des „Gutmann Forum Clubs“. Er meint, dass Massenmigration auch positive Auswirkungen hat: Sie zwang die Menschen zum Beispiel darüber nachzudenken, wer wir wirklich sind, und stärkte auch unsere europäische Identität. Dies bedeutet die gleichzeitige Erneuerung des christlichen Glaubens, die die Grundlage unserer Identität ist – neben der griechischen Kultur und dem römischen Recht.

In Europa sind sogar die Atheisten christlich –  zitierte Balog József Antall, den ersten ungarischen Premierminister nach dem Regimewechsel. In seinem Vortrag mit dem Titel „Westlich-christliche Zivilisation, Europa und Migration“ betonte er: die westliche Zivilisation könnte ohne Christentum nicht existieren und selbst die Werte des Humanismus sind im Christentum verwurzelt.

Die Migrationskrise kann diese Bemühungen unterstützen: Schließlich ist den Menschen nach den Ereignissen der vergangenen Jahre viel bewusster geworden, wer sie sind, wie sie leben wollen und wie sie ihre bevorzugte Lebensweise verteidigen können, sagte Balog.

Er betonte, dass die Ablehnung der Migration seitens der ungarischen Regierung – deren Minister er bis zu den Wahlen-2018 war – keine Wahlkampagne ist.

Er glaubt, dass dies mit den, in der Gesellschaft verankerten Ängsten zusammenhängt, weil die Menschen um ihre Kultur besorgt sind. Sie sehen eine Gefahrenquelle in der Migration. Zoltán Balog erinnerte auch daran, dass die Ungarn nur etwa ein Zehntel der vergangenen Hälfte eines Jahrtausends frei lebten. Aus diesem Grund ist das Gespür der Ungarn für Bedrohungen und der Schutz der nationalen Souveränität ein grundlegender Grundsatz. In Westeuropa wischte jedoch der Wohlstand und das Zerfallen der Sowjetunion diese Gefühle weg.

Er betrachtet die Ablehnung von Migranten nicht „unchristlich“, er glaubt, dass es viele Arten von der Verantwortlichkeit gibt: Staat, Kirche und individuelle Angelegenheiten müssen klar voneinander getrennt werden. Ein Jeder kann sich möglicherweise dafür entscheiden, sich selbst zu opfern, aber der Staat kann niemanden dazu zwingen. Zoltán Balog fügte hinzu: Während seiner Amtszeit im Jahr 2015 brachte auch seine christliche Gemeinde den Migranten bei dem Bahnhof Keleti Nahrungsmittel und medizinische Versorgung. Auf staatlicher Ebene ist die Frage jedoch völlig anders: Länder, die zuvor an der Kolonialisierung beteiligt waren, sollten die Verantwortung auch annehmen. Er betonte erneut: man dürfte das Problem nicht nach Europa importieren, eher sollte man Hilfe nach die betroffenen Ländern exportieren.

Er kritisiert die Kommunikation der Regierung in Bezug auf Migration: Er glaubt, dass es zu viel Propaganda und zu wenig Dialog gibt. Aber nach Ansicht von Zoltán Balog ist die Propaganda auch benötigt. Die Frage ist nur, zu welchem Zweck. Er behauptete: es gab gerade genug von der Propaganda, um die Wahl zu gewinnen – und befürchtet, dass die vereinfachten Botschaften zu Fremdenfeindlichkeit führen könnten.

Fact

Der Gutmann Forum Klub bietet eine Reihe von Programmen, die mit Hilfe der Schirmorganisation Gutmann Bank veranstaltet ist. Das Forum wurde durch den Kommunikationsberater Antal Lipthay ins Leben gerufen. Ziel ist es, auf die Bedeutung von Moral, Ethik, Gemeinwohl, Zusammenarbeit und Nachhaltigkeit aufmerksam zu machen - diese sind grundlegende Elemente eines gesunden Gesellschafts- und Wirtschaftssystems. Ein eingeladener Referent stellt sich bei jedem Treffen vor und beantwortet anschließend die Fragen. In den letzten Jahrzehnten waren zahlreiche renommierte ungarische Persönlichkeiten als Gastredner eingeladen: wie Bischof Asztrik Várszegi; Physiker und Generalsekretär, später Vizepräsident der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, Norbert Kroó, Akademiker und Ökonom László Csaba sowie E. Sylvester Vizi, ehemaliger Präsident der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Freunde von Ungarn, die Herausgeber von Hungary Today und Ungarn Heute ist.

(Via: hungarytoday.hu, Auf dem Beitragsbild: Zoltán Balog)