Panorama

Budapest: Zum Laufen schön

Die Laufschuhe sind gebunden. Die ersten Sonnenstrahlen des Tages treffen mein Gesicht und von einer Sekunde auf den anderen, verfliegt die Kälte des noch jungen Tages. Ich schaue auf meine Lauf-Uhr, ziehe die Halterung enger und schaue ein letztes Mal hinter mich: Auf der Laufbahn hinter mir ist niemand, nur in der Ferne die Margaretenbrücke, dahinter das Parlamentsgebäude, welches nun durch das Sonnenlicht in ein angenehmes Orange getaucht wird.

Es ist ein Morgen im Spätsommer und ich befinde mich auf der Margareteninsel, im Herzen der Stadt. In Läuferkreisen ist die Margareteninsel mit ihrer Hartgummi-Laufbahn, die einmal rund um die Insel führt, wohl der bekannteste Trainingsplatz der Stadt. Auf der 5,3km langen Laufbahn haben sich schon unendlich viele Hobbyläufer auf einen Halbmarathon, oder einen Marathon vorbereitet.

So wie ich zum Beispiel.

Ich genieße hier beim Laufen oft die Natur, das unterschiedliche Panorama, wie die Häuserreihen auf der Pester und die Berge auf der Buda-Seite und die Möglichkeit an zahlreichen Wasserhähnen anzuhalten und zu trinken, was während eines längeren Trainings, unausweichlich ist.

Die Insel hat ideale Voraussetzungen und bietet noch dazu am Abend jedem Läufer, der von der Árpádbrücke zurück Richtung Margaretenbrücke läuft, als Belohnung für das harte Training, einen wunderschönen Blick auf die Stadt. Nicht selten habe auch ich mich dabei erwischt, wie ich mich nach dem Training für eine halbe Stunde hingesetzt und mir das Panorama angesehen habe. An so einem Ort, mit so einer Kulisse laufen und trainieren zu dürfen, ist ein Geschenk für jeden Sportler.

 

Foto: Márk Mervai

 

Aber wofür trainiere ich eigentlich?

Für den Halbmarathon in Budapest. Seit Jahren steigt die Zahl derer, die am Budapest Halbmarathon im September (dieses Jahr am 09. September) bzw. einen Monat später am Budapest Marathon (dieses Jahr am 07. Oktober) teilnehmen. Mittlerweile wurden Teilnehmerlimits eingeführt und die begehrtesten Distanzen, wie 10km-Lauf bzw. 21km Halbmarathondistanz, sind schon im Vorfeld heiß begehrt, oder total ausgebucht.

Gleiches gilt meist auch beim Budapest Marathon im Oktober für die kürzeren Strecken. Für die Marathon-Staffel bzw. die komplette Marathondistanz können sich dagegen die Hobbyläufer und die Fortgeschrittenen, noch vor Ort anmelden und teilnehmen. Jedes Jahr nehmen über 25.000 Läuferinnen und Läufer aus über 50 Nationen am Marathon in Budapest teil.

Damit kann getrost behauptet werden, dass Budapest die neue, europäische Hauptstadt des Laufens geworden ist.

 

Foto: Márk Mervai

 

Aber warum entscheiden sich so viele für einen Lauf in Budapest? Nun, die Antwort ist einfach: Es ist die Kulisse, die Stadt selbst, die die Läufer anzieht. Die Strecke führt an historischen Gebäuden vorbei , entlang der Donau, zwischen breiten und engen Straßen der Budaer und der Pester Seite. Das Parlamentsgebäude, das staatliche Opernhaus, der Heldenplatz und die Burg Buda, sind nur einige Sehenswürdigkeiten, die die Läufer unterwegs zu sehen bekommen.

 

Foto: Márk Mervai

 

Und das schönste ist: Alle Laufen mit. Egal, ob jung, oder alt, dick oder dünn, helle, oder dunkle Hautfarbe. Es gibt sogar Läufer, die sich verkleiden, als Rubikwürfel, oder Kürtöskalács (Baumstriezel), oder sogar einen Kinderwagen vor sich herschieben und so die Distanz bewältigen. Eines vereint alle, und zwar die Lust am Laufen.

 

Foto: Márk Mervai
Foto: Márk Mervai

 

Das Highlight dabei, selbst für mich, war und ist bis heute der Lauf über die Budapester Brücken. Das Gefühl inmitten einer Menschenmenge auf die Kettenbrücke zu biegen, vorbei an den Löwen, den Wächtern der Brücke, um dann mitten auf der Fahrbahn, wo sonst Linienbusse, Autos und Sightseeing Busse sich stauen, über die Brücke zu laufen, während man unter seinen Füssen das Beben der Brücke spürt, welches die abertausende Läufer verursachen, dabei nach links schauend das Parlamentsgebäude, rechts das Donau-Korso zu sehen, ist einfach nur gigantisch und Gänsehaut pur.

 

Foto: Márk Mervai

 

Ich bin schon 16 Halbmarathons gelaufen, bei Tag und bei Nacht, bei Schneefall und bei Hitze, aber keines hat mich auch nur annähernd so begeistert, wie ein Lauf hier in dieser wunderschönen Stadt, über die Ketten- und Freiheitsbrücke.

 

Foto: Márk Mervai

 

Budapest, du bist zum Laufen schön. Probiert es auch einfach mal aus, und schaut auf den Seiten www.futanet.hu, oder auf der englischsprachigen Webseite www.runinbudapest.com vorbei, wo ihr euch genauestens über die anstehenden Events informieren könnt.

(Geschrieben von Márk Mervai, Fotos: Márk Mervai)