Aktuell

„Ein Volk sagte, es sei genug!“

Am 23. Oktober erinnert man in Ungarn an die Revolution und den Freiheitskampf 1956. An einen der heroischsten aber auch blutigsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts in der ungarischen Geschichte. Die Veranstaltungen, die an diesem Tag stattfinden, erinnern nicht nur an die furchtbaren Geschehnisse von 1956 sondern auch an die spätere Zerstörung des Kommunismus.

Der geschichtliche Hintergrund

Die deutsche Besatzung wurde nach dem Weltkrieg noch im Jahre 1945 durch eine sowjetische abgelöst. Von diesem Zeitpunkt an sollte das Land sozialistisch regiert werden. Vermögende Menschen wurden enteignet und eine Massengehirnwäsche wurde an der Bevölkerung durchgeführt. Wer mit diesen Änderungen nicht einverstanden war wurde schlicht erschossen, oder in ein Arbeitslager zum Sterben gebracht. (Via wikipedia.org)

Am 23. Oktober 1956 beschlossen zahlreiche junge Studenten und Schüler eine Demonstration gegen das System zu beginnen und die Nachricht dieser Aktion verbreitete sich sofort im ganzen Land.

“Hymne” des Aufstandes 1956

Menschen, aus allen Gesellschaftsschichten demonstrierten gegen die Sowjetunion.

Das Mädchen, dessen Foto auf den Titelseiten von Zeitungen auf der ganzen Welt erschien. Wer war sie?

Das rothaarige Mädchen auf dem Titelblatt des dänischen „Billed Bladet“ hielt ein russisches Gewehr in ihren Händen. Das Foto von Erika Szeles wurde in der Weltpresse veröffentlicht. Viele Menschen betrachteten das Foto als Symbol der ungarischen Revolution, als Symbol für Mut und Hoffnung. Aber niemand wusste, dass das Mädchen bereits tot war, als ihr Foto auf dem Titelblatt der dänischen Zeitung erschien. Das Mädchen wurde am 7. November erschossen, als sie versuchte, den Verletzten in einer Rotkreuz-Armbinde zu helfen. (Quelle: 5percangol.hu)

Quelle: HTKA forum

 

Das Foto, das in der ganzen Welt bekannt wurde, wurde von dänischen Journalisten aufgenommen. Sie schlossen sich einem Konvoi des Roten Kreuzes mit ihrem kleinen Volkswagen an, also gehörten sie zu den ersten, die nach Budapest kamen. Die Dänen waren schockiert und verblüfft von dem, was sie sahen. Sie machten Fotos von Opfern, Revolutionären, Jugendlichen und älteren Menschen. Sie waren u.a auf der Üllői Straße, in der Nähe der Kilián Baracke und auf dem Köztársaság Platz präsent. Sie trafen Erika irgendwo auf dem Weg. Einer der dänischen Fotografen erinnerte sich noch Jahrzehnte später genau an diesen Moment. „Ich sah ein schönes, bewaffnetes Mädchen in einer Bluse mit einem ernsthaften Gesichtsausdruck, und ich überzeugte sie, für ein paar Fotos zu posieren. „

 

Quelle: 5percangol.hu

 

Dieses ernsthafte, schöne Mädchen ist im 13. Bezirk von Budapest geboren. Erika war drei Jahre alt, als sie ihren Vater im Krieg verlor. Sie wurde von ihrer Mutter erzogen. Sie studierte Kochkunst und arbeitete im Herbst 1956 im Béke Hotel.

Auf dem Titelblatt des amerikanischen Magazins „The Times“ erschien am 7. Januar 1957 das Porträt eines ungarischen Revolutionärs mit dem Titel: „Hungarian Freedom Fighter. Man of the Year“.

Von dem 24. Oktober bis zur Niederschlagung der Revolution (Via puszta.com

Am nächsten Tag kamen sowjetische Truppen nach Ungarn. An verschiedenen Orten in der Stadt wurden Aufstandszentren gebildet, dann verbreitete sich die Demonstration auf das Gebiet des ganzen Landes. Die inzwischen in Budapest angekommenen sowjetischen Leiter ernannten János Kádár zum Parteichef der Ungarischen Kommunistischen Partei. Am Morgen des 28. Oktober hat aber Imre Nagy eine Feuereinstellung erklärt, und verkündete den Rückzug der sowjetischen Truppen aus dem Land, bzw. die Auflösung des ÁVH (Staatssicherheitsamt). Es schien so, als hätte die Revolution ihr Ziel, die nationale Unabhängigkeit und die Mehrparteiendemokratie erreicht.

 

Kossuth Platz am 23. Oktober 1956, Quelle: fortepan.hu

 

Am frühen Morgen des Sonntags vom 4. November 1956 wurde Budapest durch Kanonendonner geweckt. Die sowjetischen Truppen erreichten das Parlament und stellten die Sendung des Rundfunks Kossuth ein. Die Mitglieder der Regierung von Imre Nagy sind aus dem Parlament gegangen und am 7. November hat die Regierung von Kádár den Eid geleistet. Nicht nur in Budapest, sondern auch in mehreren Großstädten auf dem Lande, wie in Salgótarján und Miskolc, ließ man auf die Demonstranten einen Geschosshagel niedergehen. Das Standrecht wurde eingeführt und die Leiter der Arbeiterräte wurden verhaftet. 1958 wurden Imre Nagy und seine Mitstreiter zum Tode verurteilt.

 

Tote auf dem Köztársaság Platz. Quelle: fortepan.hu

 

Auswanderungswelle im Jahre 1956

Ab Oktober bis Dezember 1956 sind viele Ungarn mit Autos, Kinderwagen, Lastwagen und zu Fuß nach Westen geflüchtet. Die Auswanderungswelle wurde von ausländischen Korrespondenten verewigt. Es sollen etwa 217.000 Ungarn noch im Jahre 1956 das Land verlassen.

Quelle: wikipedia.org

 

Ferenc Puskás, weltberühmter Fußballer in Italien, am 10. Dezember 1956. Am 1. Dezember 1956 kam die Frau von Ferenc Puskás nach mehreren erfolglosen Versuchen mit seiner vierjährigen Tochter aus dem besetzten Ungarn nach Österreich an, um sich ihrem Mann in Italien anzuschließen.

Programme am 23. Oktober 2018:

Sehenswürdigkeiten wie z.B. das Museum „Haus des Terrors“ oder der Budapester Statuenpark laden zu besonderen Vorträgen ein. An Denkmälern und Mahnmalen werden zeremoniell Blumen und Kerzen niedergelegt, die an die Helden von damals erinnern. In den ungarischen Medien gibt es diverse Dokumentationen und Berichterstattungen rund um die Revolution. Auch die ungarische Politik nutzt den Tag, um verschiedene Reden zu halten.

9.00 Uhr

Hissen der ungarischen Nationalflagge am Kossuth tér

10.00 – 17.00 Uhr

Besichtigung der Heiligen Krone im Parlamentsgebäude

(Man kann die Große Treppe, die Kuppelhalle und die Heilige Krone kostenlos besichtigen.)  

15.00 Uhr

Festrede von Premierminister Viktor Orbán vor dem Museum „Haus des Terrors“ 

20.00 Uhr

„Freiheitskonzert 1956“ in Halle B von Millenáris, „Ungarisches Radio-Sinfonieorchester“ und „Anna and the Barbies“

Vom 22. Oktober bis zum 4. November werden an Straßenbahnhaltestellen und an einigen berühmten Orten des Revolutions- und Freiheitskampfes entlang der Straßenbahnlinien 4-6 und 47-49 junge Leute, die als Zeitungsverkäufer und in Kleidungen aus der Zeit gekleidet sind, Zeitungen mit Archivnachrichten verteilen.

Es gibt auch eine Kampagne und interaktive Ausstellung in den Straßenbahnen 4-6 und 47-49.

Bei der Parzelle 301 in dem „Neuen Öffentlichen Friedhof“ in Budapest: Tagelanges informelles Gedenken (Hier ist u.an die Grabstätte von dem Märtyrern Imre Nagy zu finden)

 (Via: wikipedia.org, puszta.com, Fortepan.hu , oktober23.kormany.hu/english2018, Beitragsbild: vecsesitajekoztato.hu)