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Erstaunende Fakten über Sissi’s Tod – die Kaiserin starb vor 120 Jahren

10. September 1898 – Kaiserin Elisabeth von Österreich wird in Genf auf dem Steg der Dampferanlegestelle von dem italienischen Anarchisten Luigi Lucheni mit einer Feile erstochen. Fakten, die Sie über das Attentat wissen sollten. 

0. Das Attentat

Die Kaiserin verließ gegen 13:30 Uhr das Hotel Beau-Rivage, um zu dem Raddampfer Genève zu gelangen, mit dem sie nach Caux weiterreisen wollte. Als sie in Begleitung ihrer Hofdame Irma Sztáray die Seepromenade entlangschritt, stürzte sich der italienische Anarchist Luigi Lucheni auf sie und stieß ihr eine spitze Feile ins Herz. Der Einstich der stilettförmigen Klinge war so klein, dass die Kaiserin ihn nicht bemerkte und dachte, der Angreifer habe ihr nur einen Faustschlag versetzt.

 

Foto: Tatort und Werkzeug, Via: planet-wissen.de

 

Sie erhob sich wieder, bedankte sich bei allen Passanten, die zu Hilfe geeilt waren, und unterhielt sich mit Irma Sztáray über den Vorfall. Zehn Minuten ging Elisabeth noch weiter. Kurz nach dem Ablegen des Dampfers brach sie endgültig zusammen. Ihre letzten Worte waren angeblich:

„Aber was ist denn mit mir geschehen?“

Das Schiff kehrte zur Anlegestelle zurück und die Kaiserin wurde ins Hotel zurückgerbracht. Auf der Sterbeurkunde wurde vermerkt, dass Elisabeth um 14:40 Uhr verstorben war.

  1. Warum war Sissi in der Schweiz?

Elisabeth ließ sich zu dieser Zeit schon seit fast 30 Jahren nicht mehr porträtieren, sie verfolgte ein ruinöses Gesundheits- und Diätprogramm, meidet ihren Ehegatten Franz Joseph und die Wiener Hofburg, die sie Kerkerburg schimpft. Im Spätsommer 1898 reiste sie zum wiederholten Mal in der Schweiz um sich zu entspannen. Auf verstärkte Sicherheitsmaßnahmen verzichtete die Kaiserin: Inkognito reiste sie mit kleinem Gefolge für zwei Tage nach Genf, um Bekannte zu treffen. Im Hotel Beau Rivage checkte sie als Herzogin von Hohenembs ein, doch eine Lokalzeitung macht den Kurzbesuch der Berühmtheit bald publik. Als sie am Nachmittag des 10. Septembers das Hotel verlässt, wartet ihr Mörder bereits auf sie.

 

Hotel Beau-Rivage in Genf, davor am Quai das Elisabeth-Denkmal, Via: wikipedia.de

 

  1. Lucheni wollte ursprünglich nicht die Kaiserin töten.

Lucheni wollte nach eigener Aussage ursprünglich den Prinzen Henri Philippe d’Orléans ermorden. Da dieser aber kurzfristig seine Reisepläne geändert hatte und nicht in Genf war, wählte Lucheni Elisabeth als sein Opfer.

Als Motiv gibt er an:

„Weil ich Anarchist bin, weil ich arm bin, weil ich die Arbeiter liebe und mir den Tod der Reichen wünsche.”

  1. Was beschrieb die Obduktion?

Eine halbe Stunde nach dem Attentat ist Sissi tot. Die Obduktion offenbart eine 85 Millimeter tiefe dreieckige Stichwunde, die mit einem langen, spitzen Gegenstand zugefügt wurde, der zuerst die vierte Rippe verletzt, dann den linken Lungenflügel durchdrungen, den Herzbeutel zerstört und die linke Herzkammer durchstossen hat.

  1. Die Beerdigung

Die Nachricht von der Ermordung verbreitet sich wie ein Lauffeuer.  In Wien drucken die Zeitungen Sondernummern mit Trauerrand, die Adelshäuser Europas sind schockiert und schicken Kondolenztelegramme. In Genf nehmen Zehntausende von Personen an Kundgebungen für Sissi teil. Zwei Tage später wird der Leichnam mit einem Extrazug von Genf nach Wien übergeführt, wo die beliebte Kaiserin schliesslich unter grosser öffentlicher Anteilnahme am 17. September in der Kapuzinergruft beigesetzt wird.

 

Die Beerdigung. Via: szeretlekmagyarorszag.hu

 

  1. Keine Spur von Reue

Zwei Monate nach der Bluttat, muss sich Luigi Luccheni vor Gericht verantworten. Im Vorfeld hat der berühmte italienische Kriminologe Cesare Lombroso sein wissenschaftliches Gutachten veröffentlicht: „Luccheni weist eine große Zahl von Degenerationserscheinungen auf, die kennzeichnend sind für Epileptiker und Verbrecher gleichermaßen”. Der Mörder schneidet Grimassen und giggelt im Gerichtssaal, wenn der Name der Kaiserin fällt. Er bereut seine Tat nicht.

„Haben etwa diejenigen Gewissensbisse, die die Arbeiter seit Jahrhunderten unterdrücken? Ich würde die Tat noch einmal begehen!”

Noch am Abend wird er einstimmig für schuldig befunden und zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Unter nicht restlos geklärten Umständen erhängt sich der Mörder Sissi’s schliesslich am 19. Oktober 1910 mit einem Gürtel in seiner Zelle.

 

Luigi Lucheni, Via: szeretlekmagyarorszag.hu

 

  1. Luccheni’s Gehirn

Nach dem Suizid Luchenis wurde der Kopf von der Leiche abgetrennt. Das Gehirn wurde entnommen und phrenologisch untersucht, wobei keine Auffälligkeiten festgestellt wurden. Anschließend wurde der Kopf in einem mit Formalin gefüllten Glasbehälter im Gerichtsmedizinischen Institut der Universität Genf aufbewahrt. Auf Ersuchen Österreichs kam das Präparat 1985 nach Wien ins Pathologisch-anatomische Bundesmuseum, den sogenannten Narrenturm. Der Kopf wurde nicht öffentlich ausgestellt und auch nicht weiter untersucht. Im Jahr 2000 wurde der Schädel in aller Stille auf dem Wiener Zentralfriedhof in den sogenannten Anatomiegräbern beigesetzt. (Via wikipedia.de)

7. Gedenken

Als Hochzeitsgeschenk hat das Königspaar das Schloss in Gödöllő bekommen, das bis heute jedes Jahr, gerade an diesem Tag Sissi gedenkt.

(Via: nzz.ch (Neue Zürcher Zeitung), wikipedia.de, Beitragsbild: szeretlekmagyarorszag.hu)