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„Ethnische Gruppen bedeuten eine Bereicherung für Europa“ – Online-Präsentation des Buchs „Im Karpatenbogen“

Ungarn Heute 2021.02.26.
FIZETŐS

Die wirtschaftlichen Erfolge sowie die territoriale, kulturelle Autonomie der ethnischen Minderheiten können auch für die Mehrheit der bestimmten Nationen nützlich sein“ betonte Vorsitzender E. Sylvester Vizi bei der Online-Präsentation des Buchs „Im Karpatenbogen“, herausgegeben von der „Freunde von Ungarn Stiftung“. Der Autor, der ehemalige FAZ-Journalist Reinhard Olt befasst sich in diesem mit den ungarischen Minderheiten im Karpatenbecken.  Olt schrieb zahlreiche Berichte, Reportagen, Analysen und Kommentare zu nationalitätenpolitischen Gegebenheiten, so u.a. auch über die Auslandsungarn, welche in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlicht wurden. Neben dem Autor selbst haben auch Zsolt Németh, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Parlaments, sowie József Komlóssy,  Vizepräsident der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen (FUEN) ihre Gedanken geäußert. 

Das Buch, welches 2020 dank der Stiftung Pro Minoritate neben der originalen deutschen Sprache auch auf Ungarisch erschien, besteht aus den gesammelten Artikeln von Reinhard Olt, welche er in den vergangenen dreißig Jahren seit der Wende 1989/90 über die Lage der ungarischen Minderheiten in den Nachbarländern Ungarns hauptsächlich in den Frankfurter Allgemeinen Zeitung geschrieben hat.

Zu Beginn der Präsentation hat Moderator Zoltán Kántor den Autor gewürdigt, in dem er betonte, dass es keinen anderen Journalisten gebe, der so große Aufmerksamkeit dem Schicksal der ungarischen Minderheit in den vergangenen dreißig Jahre gewidmet hat. Er fügte hinzu, dass das Buch besonders für das deutsche Publikum interessant sei und es auch Experten nützlich finden können.

E. Sylvester Vizi, Vorsitzender des Kuratoriums der „Freunde von Ungarn Stiftung“, ehemaliger Vorsitzender der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, betonte die wissenschaftliche Methodik von Herrn Olt, in dem er in Bezug auf die konkreten Angelegenheiten nicht nur seine Meinung äußert, sondern sie auch mit konkreten Tatsachen beweist, in dem er die Politiker des Zeitalters zitiert.

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Vizi betonte die dreifache Einheit von „Sprache, Patriotismus und Religion“. Aus dem Buch hob er die Religion als verbindende Kraft hervor, wie zum Beispiel die katholische Religion zur Identität der Tschangos in Rumänien beiträgt und wie sie beim Praktizieren derer verhindert werden. In Bezug auf die Zukunft der ungarischen Minderheit fügte der Vorsitzende hinzu, dass

die Mehrheitsnationen es einsehen müssen, dass die wirtschaftlichen Erfolge sowie die territoriale, kulturelle Autonomie der Minderheiten auch für sie nützlich sein können

Als ein gutes Beispiel dafür hat er die deutsche Minderheit in Belgien genannt.

Der frühere Präsident der Ungarischen Akademie der Wissenschaften erinnerte auch daran, dass die ungarische Regierung aufgrund der Gewährung der doppelten Staatsbürgerschaft häufig angegriffen worden war. Reinhard Olt machte in seinen Artikeln darauf aufmerksam, dass Deutschland im Laufe der Geschichte eine ähnliche Praxis hatte. Zum Beispiel, als Westdeutschland seinen Bürgern im Osten half oder den Sachsen in Rumänien die Staatsbürgerschaft verlieh.

Er betonte, dass der Autor zuvor von der Stiftung für seine Arbeit den „Freunde von Ungarn Preis“ erhalten habe.

Zsolt Németh, ehemaliger Staatssekretär und derzeitiger Obmann des Außenpolitischen Ausschusses im ungarischen Parlament hat sich bei der Stiftung für die Herausgabe des Buchs bedankt. Er betonte, dass das Buch auch für die Ungarn hilfreich sei, weil es ihnen verstehen helfe, wie sie im Ausland gesehen werden. Darüber hinaus sei das Werk auch ein gutes Beispiel dafür, wie man über das Thema mit Qualitätsjournalismus schreiben kann. Er würdigte außerdem József Komlóssy, den Experten des Europarats, ohne den die Bekanntschaft mit dem Autor nicht zustande gekommen wäre. Er fügte hinzu:

Es ist gut, dass es in der derzeitigen politischen Situation solche Deutsche gibt, welche noch mit den Ungarn sympathisieren.

Er findet die Feststellung Olts, dass in den vergangenen dreißig Jahren trotz großen Hoffnungen zu Beginn kein Durchbruch beim Schicksal der Auslandsungarn erzielt werden konnte, gleichzeitig essenziell und ernüchternd.

Als die wichtigsten Ziele in der Zukunft bezeichnete Németh die Lösung der schweren Situation der in Transkarpatien lebenden ungarischen Minderheit und auch die Etablierung einer wirksamen Interessenvertretung in der internationalen Gemeinschaft.

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Zsolt Németh machte auch auf das kürzlich veröffentlichte Buch über Ilonka Tamás aufmerksam. In der Slowakei wurde eine 99-jährige Frau ausgebürgert, weil sie auch die ungarische Staatsbürgerschaft angenommen hatte. Sie erhielt deswegen auch keine Rente und Gesundheitsversorgung. Ihm zufolge kann man durch solche Geschichten klar machen, „was uns Ungarn weh tut“ und welche Probleme uns Trianon verursachte.

Fact

Ilona Tamás hat die Gegend, in der sie geboren wurde, nie verlassen und dennoch in fünf Staaten gelebt und sieben Mal die Staatsbürgerschaft gewechselt. Sie wurde 1912 im Dorf Várgede als Bürgerin des ungarischen Königreichs geboren.  In den letzten hundert Jahren gehörte sie mal zu Ungarn, mal zur Tschechoslowakei, heute ist sie Teil der Slowakei.

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Reinhard Olt, Autor des Buches und ehemaliger Journalist der Frankfurter Allgemeiner Zeitung hat erzählt, dass er sich während seinen Studien mit dem Schicksal der Minderheiten vor allem in Bezug auf die „Friedensverträge“ nach dem ersten Weltkrieg auseinandergesetzt hatte.

In Bezug auf die ungarische Minderheit in Rumänien nannte er die Autonomie der Südtiroler in Italien als Beispiel, in dem er betonte, dass die verfassungsrechtliche Absicherung der Autonomie für die Ungarn vor allem wegen der Benutzung ihrer Sprache in den Schulen, öffentlichen Ämtern und Behörden von großer Bedeutung sei

Bezüglich der Unterstützung der Europäischen Union nannte er die großen Staaten West- und Südeuropas wie Frankreich oder Spanien als Problemfälle, welche die Selbstbestimmung der Minderheiten selbst nicht unterstützen. Er sprach darüber hinaus auch über die Rolle der Mainstream-Medien, bei denen das Thema der traditionellen Minderheiten in den vergangenen Jahren in Deutschland eher am Rande zu finden sei.

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József Komlóssy, Experte des Europarates erinnerte, dass er den Autor seit über ein viertel Jahrhundert kenne, wobei er ein Mensch sei, der sich immer nur an die Wahrheit und sein Wort  hält. Unter anderem sei der Bericht über die Lage der Tschangos im Europarat Herrn Olt zu verdanken. Er fügte hinzu, dass ihre gemeinsame Reise nach Siebenbürgen entscheidend bezüglich der Einstellung Herrn Olts zu den ungarischen Minderheiten war. Er sei zudem ein solcher Mensch, welcher nie den eigenen Nutzen, sondern die menschlichen Werte suche. Herr Komlóssy hat mehr als zwanzig Jahre für den Europarat gearbeitet und er hat die Erfahrung gemacht, dass die Länder, welche sich beim Anschluss an die Organisation schriftlich für den Schutz der Minderheiten verpflichtetet haben, diese Gesetzte später nicht einhielten. Es muss aus diesem Grund die Möglichkeit gegeben sein, in Zukunft auch Sanktionen gegen solche Länder vornehmen zu können.

(Bild: MTI – Nándor Veres)