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„Ich möchte mit den Budapestern durch meinen Skulpturen kommunizieren“

Ungarn Heute 2020.01.02.

Guerilla-Künstler Mihály Kolodko stellte 2016 seine erste Mini-Bronzestatue in der ungarischen Hauptstadt auf, die „Főkukac“ (Boss Wurm) aus dem legendären ungarischen Zeichentrickfilm der 1980er Jahre, „A nagy ho-ho-ho-horgász“ („Der große Angler“), darstellt. Seitdem haben viele, nach den in ganz Budapest verstreuten Miniaturfiguren gesucht. Hungary Today sprach mit dem Bildhauer über seine Guerillakunst, die „Statuettenjagd“ und die Inspiration hinter den Miniaturfiguren. Geschrieben von Fanni Kaszás, übersetzt von Ungarn Heute. 

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Wir sind bei Ihrer „Mekk-Mester-Statue“ (auch eine bekannte Figur aus der ungarischen Märchenwelt – Red.) am Széll-Kálmán-Platz. Hatten Sie Angst, dass Sie es hier nicht finden würden? Ich habe gehört, dass einige Ihrer Skulpturen von begeisterten Fans mit nach Hause genommen wurden.

Das ist wahr und gerade diese besondere Statue wurde schon einmal gestohlen. Es war noch nicht einmal einen Monat hier, bevor es verschwand. Wenn ich eine Statue auf die Straße stelle, weiß ich, dass sie möglicherweise verschwindet. Normalerweise ersetze ich die gestohlenen, wenn sie sich an einem beliebten Ort befinden. Aber wenn niemand  – außer mir – das Verschwinden bemerkt hat, würde ich es normalerweise nicht ersetzen.

Diese Statue ist zusammen mit dem „Főkukac“ sehr beliebt. Hängt die Beliebtheit einer Statue von ihrem Standort ab? Jemand hat ihn beispielsweise für das kalte Wetter angezogen. 

Genau wie bei einer großen Statue, wähle ich immer zuerst den Ort aus. Man kann eine Statue erst dann planen, wenn man weiß, wo sie stehen wird. Das passt immer zusammen. Ich dachte viel darüber nach, wo ich „Mekk Mester“ hinbringen würde, und entschied mich für den Platz so, dass ich noch nicht wusste: der Charakterersteller Iván Koós lebte dort. Warum wählte ich doch den Moszkva tér? Denn auf dem Moszkva-Platz suchten die ukrainischen Arbeiter – darunter auch meine Kollegen aus Transkarpatien – morgens Arbeit, als sie zum ersten Mal nach Ungarn kamen. Es war ein offenes Geheimnis.

photo: Péter Csákvári/Hungary Today

Besuchen Sie die Skulpturen regelmäßig, um zu prüfen, ob sie in Ordnung sind?

Ich platziere fast jede Skulptur an einem Ort, den ich sehen kann, wenn ich mit meinem Auto vorbeifahre. Gerade heute habe ich gesehen, dass jemand auf Mekk-Mester eine kleine Kappe gesetzt hat.

Wie wählen Sie das „Modell“ Ihrer Statuen aus?

Ich wähle immer eine Figur, die mir gefällt, und durch die ich den Menschen etwas sagen kann. Oft hat man Statuen auch bestellt: Figuren aus Märchen oder Statuen von berühmten Personen. Aber wenn dahinter keine Geschichte steckt, ist das nicht wirklich mein Ding. Zum Beispiel sollte das Eichhörnchen, das ich hinter die Statue von „Colombo“ gestellt habe, ein bisschen mehr vom Charakter des Detektivs zeigen. So entstand die Idee: Ein Eichhörnchen, das – wir wissen nicht wie und warum – Selbstmord begangen hat. Aber zum Glück ist Colombo direkt neben ihm, um es herauszufinden.

Fertigen Sie normalerweise mehr als eine Kopie einer Statue an?

Ja. Manchmal, wenn etwas schief geht oder wenn mir ein Teil davon nicht gefällt, werde ich das Problem beheben, wenn ich die nächste Kopie anfertige. Wenn also eine Statue gestohlen wird, gibt es normalerweise eine andere, die ich an ihre Stelle setzen kann. Zum Beispiel habe ich Iván Koós‘ Familie eine Kopie von „Mekk mester“ und dem Schöpfer, Ferenc Sajdik, ein „Főkukac-Replikat“ gegeben. Ich möchte auch Veronika Marék, die von der Figur geträumt hat, einen „Kockásfülű nyúl“ schenken. Interessanterweise lebt sie auch in der Nähe der Statue.

 

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Gibt es Leute, die Ihre Arbeit nicht mögen?

Na sicher. Einmal fragte jemand während eines Interviews neben dem Eichhörnchen einen Antiquar, der da stand, ob ihm die Statue gefällt. Der Mann sagte: „Nein, es ist schrecklich! Was soll das überhaupt sein? “ Er hielt gerade einen Zsolnay-Teller in seiner Hand, was ihm wahrscheinlich etwas Besonderes bedeutet. Nicht aber meine Kunst. Er verstand meine Kunst nicht. Dies ist jedoch kein Problem. Ich finde es lustig; Jeder sieht Wert in verschiedenen Dingen.

Planen Sie, Skulpturen auch in anderen Städten zu platzieren? Oder bleibt Budapest Ihr einziger Arbeitsplatz?

Ich mache Skulpturen für die Stadt, in der ich lebe. Seit ich nach Ungarn gezogen bin, wollte ich mit den Menschen kommunizieren, die hier leben. Nicht mit Worten – ich habe keinen beeindruckenden Wortschatz – sondern mit meinen Skulpturen. Ich habe nicht nur meine Zeit, sondern auch meine Gedanken und Gefühle in meine Skulpturen gesteckt. Genau wie bei Dichtern. Jeder Dichter benutzt Wörter, aber jedes Gedicht ist anders.

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Die Leute suchen wirklich gerne nach Ihren Skulpturen. Ich sehe immer Viele, die über Ihre Arbeit in den sozialen Medien sprechen. Gibt es welche, die noch nicht gefunden wurden?

Derzeit sind alle entdeckt worden. Ich denke, das winzige „Urinal“ ist am schwierigsten zu finden, selbst wenn man weiß, wo man suchen muss. Einmal konnte jemand es nicht finden und sagte mir, dass es gestohlen wurde. Als ich dort ankam, sah ich, dass die Statue nicht gestohlen worden war… Manchmal frage ich mich, ob ich einige der Statuen „zu gut“ versteckt habe. Aber es ein Teil des Spiels.

(…)

Sie werden als „Guerilla-Künstler“ bezeichnet, weil Sie die meisten Ihrer Werke nachts, ohne Erlaubnis platzieren. Gab es Skulpturen, die Sie ohne Erlaubnis nicht platzieren konnten?

Es gibt einige Pläne und Skulpturen, für die ich um Erlaubnis gebeten habe. Es gibt jedoch Orte, die ich mir anschaue und es für dumm halte, bei ihnen nach einem Erlaubnis zu fragen. Wo heute der „Kockásfülű nyúl“ steht, fehlte ein Stein beispielsweise und es gab dort mindestens einen Meter breiten Spalt. Ich habe die Statue an die Stelle des fehlenden Steins gesetzt. Ich dachte, wenn sie die Statue nicht mögen, können sie sie einfach herausnehmen und durch einen Stein ersetzen. Es war eine kleine Provokation.

Sie machen auch große Skulpturen, nicht nur Statuetten. Welches ist der Liebling? 

Anfangs stelle ich mir meine kleinen Skulpturen immer groß vor … aber wie würde ein drei Meter großer „Mekk-Mester“ mitten in der Stadt aussehen? Die kleineren liegen mir am Herzen, weil sie mein Leben sind. Die Ministatuen geben mir mehr Freiheit, weil ich sie alleine machen kann, ohne eine Bestellung. Sie sind auch billiger, so dass ich eine Menge davon machen kann. Zehn Teile passen perfekt in einen Koffer und ich bin nicht an die Werkstatt gebunden. Ich kann sogar im Auto daran arbeiten. Eine große Skulptur könnte niemals die gleiche Freiheit bieten.

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Interview von Fanni Kaszás, übersetzt von Ungarn Heute

Fotos von Péter Csákvári/Hungary Today