Wirtschaft

Mit 250 km/h von Budapest nach Warschau: können Machbarkeitsprobleme beim V4-Projekt auftreten?

Neue Schienenwege für eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Diese werden Budapest mit Warschau verbinden. Die Schnellbahn Budapest-Bratislava-Brno-Warschau sei gemeinsamer politischer Wille der Visegrád-Staaten – erklärte Außenminister Péter Szijjártó beim Treffen der Verkehrsminister der vier Länder. Noch in dieser Woche werde die Ausschreibung für eine Machbarkeitsstudie verkündet. Viele Experten sagen inzwischen, dass die Investition vor allem von politischer Wille motiviert ist und wirtschaftlich nicht tragbar sein wird. Eine Analyse von hungarytoday.hu.

„Die Entscheidung fällt mit den politischen Interessen aller vier Mitglieder der Gruppe zusammen“ – sagte Péter Szijjártó den ungarischen Medien in Csorba-tó (Strba-See) in der Hohen Tatra. Laut einigen Analysen, die in den ungarischen Nachrichten erscheinen, wird angenommen, dass das Projekt eher politisch als wirtschaftlich motiviert ist.

Viktor Orbán verwies schon in seiner jährlichen Tusványos-Rede darauf, dass Ungarn seine Nachbarn gerne dazu einladen würde, Hochgeschwindigkeitsstrecken und -straßen zu schaffen, um ihre Länder miteinander zu verbinden, ihre Energienetze zu verbinden und ihre Verteidigungspolitik und militärischen Entwicklungen zu koordinieren.

Woher kommt das Geld?

Noch in dieser Woche werde die Ausschreibung für eine Machbarkeitsstudie verkündet, sagte Péter Szijjártó. Die Studie allein kostet 1,5 Forint (5 Mio. EUR). Die Gesamtinvestition kann 1100 Milliarden Forint erreichen, was im Vergleich zum Gesamtbudget der Eisenbahnentwicklung in Ungarn eine riesige Summe ist. Für Eisenbahnentwicklung gibt der Staat insgesamt nur 1500 Milliarden Forint bis 2022 aus. EU-Mittel können aufgrund der Unsicherheit bezüglich der wirtschaftlichen Amortisation  für den Bau nicht verwendet werden.

Ministerpräsident Viktor Orbán erwähnte jedoch bereits, dass chinesische Investoren neben der Strecke Budapest-Belgrad weitere Projekte finanzieren werden. Die Europäische Investitionsbank (EIB) hat bisher viele Eisenbahnprojekte finanziert, aber nur 14 Prozent waren in Mitteleuropa, so Szijjártó. Er fügte hinzu, dass auch Kreditangebote von anderen Finanzinstituten eingeladen seien.

Die Machbarkeitsstudie muss wichtige Fragen beantworten

Ungarische Transportspezialisten haben ihre Zweifel an der Rentabilität des Projekts geäußert. „Városi és Elővárosi Közlekedésért Egyesület“ betonte, wie wichtig es sei, die Transportwege von Nord nach Süd zu verbessern, nicht nur die Verbindungen zwischen Ost und West. Sie sind sich jedoch nicht sicher, ob die geplante Route die beste Option ist. Die Experten des Verbandes glauben, dass die beiden täglichen Fluggesellschaften die Reisende, die von Budapest nach Warschau fahren, zufriedenstellen. Sie argumentieren so, dass die neue Bahn mit den niedrigen Preisen der Fluggesellschaften nicht konkurrieren könne.

Dank der neuen Infrastruktur können Züge in der Region Geschwindigkeiten von 250 bis 350 km /h erreichen. Die Reise von Warschau nach Budapest könne so nur 3 Stunden dauern (statt der häutigen 12). Inzwischen ist die Durchschnittsgeschwindigkeit der ungarischen Eisenbahnen in vielen Gebieten sehr niedrig im europäischen Vergleich. Zwischen Mátészalka und Debrecen erreicht die Geschwindigkeit nicht einmal 40-50 km / h.

(Via: Gábor Sarnyai – hungarytoday.hu, Beitragsbild: Railway Gazette)