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Nationalfeiertag: Ungarn gedenkt am 20. August der Staatsgründung

Der 20. August ist neben dem 15. März und dem 23. Oktober der größte Nationalfeiertag Ungarns. An diesem Tag gedenken die Ungarn der Staatsgründung und ihrem ersten König, István I. (zu Deutsch: Stephan I.). Neben zahlreichen Programmen für die ganze Familie, krönt ein riesiges Feuerwerk die Feierlichkeiten, zu dem alljährlich zehntausende an die Ufer der Donau strömen. 

Der 20. August ist in Ungarn der wichtigste Nationalfeiertag des Jahres. An diesem Tag wird der Staatsgründung und an die Heiligsprechung des ersten ungarischen Königs, István I. im Jahre 1083 gedacht.

Um den Hintergrund dieses Nationalfeiertages besser verstehen zu können, ist es notwendig einen Blick in die Geschichtsbücher, genauer in das Ungarn des 10. Jahrhunderts, zu werfen. Zwar siedelten sich die Magyaren bereits ab dem 9. Jahrhundert im Land an, jedoch betrachteten sie sich bis dato weder als ein christianisiertes Land, noch als ein Königreich. Erst St. Stephan schaffte es die heidnischen Magyaren-Stämme in der ersten Hälfte des elften Jahrhunderts zu vereinen und fortan als Königreich angesehen zu werden. Die Vereinigung der Stämme markierte gleichzeitig auch die Basis für die Christianisierung des Landes und ist deshalb von großer Bedeutung, da dieser Prozess vor der Trennung von östlich-orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche im Jahre 1054 stattfand. Dieser Erfolg veranlasste später auch die katholische Kirche dazu, König Stephan am 20. August 1083 zum Heiligen zu erklären.

Im Laufe der Geschichte wurde der Nationalfeiertag immer wieder abgeschafft und wieder eingeführt. Wichtige Wendepunkte waren dabei u.a. die Jahre 1848 bis 1860, als die Habsburger, nach der Niederlage der Ungarn im Unabhängigkeitskrieg, den Feiertag verboten, da St. Stephan als Symbol für ein unabhängiges Ungarn stand. Nach 1860 wurde der Feiertag wieder eingeführt und 1891 durch Franz Joseph zum Feiertag erklärt. In den Jahren nach dem Vertag von Trianon (4. Juni 1920) wurde das bis dato eher christliche Elemente beinhaltende Feiertagsprogramm, durch nationale Inhalte, wie die Vereidigung der Offiziere und Volkstraditionen bzw. seit 1927 mit einem festlichen Feuerwerk, ergänzt. Nach dem zweiten Weltkrieg nahmen 1947 eine halbe Millionen Menschen an der Prozession mit der Heiligen rechten Hand Stephans teil, allerdings verbot im Folgejahr das Rakosi-Regime die Prozession wieder. Sowohl der kirchliche als auch der nationale Charakter wurde gestrichen, das Regime traute sich aber nicht den Tag, als Feiertag zu streichen. Man versuchte den Tag als „Tag der Volksrepublik und Verfassung“, bezogen auf die am 20.08.1949 verabschiedete sozialistische Verfassung, umzudeuten, allerdings gelang dies nur rechtlich, im Herzen der Ungarn blieb dieser Tag bis heute der Tag, an dem die Ungarn ihres ersten Königs und Staatsgründers gedenken.

Hissen der ungarischen Nationalflagge, Foto: Márk Mervai

 

Der 20. August bietet traditionell zahlreiche Programme für die ganze Familie. Bereits am frühen Morgen beginnen die Feierlichkeiten mit dem Hissen der ungarischen Nationalflagge vor dem Parlamentsgebäude und einer anschließenden Festrede des Staatspräsidenten Dr. János Áder, sowie der traditionellen Vereidigung der Offiziere.

Am Vormittag können die Besucher Zeuge einer atemberaubenden Air-Show und Wasserparade auf der Donau vor dem Parlamentsgebäude werden, sowie anschließend ihren Hunger auf der Straße der ungarischen Geschmäcker mit zahlreichen nationalen Köstlichkeiten stillen. Die Konzerte auf Höhe des Várkert Bazárs runden das Programm am Ufer der Donau ab.

Wer die Heilige Messe und die anschließende Prozession samt der Heiligen rechten Hand Stephan I. nicht verpassen möchte, sollte rechtzeitig einen Platz für den frühen Abend (17 Uhr) an der Basilika reservieren, da an diesem feierlichen Umzug traditionell tausende Menschen teilnehmen.

Egal ob Donau-Ufer oder Basilika, am Abend sollte sich jeder am Ufer der Donau zwischen Margaretenbrücke und Kettenbrücke einfinden, da um 21 Uhr hier das etwa 30-minütige und musikalisch untermalte Feuerwerk gezündet wird, welches gleichzeitig auch den krönenden Abschluss des Nationalfeiertages markiert.

Hier noch einmal das komplette und offizielle Festprogramm zum Nationalfeiertag:

8:00 bis 18:00 Uhr

Militärparade der ungarischen Streitkräfte und ihrer Land- und Wasserfähigkeiten

Feierlichkeiten am Kossuth tér

8:30 bis 9:30 Uhr Hissen der ungarischen Nationalflagge, Festrede des Verteidigungsministers Tibor Benkő, Festtagsansprache des Staatspräsidenten  Dr. János Áder, Offizierseinweihung

Donau-Ufer:

9:30 bis 11:00 Uhr Air-Show und Wasserparade auf der Donau vor dem Parlamentsgebäude

10:00 bis 24:00 Uhr Straße der ungarischen Geschmäcker zwischen Clark-Ádám tér und Döbrentei tér

11:30 bis 18:00 Uhr Konzerte auf der Bühne vor dem Várkert Bazár

12:00 bis 19:00 Uhr öffentliche Besichtigung der Ungarischen Heiligen Krone im Parlamentsgebäude

17:00 Uhr Festmesse und Prozession mit der Heiligen rechten Hand St. Stephan I.

21:00 Uhr Festliches Feuerwerk über der Donau zwischen Margaretenbrücke und Kettenbrücke

(Geschrieben von – Márk Mervai, Fotos – Márk Mervai)