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Presseschau von budapost.de: Juncker feiert 100 Jahre „Großrumänien“

Ein regierungsnaher Kolumnist kritisiert EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker scharf, weil der Luxemburger den hundertsten Jahrestag der „großen rumänischen Vereinigung“ (Anschluss vom Siebenbürgen an Rumänien) als einen europäischen Feiertag bezeichnet hat. Eine Presseschau von budapost.de

György Pilhál von der Tageszeitung Magyar Idők wendet sich in einem Kommentar an Juncker mit der Frage, ob er wisse, dass auch Ungarn in Europa liege und seine Bemerkung 15 Millionen Ungarn beleidigt habe, für die der Verlust von Millionen in Siebenbürgen lebenden Landsleuten nach dem Ersten Weltkrieg eine Tragödie gewesen sei. (Anlässlich einer Sitzung des Europäischen Parlaments am Dienstag – zufällig auch ein ungarischer Nationalfeiertag – hatte Juncker geäußert: „Wir werden diesen rumänischen und europäischen Feiertag begehen, denn alles, was mit Rumänien in Zusammenhang steht, ist stets auch für Europa wichtig.“ Der Chef der Europäischen Kommission bezeichnete Rumänien als „Urheber von Stabilität in einer gequälten Region“ und lobte das Land dafür, dass es den Aufbau einer Europäischen Staatsanwaltschaft unterstützt habe – ganz im Gegensatz zu „sogar einigen Gründungsmitgliedern“. Am 1. Dezember feiert das östliche Nachbarland den Jahrestag einer Volksversammlung siebenbürgischer Rumänen in Alba Iulia, auf der sie ihren Beitritt zum Königreich Rumänien beschlossen – und zwar im Einklang mit einer ab 1916 gültigen Zusage der Alliierten, die im Austausch für den Seitenwechsel Rumäniens im Ersten Weltkrieg gegeben worden war – Anm. d. Red.)

Die Erklärung von Alba Iulia, so Pilhál, habe Grundsätze wie die volle Gleichstellung aller Nationalitäten, die Presse- und Vereinigungsfreiheit usw. enthalten, die in der Folge jedoch nicht in die Praxis umgesetzt worden seien. Pilhál fragt sich, ob Juncker von dieser Geschichte wisse oder es sich lediglich um einen weiteren „Ischias-Anfall“ gehandelt habe.

(Pilhál bezieht sich mit dieser Bemerkung auf einen Vorfall vom Juli dieses Jahres, als Juncker bei einer Nato-Veranstaltung von Spitzenvertretern des Nordatlantischen Bündnisses gestützt werden musste und der Sprecher des Kommissionspräsidenten dies mit den Worten erklärte, Juncker habe an Ischias gelitten und sei nicht aufgrund von Trunkenheit gestolpert – Anm. d. Red.)

(Via: budapost.de, Beitragsbild: REUTERS)