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Sylvester Anno – Wie feierte Ungarn das Neujahr im 20. Jahrhundert?

Zsófia Nagy-Vargha 2018.12.31.

Das 20. Jahrhundert war eine schwere Periode in der ungarischen Geschichte, doch versuchte man sich bei dem Neujahrfest möglichst gut zu fühlen.  Es gibt ein interessanter Neujahrsbrauch in Ungarn: man nimmt an, dass man das ganze neue Jahr über dasselbe macht, wie am ersten Tag. Deshalb bemühen sich die Ungarn am 1.1. fast nichts zu unternehmen und geben auch möglich wenig Geld aus. 😊  Die unten stehenden Fotos wurden von dem Online-Fotoarchiv fortepan.hu gesammelt. Sie zeigen die typischsten „Neujahrs-Stimmungen“ aus dem 20. Jahrhundert.

1916  – Feiern mit der Familie

Für die Bevölkerung war der Neujahrstag in Ungarn immer einer der wichtigsten Feiertage. Nach den hektischen Tagen der Weihnachtszeit konnte man sich zu Silvester ausgiebig ausholen.  Es war im Allgemeinen üblich, dass man Neujahr mit der Familie feiert.

 

Via: fortepan

 

1931 – Die Größten der ungarischen Literatur feiern zusammen

Auf dem Bild sind u.a. der Schriftsteller László Németh, der Dichter Mihály Babits, ihre Frauen und der Schriftsteller Gyula Illyés zu sehen.

 

(László Németh, Mihály Babits, die Frau von László Németh, Sophie Török, Farkas Zoltánné, József Erdélyi und Gyula Illyés)

 

Anbei eines der berühmtesten Gedichte von Mihály Babits auf Deutsch:

Frage am Abend (Esti kérdés)

Als der Abend die sich dehnende Strecke
seine schwarze, sanfte samtene Decke,
die eine riesige Amme bewegt,
behütend sorgsam auf die Erde legt,
daß der zarteste Grashalm nachtumweht
unter der sanften Hülle aufrecht steht,
und faltet kein Blumenblatt auf dem Hügel,
der zarte Falter verliert in der Stille
kein Regenbogenemail an dem Flügel,
und alle ruhn in abendlicher Hülle,
ruhn im Schatten dieser so leichten, linden
Decke, die sie auch nicht als Last empfinden:
während du in der weiten Welt wo immer
herumstreifst, oder döst in deinem Zimmer,
zusiehst im Café den stummen Gebärden,
wenn die Gaslaternen entzündet werden,
oder gehst müd mit deinem Hund, von weitem
schimmert der Mond durch das Laub überm Hügel,
oder im Staub der Landstraße entgleiten
deinem schon schläfrigen Kutscher die Zügel,
oder am Schiff sanft schwingend auf des Buges
Wiegen, oder im Coupé eines Zuges,
oder durch eine fremde Großstadt treibend,
kannst du, an manchen Ecken stehenbleibend
staunend sehn nach der langen Gassen fernen
Fäden, den Alleen der Straßenlaternen,
und an der Riva, der Wasserstadt, schauernd,
wo der matte Opalspiegel die Flammen
zerlegt, sinke, um Vergangenheit trauernd
tief woher deine süßen Foltern stammen,
hinab in die längst vergangenen Jahre,
die wie das Licht der Zauberlampe winken,
bisweilen schmerzhaft, dann ins Wunderbare
steigend verblassen, jedoch nie versinken:
dort kannst du den von Erinnerung trägen,
müden Kopf auf die Marmorerde legen,
vor diesen Schönheiten zu deinen Füßen
wirst insgeheim verwaist dich fragen müssen:
Zu welchem Ende gibt es diese Fülle?
nach dem Wozu-dies-alles drängt dein Wissen:
das seidne Wasser, bunte Marmorfliesen,
des milden Abends flügelleichte Hülle?
Wozu das Laub und wozu dieser Hügel,
das Meer, darein der Ackermann nichts sät,
die Fluten, und wozu der Ebbe Frieden,
die Wolken, die traurigen Danaiden,
der Sisyphusstein-Sonne glutgebläht,
wozu Erinnerung opalen Spiegel,
wozu Laternen, Monde überm Hügel?
Endlose Zeit, was soll dies Spiel zunächst?
Als Beispiel nimm den Halm, den zarten dort:
warum wächst Gras, wenn’s wieder doch verdorrt,
warum verdorrt es, wenn es wieder wächst?

1932  

 

1948 BUEK – Richards Richárd Győri Finomposztógyár.

Im Studio des Ungarischen Staatlichen Rundfunks, Árpád Latabár und Mihály Viola Schauspieler.

 

1973 – 43 Jahre später – die großen Dichter feiern wieder zusammen. 😊

Gyula Illyés Gyula, Tibor Déry, Frau von Illyés: Flóra Kozmutza, und Katalin Gombos Schauspielerin

1973 – Imre Antal, Alice Kessler und Tamás Vitray

Alice und Ellen Kessler waren ein berühmtes Zwillingspaar des deutschen Showgeschäfts. Sie wurden als die Kessler-Zwillinge bekannt und traten als Sängerinnen, Tänzerinnen, Schauspielerinnen und Entertainerinnen auf. Wie beispielsweise Ende des Jahres 1972 in Ungarn. Die schönen Frauen sind mit dem berühmten Humoristen Imre Antal und Reporter Tamás Vitray zu sehen.

1977 Ferenciek tere, Budapest

 

1978 Géza Hofi ist bis heute der beliebteste ungarische Parodist und hatte einen starken Einfluss auf das ungarische Kabarett.

 

 

1980 Ausstrahlung des ungarischen Radios aus einer Wohnung in der Innenstadt am Silvesterabend.

(Via: fortepan.hu)