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Todestag des „Schwarzen Panthers“ – Gyula Grosics vor 4 Jahren gestorben

Er ist einer der besten Torhüter aller Zeiten. Gyula Grosics war Mitglied der ungarischen Fußballnationalmannschaft, die 1954 in Bern das Endspiel 2:3 gegen Deutschland verlor – es war die erste Niederlage der „Magischen Magyaren“ nach vier Jahren. Am 13. Juni 2014 starb der 88-jährige Torhüter. Wir gedenken seiner.  

„Es war etwas passiert, das nicht hätte passieren dürfen. Die Goldene Mannschaft aus Ungarn hatte am 4. Juli 1954 gegen die Deutschen im Endspiel von Bern verloren, und der ungarische Torhüter Grosics sah im Moment größter Erregung im Schiedsrichter den Verantwortlichen dafür. Ling hatte das Ausgleichstor von Puskás in letzter Minute wegen Abseits nicht gegeben. Eine Fehlentscheidung.“ (Nachruf über Grosics im Tagesspiegel 2014)

Foto: alfahir.hu

 

86 Länderspiele, olympische Goldmedaille, Vize-Weltmeister, Europapokal der Fußball-Nationalmannschaften, vierfacher Meister Ungarns. Das ist Gyula Grosics und natürlich viel mehr. Auf Vereinsebene spielte er in jener Zeit bei Honvéd Budapest. Am 25. November 1953 war er in Wembley der Torhüter der ersten nicht-britischen Nationalmannschaft, die England auf englischem Boden bezwang. Dieses Spiel, welches die Ungarn mit 6:3 gewannen, wird in Ungarn auch heute noch als „Jahrhundertspiel“ angesehen.

Der Höhepunkt seiner Laufbahn wurde die Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz. Ungarn kam bis ins Finale, wurde da aber von der Bundesrepublik Deutschland mit 3:2 bezwungen. Es war nicht einfach nach diesem Niedrlage in die kommunistische Heimat zurückzukehren. Der Torhüter erinnerte daran mit diesen Wörtern:

„Wenige Kilometer vor Budapest mussten wir gegen Mittag plötzlich aussteigen, wurden in ein Trainingslager gebracht und durften es den ganzen Tag nicht verlassen. Abends kamen die höchsten Politiker – Rákosi, der Generalsekretär der Kommunistischen Partei, auch der Innenminister und der Militärminister sowie Leute der ungarischen Stasi. Rákosi hielt eine Rede, auch der zweite Platz sei ein schönes Ergebnis, und dann sagte er noch: Niemand von euch soll Angst haben, bestraft zu werden für dieses Spiel. Ich habe den Klang seiner Stimme noch im Ohr. Als dieser Satz fiel, wusste ich, dass er genau das Gegenteil bedeutet. Ich wusste, dass etwas Schlimmes passieren würde. Ich war oft mit der Staatssicherheit AVH aneinandergeraten, jetzt hatte ich das Gefühl, in Gefahr zu sein. Ich wusste, sie hatten es auf mich abgesehen. Ich behielt Recht.“

Vier Monate danach wurde Grosics verhaftet und kam wegen angeblicher Spionage vor Gericht.

 

Die Niederlage seines Lebens. Gyula Grosics im WM-Finale 1954 beim Treffer von Helmut Rahn zum 3:2-Endstand. FOTO: DPA

 

Nach Niederwerfung des ungarischen Volksaufstands 1956 brach das Wunderteam der 1950er Jahre endgültig auseinander. Grosics reiste mit Honved Budapest noch einige Zeit durch Westeuropa, erhielt auch Angebote ausländischer Vereine, er blieb aber Ungarn treu, um seine Familie, seine Freunde und sein Heimatland nicht zu verlieren.

(Via: grosicsakademia.hu, tagesspiegel.de, wikipedia.org, Beitragsbild: fifa.com © Getty Images)