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Tusványos-Sommeruniversität: Wo Politik und Musik treffen

Ein Jugendfest, eine Sommeruniversität, wo man immer wichtige innenpolitische Aussagen hören kann. Das ist die Tusványos-Sommeruniversität im siebenbürgischen Tusnádfürdő (Bad Tuschnad). Diesen Aussagen verdankt sie ihre „internationale Berühmtheit“: 2014 sprach Premierminister Viktor Orbán hier zum ersten Mal über eine „illiberale Demokratie“. In diesem Jahr ist Migration, Wirtschaftsleistung, durch die Zeitschrift „Magyar Idők“ entfesselter „Kulturkampf“, Budapester Investitionen und die Medienpolitik Ungarns im Mittelpunkt. Am Samstag wird auch der Ministerpräsident Viktor Orbán einen Vortrag halten.

Wirtschaftsleistung

Die ungarische Regierung nutzt das Festival als Medium, über wichtige Dinge vor der Öffentlichkeit zu diskutieren. So äußerte sich Finanzminister Mihány Varga an einem Rundtischgespräch über den ungarischen KMU-Sektor. Der Minister behauptete, dass ein durchschnittlicher ungarischer Arbeitnehmer halb so produktiv sei wie sein niederländischer Kollege und kritisierte gleich scharf die technologische Entwicklung der ungarischen Firmen. Mihály Varga betonte: „Viele von ihnen haben nicht einmal eine Website. Die meisten sprechen keine Fremdsprache. Ein weiteres Problem ist, dass die ungarische KMU-s ihre Beschäftigte nicht weiterbilden. Im Vergleich zu Österreich, wo 20% der Arbeitnehmer immer etwas Neues erlernen.“ Der Minister bewertete die ungarische Wirtschaftsleistung so: das gesamtstaatliche Defizit ist niedrig, die Staatsverschuldung sinkt seit 7-8 Jahren und diese wirken auf die Wettbewerbsfähigkeit Ungarns aus. Das wirtschaftliche Wachstum begann, Exporte sind gestiegen und die Löhne auch – resümierte Varga.

Mihály Varga Finanzminister und László Palkovics, Minister für Innovation und Technologie, Via: MTI – Nándor Veres

 

„Kulturkampf”

Eine heiße Diskussion entwickelte sich an einem Rundtischgespräch mit dem Titel „Brauchen wir einen Kulturkampf?“. Dies bezog sich auf eine Artikelreihe, die von der regierungsnahen Zeitung Magyar Idők veröffentlicht wurde. Der Autor, Árpád Szakács kritisierte mehrere entscheidende kulturelle Akteure Ungarns wegen der Verteilung von staatlichen Förderungen und forderte die Einstellung der Finanzierung von liberalen Künstlern.

„Talent kann nicht durch „Parteitreue“ ersetzt werden“

Gergely Prőhle, Direktor des Budapester Petőfi-Literaturmuseums, wurde in der regierungsnahen Zeitung „Magyar Idők“ mehrmals angegriffen. Laut der Zeitschrift werden unter seiner Leitung vor allem die liberalen Künstler unterstützt. Prőhle sagte an Tusványos: die Debatte sollte nicht auf institutioneller Ebene laufen. Die staatlichen Institutionen müssten die Aufgabe haben, eine Chancengleichheit in der Kunst zu schaffen.

László L. Simon, Staatssekretär für Kultur a.d, Gergely Prőhle, Direktor des Petőfi Literaturmuseums Budapest, Via: index.hu

 

„Talent und Begabung müssen besiegen, was der Autor über die jeweilige politische Führung denkt.“ – so Prőhle.

László L. Simon, Staatssekretär für Kultur a.d., Abgeordneter von Fidesz betonte früher: „Talent kann nicht durch „Parteitreue“ ersetzt werden“. Er reagierte auf Prőhles Aussagen so: eine staatliche Institution könne nicht wertneutral sein, es sei auch nicht ihre Aufgabe, gleiche Chancen zu schaffen. Seiner Ansicht nach muss man durch kulturelle Institutionen eine Kulturpolitik stärken, die die ungarische Identität bewahren kann.

Migration

Über die Frage Migration gab es keine Diskussion, ein regierungsnaher Expert, der Staatsekretär des Verteidigungsministeriums und Einer des Innenministeriums saßen am Rundtisch. Hauptgedanke ist schon bekannt:  Migration ist kein Menschenrecht, sondern eine sicherheitspolitische Frage Europas.

Budapest – die Metropolis von Europa?  

Oberbürgermeister István Tarlós nahm an einem langen Rundtischgespräch teil. Aus seinen Worten ergab sich aber nicht, ob er für das Amt des Oberbürgermeisters erneut zur Wahl stehen wird. Zwar gehört er offiziell nicht zum Fidesz, doch politisch steht er der Regierung nah. Viktor Orbán zählt auf ihn. Tarlós äußerte über diese Frage: „Ich berücksichtige Viktor Orbáns Ansicht, aber meine Frau ist mein Chef.“ Über die Hauptstadt sagte er: er habe keine Ambitionen, Budapest zu einer Weltstadt zu machen. Es sei viel wichtiger, dass die Stadt sich zu einer lebenswerteren Stadt entwickelt. Dazu braucht man vor allem zuverlässige Dienstleistungen – so Tarlós.

Oberbürgermeister von Budapest, István Tarlós. Foto: MTI Nándor Veres

 

Opposition

Tusványos wurde von Vielen wegen seiner engen Verbindung mit der Partei Fidesz kritisiert. Es werden immer viele Politiker von den Regierungsparteien nach Tusványos eingeladen und nur wenige von der Opposition. (Politiker außer der Partei LMP waren bisher auf dem Festival kaum zu sehen.) Obwohl Vorsitzender der Partei MSZP wurde in diesem Jahr eingeladen, hat er aber diese abgelehnt. Laut der Partei könne das Motto der Veranstaltung so heißen: „Übergang von der Demokratie auf eine Diktatur“. Partei MSZP wolle an diesem Prozess nicht teilnehmen.

Bäre

Ein Bär hat an dem ersten Tag von Tusványos einen 27-jährigen Mann schwer verletzt. Seitdem überfuhr bedauerlicherweise der Zug ihre zwei Bärenjungen, die Mutter wurde mit einer Beruhigungspistole niedergeschossen und abtransportiert.

In Siebenbürgen hat sich die Bärenpopulation in der letzten Zeit stark vermehrt, hiermit ein Video, das vor zwei Tagen gedreht wurde. Ein Bär versucht mit ihren Bärenjungen eine verkehrsreiche Schnellstraße zu überqueren.

Tusványos als Kulturfestival

Nicht nur die Politik, sondern auch die Kultur spielt eine wichtige Rolle an der Tusványos-Sommeruniversität. Viele junge Leute aus Siebenbürgen besuchen das Festival, um nachts ungarische Pop- und Rockbands zu hören. In diesem Jahr sind unter anderem „Tankcsapda“, „Honeybeast“, „Rúzsa Magdolna“ und „Deák Blues Band mit Hobo“, die den Jugendlichen ein Konzert geben.

 

Kozert von Tankcsapda am 25. Juli, Foto: MTI – Nándor Veres

 

Das diesjährige Motto der 29. Freien Sommeruniversität und des Studentenlagers Bálványos lautet: Bewusstsein der Zusammengehörigkeit und traditioneller Werte.

(Via: index.hu, mti.hu, magyaridok.hu, 24.hu, Beitragsbild: MTI )