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Coronavirus – Ein neuer Feind aus Nirgendwo?

Dániel András Vargha 2020.04.08.

Epidemien sind leider begleitende Erscheinungen des menschlichen Schicksals, die uns schon viel Leiden verursachten, die immer viele Opfer forderten, trotzdem konnten wir immer durch Zusammenhalt, Disziplin und Kreativität die unsichtbaren Krankheitserreger bekämpfen.

Jedes Jahr erkranken viele von uns an Grippe, die von Influenzavirus verursacht wird. Die Symptome sind wie gewöhnlich: Husten, Kopfschmerzen, Fieber, Schmerzen in den Gliedermaßen. Wir bleiben ein paar Tage zu Hause, trinken viel Tee, nehmen Vitamine ein und die Krankheit ist schon vorbei, wir kehren zum normalen Leben zurück. Aber nicht ein jeder hat Glück. Jährlich kommen (nach der Schätzung der WHO) zw. 290 000 und 650 000 Erkrankte wegen des Influenzavirus ums Leben. Bis jetzt sind „nur“ 80 994 COVID-19 Patienten weltweit gestorben. Warum macht man sich denn so große Sorgen um diese Krankheit? Wenn wir uns die Daten ein bisschen genauer anschauen, können wir eindeutig sagen, dass die Letalität (Anzahl der an einer bestimmten Krankheit verstorbenen/Anzahl der an einer bestimmten Krankheit Erkrankten) bei der Grippe unter 0,1% liegt, während diese Prozentzahl bei den SARS-CoV-2 Infizierten aktuell 5,7% beträgt. Anders gesagt: dieser Krankheitserreger, vor dem wir stehen solle 57 mal tödlicher sein als Influenza. Weitgehende Konsequenzen könnten wir natürlich erst nach dem Abklang der Epidemie ziehen. Weiterhin ist es problematisch, dass wir bis jetzt weder durch klinische Studien bestätigte wirksame Medikamente noch Impfungen in der Hand haben. Das Influenza-Virus kennen wir schon ziemlich gut, das neue Coronavirus haben wir erst jetzt begonnen kennenzulernen.

Fact

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Corona und Influenza?
Viren sind grundsätzlich genetische Informationen (DNA oder RNA), die in einer Proteinhülle eingepackt sind. Manche Viren, wie Corona-, und Influenzavirus, besitzen eine zusätzliche doppelte Lipidhülle auch. Sie haben keinen eigenen Stoffwechsel, dh. ohne uns (Wirt) können sie sich nicht vermehren. Influenzavirus gehört der Familie Orthomyxoviridae an, die kann in drei weiteren Gattungen unterteilt werden, so wie Influenza A, B und C. Diese Pathogene werden von zwei ganz typischen Oberflächenproteinen charakterisiert, und zwar Hämaggluttinin (H) und Neuraminidase (N). Diese Strukturen dienen das Anhaften der Virionen an unseren Zelloberflächen, außerdem bieten uns eine große Menge genetischer Rekombinationen, damit sich zum Beispiel der berühmte Subtyp H1N1 entwickeln konnte, der unter dem Namen spanische Grippe zwischen 1918 und 1920 ca. 25-50 Millionen Seelen getötet hat. Als weitere Beispiele könnten wir noch die asiatische Grippe (H2N2, 1957), die Hong-Kong-Grippe (H3N2, 1968) oder die Schweinegrippe (H1N1/09, 2009) nennen.

Unterschied zwischen SARS-CoV-2 und Influenza A (blaue Schachtel: Influenza, grün: SARS-CoV-2, rot: gemeinsam)

Coronavirus sollte uns bekannt vorkommen, doch haben wir mit ihm schon 2003 als SARS-CoV, dann später 2012 als MERS-CoV konfrontiert. Das vorherige hat 8096 Menschen infiziert und davon sind 774 gestorben, das letztere hat insgesamt 2494 erkrankt und 858 getötet (laut WHO).

SARS-CoV-2 unter Elektronenmikroskop. Man sieht an der Oberfläche der Viren die S-Proteine (S=spike=Dorn), die für die typische „Strahlenkranz“ (lateinisch corona) Erscheinung verantwortlich sind. Foto: NIAID

Es gibt zahlreiche Coronaviren – sie gehören der Ordnung Nidovirales- an, aber die meisten von denen sind nicht humanpathogen. Die Humane Coronaviren wurden 1965 von David A. J. Tyrell bei Erkältungskrankheiten entdeckt. Diese Erreger waren so eigenartig, dass es nötig war eine neue Familie für sie zu definieren.

Fact

Was ist aber die Lage mit dem neuen SARS-CoV-2?
Aufgrund der ähnlichen genetischen Eigenschaften mit dem SARS-CoV hat man dieses Virus - das ebenso in die Gruppe der Beta-Coronaviridae gehört- als SARS-CoV-2 benannt. Der Unterschied liegt leider daran, dass diese neue mutierte Form viel virulenter als seine Vorfahren ist.

Das erste mal erschien das neue Coronavirus in China (in der Stadt Wuhan) und hat sich von dort kontinuierlich auf der ganzen Welt verbreitet. Die Mehrzahl der Infizierten waren Mitarbeiter auf dem „Huanan Seafood Wholesale Market“, deswegen wird vermutet, dass die Erreger von Tieren auf Menschen übertragen wurden. Aktuelle Forschungsergebnisse unterstützen diese Aussage. Viele behaupten aber, dass wir vielleicht unwissende „Versuchstiere“ eines biologischen Experimentes oder Leidende eines modernen unsichtbaren Krieges sind, wie es in dem Roman „Die Augen der Dunkelheit“ von Dean Koontz beschrieben ist. Interessanterweise heißt diese biologische Waffe Wuhan-400 im Buch, das im Jahre 1981 veröffentlicht wurde.

Es geschieht nichts neues unter der Sonne, denn die Ursprung der früheren MERS-Epidemie auf dem Kamel zurückgeführt werden konnte. Diese Erscheinung, die man als Zoonose bezeichnet, ist gar nicht ungewöhnlich in der Natur, wenn wir zB. an Tollwut oder Kuhpocken denken. Sollten wir vielleicht zu den Kern der immunologischen Forschung zurückgehen, um ein mögliches Heilmittel gegen COVID-19 finden zu können? Wir wissen schon, dass andere Tierarten auch infiziert werden können, aber was uns noch fehlt is das Wissen, ob die neuinfizierten Tiere uns irgendwann reinfizieren könnten.

Mögliche Zoonose des SARS-CoV-2

Fact

Warum ist es denn so gefährlich?
Wie es in dem Namen des Virus steht (SARS = Severe Acute Respiratory Syndrom = Schwere akute respiratorische Syndrom) kann es sich bei dieser Krankheit sehr leicht und relativ schnell ein akutes Lungenversagen entwickeln. Die Lungenbläschen fallen zusammen, es gibt immer weniger Atmungsoberfläche, weniger Sauerstoff kann aufgenommen werden und somit ist die Durchblutung auch gestört. Letztere folgt zur Belastung des Herzens und später zum Kreislaufkollaps. Wenn man nicht rechtzeitig eine maschinelle Beatmung bekommt, dann ist die Wahrscheinlichkeit des Sterbens sehr hoch.

Übertragung und häufigste Symptome von COVID-19

Leider unterscheiden sich die Symptome kaum, vor allem am Anfang der Krankheit, von den Symptomen der einfachen Grippe. Deswegen ist es sehr wichtig so viele Tests wie möglich durchzuführen, damit man die positiven Personen rechtzeitig isolieren und die etwaige, verdachtsmäßige Kontaktpersonen aufsuchen kann. Als Beispiel können wir Süd-Korea nehmen, wo bis 6. April insgesamt 466 804 Untersuchungen gemacht wurden. Es gibt 10 284 Infizierte und 186 Todesopfer. Weiterhin ist es einschneidend die Mitarbeiter des Gesundheitswesens regelmäßig zu testen, damit man die Möglichkeit der weiteren Ausbreitung der Krankheit weiter reduzieren kann, denn wer wird doch sich um die Infizierten kümmern, wenn die Ärzte, Krankenpfleger und Krankenschwester auch erkrankt sind? Mit diesen einfachen Maßnahmen kann die Überbelastung und der Zusammenbruch des Gesundheitswesens vermieden werden. Wir müssten uns nicht nur ausschließlich auf die große Anzahl der COVID-19 Patienten konzentrieren. Außerdem gibt es jeden Tag Traumatisierte, akute Fälle, chronisch Erkrankte, Krebspatienten, die eine unverzügliche medizinische Versorgung brauchen.

85 Mitarbeiter des Gesundheitswesens mit dem Virus infiziert

Diejenigen, die an chronischen Krankheiten leiden, die älter oder immungeschwächt sind, sind natürlich mehr gefährdet und haben eine größere Chance lebensbedrohliche Symptome zu entwickeln aber man muss es betonen, dass diese Aussage auf jede Infektionskrankheiten gilt.

Die Inkubationszeit beträgt 2-14 Tage, deshalb muss man es immer vor den Augen halten, dass man während dieser Periode auch infizieren kann, ohne dass man eine Kenntnis von der Infektion hätte. Auf dessen Grund ist es empfehlenswert eine Maske zu tragen, wenn man unter den Menschen, auf der Straße, im Geschäft oder auf den öffentlichen Verkehrsmitteln ist, so schützt man die Anderen.

Zweitens: Die Viruspartikeln sind zwar sehr klein (ca. 120 nm), trotzdem können sie nur ausschließlich im Aerosol, in den Speichelpartikeln verbreitet werden. Diese Tröpfchen haben natürlich eine größere Ausdehnung als die Viruspartikeln selbst, so ist die mathematische Möglichkeit größer, dass diese Nies-Tropfen von der Maske aufgehalten werden können, als ohne.

SARS-CoV-2 besitzt eine doppelte Zellmembran aus Lipid, deswegen ist die Seife sehr effektiv gegen ihm. Mit dem regelmäßigen Händewaschen kann man die Viruspartikeln sehr effektiv zerstören.

SARS-CoV-2 neigt sich zu mutieren, denn gibt es schon 8 verschiedene Stämme auf der Welt. Voraussichtlich bildet das keine Hürde für die Entwicklung der Vakzine aber man kann nicht ausschließen, dass die COVID-19-Seuche in einer, oder in mehreren Wellen zurückkehren wird.

Im kommenden zweiten Teil berichten wir unter anderem über die wichtigsten Diagnosemethoden und über die zukünftigen Therapiemöglichkeiten, die in Frage kommen.

(Der Artikel wurde von Dániel András Vargha verfasst, Student an der Medizinischen Universität Wien, die Abbildungen wurden mit Biorender gemacht)