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Coronavirus – Ein neuer Feind aus Nirgendwo?

Epidemien sind leider begleitende Erscheinungen des menschlichen Schicksals, die uns schon viel Leiden verursachten, die immer viele Opfer forderten, trotzdem konnten wir immer durch Zusammenhalt, Disziplin und Kreativität die unsichtbaren Krankheitserreger bekämpfen. (Der Artikel erschien im April 2020, die Corona-Zahlen wurden im Text jedoch im Februar 2021 aktualisiert.) 

Jedes Jahr erkranken viele von uns an der Grippe, die vom Influenzavirus verursacht wird. Die Symptome sind wie gewöhnlich: Husten, Kopfschmerzen, Fieber, Gliederschmerzen. Wir bleiben ein paar Tage zu Hause, trinken viel Tee, nehmen Vitamine ein und die Krankheit ist schon vorbei, wir kehren zum normalen Leben zurück. Aber nicht ein jeder hat Glück. Jährlich kommen (nach der Schätzung der WHO) zw. 290 000 und 650 000 Erkrankte wegen des Influenzavirus ums Leben. Bis jetzt sind 2.369.067 COVID-19 Patienten weltweit gestorben. Wenn wir uns die Daten ein bisschen genauer anschauen, können wir eindeutig sagen, dass die Letalität (Anzahl der an einer bestimmten Krankheit verstorbenen/Anzahl der an einer bestimmten Krankheit Erkrankten) bei der Grippe unter 0,1% liegt, während diese Prozentzahl bei den SARS-CoV-2 Infizierten vier höher ist. Anders gesagt: dieser Krankheitserreger, dem wir gegenüberstehen, soll viel tödlicher sein als Influenza. Weitgehende Konsequenzen könnten wir natürlich erst nach dem Abklang der Epidemie ziehen. Das Influenza-Virus kennen wir schon ziemlich gut, das neue Coronavirus haben wir erst im Jahr 2020 begonnen kennenzulernen.

Fact

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Unterschied zwischen SARS-CoV-2 und Influenza A (blauer Kasten: Influenza, grün: SARS-CoV-2, rot: gemeinsam)

Das Coronavirus sollte uns bekannt vorkommen, da wir mit ihm schon 2003 als SARS-CoV, dann später 2012 als MERS-CoV konfrontiert wurden. Ersteres hat 8096 Menschen infiziert, von denen 774 gestorben sind, bei letzterem waren es insgesamt 2494 Erkrankte und 858 Gestorbene (laut WHO).

SARS-CoV-2 unter dem Elektronenmikroskop. Man sieht an der Oberfläche der Viren die S-Proteine (S=spike=Dorn), die für die typische „Strahlenkranz“ (lateinisch corona) Erscheinung verantwortlich sind. Foto: NIAID

Es gibt zahlreiche Coronaviren – sie gehören der Ordnung Nidovirales an – aber die meisten von denen sind nicht humanpathogen. Die Humanen Coronaviren wurden 1965 von David A. J. Tyrell bei Erkältungskrankheiten entdeckt. Diese Erreger waren so eigenartig, dass es nötig war, eine neue Familie für sie zu definieren.

Fact

Was aber ist die Lage mit dem neuen SARS-CoV-2?
Aufgrund der ähnlichen genetischen Eigenschaften mit dem SARS-CoV hat man dieses Virus - das ebenso in die Gruppe der Beta-Coronaviridae gehört- als SARS-CoV-2 benannt. Der Unterschied liegt leider daran, dass diese neue mutierte Form viel virulenter als seine Vorfahren ist.

Das erste Mal erschien das neue Coronavirus in China (in der Stadt Wuhan) und hat sich von dort kontinuierlich auf der ganzen Welt verbreitet. Die Mehrzahl der Infizierten waren Mitarbeiter auf dem „Huanan Seafood Wholesale Market“, weshalb vermutet wird, dass die Erreger von Tieren auf Menschen übertragen wurden. Aktuelle Forschungsergebnisse unterstützen diese Aussage. Viele behaupten aber, dass wir vielleicht unwissende „Versuchskaninchen“ eines biologischen Experimentes oder Leidträger eines modernen unsichtbaren Krieges sind, wie es in dem Roman „Die Augen der Dunkelheit“ von Dean Koontz beschrieben ist. Interessanterweise heißt diese biologische Waffe Wuhan-400 im Buch, das im Jahre 1981 veröffentlicht wurde.

Es geschieht nichts Neues unter der Sonne, denn der Ursprung der früheren MERS-Epidemie konnte auch auf das Kamel zurückgeführt werden. Diese Erscheinung, die man als Zoonose bezeichnet, ist gar nicht ungewöhnlich in der Natur, wenn wir zB. an Tollwut oder Kuhpocken denken. Sollten wir vielleicht zum Kern der immunologischen Forschung zurückgehen, um ein mögliches Heilmittel gegen COVID-19 finden zu können? Wir wissen schon, dass andere Tierarten auch infiziert werden können, aber was uns noch fehlt ist das Wissen, ob die neu infizierten Tiere uns irgendwann reinfizieren könnten.

Mögliche Zoonose des SARS-CoV-2

Fact

Warum ist es denn so gefährlich?
Wie der Name des Virus schon sagt (SARS = Severe Acute Respiratory Syndrom = Schweres akutes respiratorisches Syndrom), kann sich bei dieser Krankheit sehr leicht und relativ schnell ein akutes Lungenversagen entwickeln. Die Lungenbläschen fallen zusammen, es gibt immer weniger Atmungsoberfläche, weniger Sauerstoff kann aufgenommen werden und somit ist die Durchblutung auch gestört. Aus Letzterem folgt eine Belastung des Herzens und später ein Kreislaufkollaps. Wenn man nicht rechtzeitig eine maschinelle Beatmung bekommt, dann ist die Wahrscheinlichkeit zu sterben sehr hoch.

Übertragung und häufigste Symptome von COVID-19

Leider unterscheiden sich die Symptome kaum, vor allem am Anfang der Krankheit, von den Symptomen der einfachen Grippe. Deswegen ist es sehr wichtig so viele Tests wie möglich durchzuführen, damit man die positiv getesteten Personen rechtzeitig isolieren und etwaige, verdachtsmäßige Kontaktpersonen aufsuchen kann. Als Beispiel können wir Süd-Korea nehmen, wo bis 6. April 2020 insgesamt 466 804 Untersuchungen gemacht wurden. Bis dahin gab es 10 284 Infizierte und 186 Todesopfer. Weiterhin ist es entscheidend, die Mitarbeiter des Gesundheitswesens regelmäßig zu testen, damit man die Möglichkeit der weiteren Ausbreitung der Krankheit weiter reduzieren kann, denn wer wird sich um die Infizierten kümmern, wenn die Ärzte, Krankenpfleger und Krankenschwestern auch erkrankt sind? Mit diesen einfachen Maßnahmen kann die Überbelastung und der Zusammenbruch des Gesundheitswesens vermieden werden. Wir müssten uns nicht nur ausschließlich auf die große Anzahl der COVID-19 Patienten konzentrieren. Außerdem gibt es jeden Tag Traumatisierte, akute Fälle, chronisch Erkrankte, Krebspatienten, die eine unverzügliche medizinische Versorgung brauchen.

85 Mitarbeiter des Gesundheitswesens mit dem Virus infiziert

Diejenigen, die an chronischen Krankheiten leiden, die älter oder immungeschwächt sind, sind natürlich gefährdeter und haben eine größere Chance lebensbedrohliche Symptome zu entwickeln, aber man muss betonen, dass diese Aussage für jede Infektionskrankheit gilt.

Die Inkubationszeit beträgt 2-14 Tage, deshalb muss man es sich immer vor Augen halten, dass man während dieser Periode auch infiziert sein kann, ohne dass man eine Kenntnis von der Infektion hätte. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, eine Maske zu tragen, wenn man unter Menschen, auf der Straße, im Geschäft oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln ist, so schützt man die Anderen.

Außderdem sind die Viruspartikeln zwar sehr klein (ca. 120 nm), trotzdem können sie nur ausschließlich im Aerosol, in den Speichelpartikeln verbreitet werden. Diese Tröpfchen haben natürlich eine größere Ausdehnung als die Viruspartikeln selbst, so ist die mathematische Möglichkeit größer, dass diese Nies-Tropfen von der Maske aufgehalten werden können, als ohne.

SARS-CoV-2 besitzt eine doppelte Zellmembran aus Lipid, deswegen ist die Seife sehr effektiv gegen ihn. Durch regelmäßiges Händewaschen kann man die Viruspartikeln sehr effektiv zerstören.

SARS-CoV-2 neigt dazu zu mutieren, denn es gibt schon verschiedene Stämme auf der Welt. Voraussichtlich stellt das keine Hürde für die Entwicklung der Vakzine dar, aber man kann nicht ausschließen, dass die COVID-19-Seuche in einer oder in mehreren Wellen zurückkehren wird.

Im kommenden zweiten Teil berichten wir unter anderem über die wichtigsten Diagnosemethoden und über die zukünftigen Therapiemöglichkeiten, die in Frage kommen.

(Der Artikel wurde von Dániel András Vargha verfasst, Student an der Medizinischen Universität Wien, die Abbildungen wurden mit Biorender gemacht)