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Hans-Peter Friedrich: „Wir sind immer noch dankbar für die Grenzeröffnung Ungarns“

Gemeinsamkeiten in der deutsch-ungarischen Kultur und Geschichte und starke politische Botschaften dazu – das war in aller Kürze die Veranstaltung „Ungarn in Europa – Europa in Ungarn“ in Berlin. Vizepräsident des deutschen Bundestages und Kanzleramtsminister Ungarns betonten dasselbe: die enge Freundschaft zwischen den zwei Ländern muss bewahrt werden. Das Programm wurde von der Stiftung Friends of Hungary organisiert, mit Hilfe des Philidor Instituts.

Ungarn will zeigen, dass es Teil der europäischen Kulturgemeinschaft ist – das war das Leitmotiv der Veranstaltung „Ungarn in Europa – Europa in Ungarn“ in der ungarischen Botschaft in Berlin. Man versuchte diese Zusammengehörigkeit nicht nur durch kulturelle Parallelen, sondern auch durch zahlreiche Beispiele aus der gemeinsamen Geschichte zu unterlegen.

„Ich bin jemand, der unmittelbar auf der Zonengrenze aufgewachsen ist, bin immer dankbar für die Grenzeröffnung Ungarns 1989, die bis in die heutige Zeit eine enge Freundschaft zwischen den zwei Ländern gebracht hat.“

Der Vizepräsident des deutschen Bundestages, Hans-Peter Friedrich erinnerte nicht nur an die Grenzeröffnung, sondern auch an die Hochzeit zwischen dem ungarischen König Stephan I., und Gisella von Bayern sowie an die nach Ungarn ausgewandelten Deutschen, die „Donauschwaben“. Nach dem Politiker spielte der „Austausch“ ungarischer und deutscher Menschen immer eine große Rolle in der Geschichte. Er betonte sogar die Nachrevolutionszeit 1956, wenn viele Ungarn – unter ihnen Studenten und Wissenschaftler – nach Deutschland flüchteten. Er sagte: der Dialog spielt heute immer noch eine große Rolle und zitierte die deutsche Lyrikerin Roswitha Bloch: „Die Kulturen sind wie Bäume. Sie haben ihre eigenen Wurzeln aber zusammen sind sie wie ein großer schöner Wald.“

„In diesem Wald stehen ganz schön nebeneinander der ungarische und der deutsche Baum: wir haben so viele Gemeinsamkeiten, die über Jahrhunderte und bis heute gepflegt sind.“ – fügte der Vizepräsident hinzu.

„Unsere Verfassung beruht auf traditionellen europäischen Werten“

Gergely Gulyás, Kanzleramtsminister Ungarns bedankte sich bei dem Vizepräsidenten, dass er in den vergangenen Jahren einer der treusten Freunde von Ungarn geblieben ist. Der Politiker betonte die Rolle Ungarns in Europa, und verwies auf die Verfassung, die 2011 unter der zweiten Regierungszeit von Viktor Orbán verabschiedet wurde.

„Wir haben in Ungarn 2011 eine Verfassung verabschiedet, die auf traditionellen europäischen Werte beruht, und die christliche Kultur Europas und unsere Nation betont. Wir haben eine patriotische Politik gemacht, die die Familie als Grundwert der Gesellschaft betrachtet wie auch Ungarische und europäische Identität gleichzeitig betont.“

Der Minister zitierte aus der Gründungserklärung (1988) seiner Partei Fidesz:

„Der Fidesz geht bei seiner Tätigkeit vom Bedarf des Aufbaus eines solchen neuen Ungarns aus, wo die Nation nach der Wiedererlangung ihres Selbstbewusstseins in der Lage ist, im Interesse der jenseits der Grenzen stecken gebliebenen Ungarn einheitlich aufzutreten und gemäß der Grundsätze von nationaler Unabhängigkeit und Solidarität mit den Völkern in Ost- und Mitteleuropa in der Lage ist bei der Verwirklichung des Gedankens eines demilitarisierten und einheitlichen Europas mitzuwirken.“ Nach Gergely Gulyás sind diese Ziele – außer der Forderung der Demilitarisierung – auch heute unverändert.

Der Politiker kritisierte scharf die Ohnmacht der Europäischen Union dem Außengrenzschutz bezüglich. Es muss für die Zukunft ein mahnendes Beispiel sein – so Gulyás – dass Brüssel zunächst nicht durch den Standpunkt unterstützt wurde, wonach die Außengrenzen gemäß dem Schengener Vertrag geschützt werden müssen, sondern durch den, der in der Anarchie die Erschaffung einer Kultur entdecken konnte.“ Der Politiker ist davon überzeugt, dass Ungarn und die bürgerliche Regierung in den letzten Jahren nicht wegen der Verletzung des Gemeinschaftsrechts, sondern wegen der Einhaltung der EU- Rechte besonders des Schengener Abkommens angegriffen wurden.

„Wir möchten Gerechtigkeit und mehr Verständnis für Ungarn“

Das war der Hauptgedanke von dem Vorsitzenden der Stiftung „Friends of Hungary“. Prof. E. Sylvester Vizi betonte die „Brückenrolle“ solcher Personen, die relevante Persönlichkeiten im Ausland sind und durch die die Öffentlichkeit objektiv aber wertorientiert über Ungarn informiert werden kann. Er erinnerte daran, dass die Stiftung gerade mit diesem Ziel gegründet wurde.

 

 

Der Vorsitzende betonte: unter den Gründern findet man den Chemie-Nobelpreisträger György Oláh, den Historiker und ehemaligen Korrespondenten der Neuen Zürcher Zeitung Andreas Oplatka, die weltberühmte Opernsängerin Eva Marton aus Hamburg, den Holokaust-Überlebenden und Professor für Gynäkologie, Alfréd Pasternak aus Los Angeles und den als der „Vater des Euros“ bekannten Sándor Lámfalussy aus Brüssel.

„Die Zukunft bietet noch zahlreiche Verbindungselemente zwischen den beiden Ländern“

Botschafter Péter Györkös betonte auch die Wichtigkeit der ungarisch-deutschen Beziehungen. Er wies darauf hin, dass Ungarn wegen seiner Sprache nur schwer zu verstehen ist. Nach ihm sind die Berichterstattungen über das Land in den unterschiedlichen deutschsprachigen Zeitschriften irreführend, weil die „nichts mit der Realität zu tun haben“.

Der Botschafter erinnerte an Gemeinsamkeiten aus der Geschichte: von der Schlacht auf dem Lechfeld (955), über die Hochzeit von Stephan dem Heiligen und Gisella von Bayern bis zu dem Bau der ungarischen Kapelle in dem Dom von Aachen. „Es gibt zahlreiche Elemente, die Ungarn und Deutschland miteinander verbinden, ich bin sicher, dass die Zukunft noch weitere wichtige Verbindungselemente anbietet.“ – schloss Péter Györkös seine Gedanken.

Die kulturelle Vielfalt von Ungarn und seine Zusammengehörigkeit mit Europa wurden durch Musik bewiesen. Berühmte ungarische Künstler wie Judit Andrejszki, Márta Sebestyén, Veronika Harcsa und Bálint Gyémánt haben das vorgeführt, während Modeschöpferin Melinda Molnár-Madarász „Meyke“ das Leitmotiv der Veranstaltung durch die Mode präsentierte. Eine Zusammenfassung über das kulturelle Programm finden Sie hier.

(Fotos: Zsolt Bézsenyi)