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Modedesignerin Katalin Hampel: „Die Ungarn sind eine wirklich sehr kreative Nation“ – Kurzfilmpremiere!

Vor 35 Jahren startete Katalin Hampel ihre Karriere als Modedesignerin  in einem winzigen Laden in der Innenstadt von Budapest. Da konnte man schon damals wunderschöne Volkskleidungen erhalten. Ihr Geschäft konnte aber erst nach dem Regimewechsel wirklich wachsen und heute bedient es seine Kunden schon in einer der belebtesten „Modestraßen“ von Budapest. Ihre Kleidungen sind unter Politikern, Künstlern, Aristokraten beliebt und auch bei jenen, die anspruchsvolle, einzigartige Kleidungsstücke mit ungarischen Motiven mögen. Im Porträtfilm der Freunde von Ungarn Stiftung sagt Hampel: Ihre Ars ‚Poetica ist, dass „alte ungarische Trachten in einer modischen Form zum Leben erweckt werden, die wir auch im Ausland zeigen können“. Der Kurzfilm über Hampel ist Teil einer Videoreihe, die zehn bemerkenswerte Ungarn vorstellt, die sich durch Talent und harte Arbeit auch im Ausland einen Namen machen konnten.

Obwohl einige der Vorfahren von Katalin Hampel kein Ungarisch sprachen, waren sie alle stolz auf ihre Herkunft: Die Designerin bewahrt mehrere Fotos, auf denen ihre Ahnen in ungarischen Trachten zu sehen sind. Wahrscheinlich kann ihre Neigung zur schönen ungarischen Tracht darauf zurückgeführt werden. Die Technik des Nähens hatte sie jedoch bereits von ihrer Mutter gelernt, die zur Ergänzung des Familienbudgets in einem Zimmer ihres Hauses eine kleine Näherei betrieb. Hampel besuchte Schneider- und Nähkurse in dem Gymnasium, wo sie die Kunst des Kleidermachens lernte. Dann, Ende der 1980er Jahre, beschloss sie, einen kleinen Laden in der Budapester Innenstadt zu eröffnen.

Mit sehr wenig Geld, viel Liebe, viel Hingabe habe ich diesen Laden eröffnet, jeder hat gesagt, dass es der Reinfall aller Reinfälle sei

Zum Glück war dies nicht der Fall: Heute hat sie schon  ein elegantes, großes Geschäft in einer der belebtesten Fußgängerzonen in Budapest. Hampel sagt im Film:

Ich hatte solche Träume nicht, ich wusste, dass ich es liebe, und dass man diese wundervollen alten Textilien für die Nachwelt behalten muss, dass man diese wunderbare 500-jährige ungarische Tracht an die nächste Generation weitergeben muss.

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Im Salon arbeitet sie mit mehreren Näherinnen zusammen. Sie übernehmen die ornamentalen Elemente aus alten Volksbüchern und Museumsmaterialien, doch bei Stil und Form versuchen sie, mit der heutigen Mode Schritt zu halten. Sie arbeiten seit Jahrzehnten mit dem Hersteller für Posamente János Tóth zusammen, der in seiner zweihundert Jahre alten Werkstatt authentische Ornamente verfertigt.

Katalin Hampel betont in dem Video, dass sie es für sehr wichtig hält, die ungarischen Trachten in Mode zu bringen, während die Muster und Ornamente authentisch bleiben.

Unsere kleinen Jacken passen mit einer Jeans, einem Shirt fürs Einkaufen. Mit einem langen schwarzen Rock ist dieselbe kleine Samtjacke passend für einen Ball. Das ist Kleidung, die man im Alltag und an Feiertagen anziehen kann und die Zeichen der ungarischen Kleidungskultur an sich tragen

Hampel ist auch der Meinung, dass wir Ungarn die reichste Trachtenkultur Europas haben, denn wir verfügen sowohl über Volkstrachten als auch über Nationaltrachten.

Wenn ein Ausländer unsere Kleidungen sieht, kann er sicherlich feststellen, dass diese sehr schön sind. In ihm ist jedoch mit Sicherheit nicht dieses Nationalbewusstsein. Für unsere Kunden ist es auch sehr wichtig, dass das eine 500-jährige Kultur ist, was sich an diesen Kleidern abzeichnet

betont Hampel.

Fact

Die Modedesignerin Katalin Hampel wurde 1954 in Budapest geboren. 1972 absolvierte sie das Toldi Ferenc Gymnasium. Ihr Mann ist Zahnarzt, sie hat eine Tochter und eine Enkelin. 1986 eröffnete sie ihr erstes Geschäft in der Párizsi utca 1, wo sie original alte Volkskleidung verkaufte. Auf Wunsch des Ungarischen Olympischen Komitees fertigte sie 2010 die Uniformen von Athleten an, die zu den Jugendolympiaden in Singapur reisten. 2010 erhielt sie den „Pro Civibus Preis“ von dem V. Budapester Bezirk, 2016 erhielt sie den „Arany Búzaszem Preis“. 2018 bekam sie von der Generalversammlung der Budapester Hauptstadt eine Auszeichnung für ihre kreative Arbeit zur „Förderung und Neuinterpretation der alten ungarischen Trachtentraditionen“, die von dem damaligen Oberürgermeister István Tarlós verliehen wurde. Unter anderem arrangierte sie Modenschauen in London, in Connecticut, an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, bei dem „Széchenyi Ball“ im Budapester Gellért Hotel, bei einer Veranstaltung für die Ehefrauen des Staatsoberhauptes der Europäischen Union, sowie an zahlreichen Wohltätigkeitsveranstaltungen.

Hampel errichtete in ihrem Salon auch ein kleines „Museum“, wo sich sogar 100 Jahre alte ungarische Trachten befinden, die schon einen Museumswert haben.

Das Fortbestehen und das Weiterleben dieser Elemente in unserer heutigen Kleidung zeigen, dass wir den Respekt vor unseren Traditionen, unserem kulturellem Erbe nicht nur in Museen erleben können, sondern sogar in unserem Alltag.