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Mord in der ungarischen Provinz: „Erntejagd“ – Ein etwas anderer Krimi (Buchrezension)

Ungarn Heute 2020.12.28.

Nach den beiden historischen Abenteuerromanen – beruhend auf überlieferten Tatsachen – präsentiert uns der Autor György Kristián Szitás seinen ersten Kriminalroman, der zu guten Teilen in der ungarischen Provinz spielt. Dort wird eine junge Deutsche, die sich als Ärztin in der Nähe von Kecskemét niederlassen will, überfallen und getötet. Zu der Zeit, als der Kriminalmajor (Örnagy) István László, mit seinen Ermittlungen beginnt, wird deren Bruder in Rumänien umgebracht. Stehen die beiden Morde in einem Zusammenhang?

Schnell steht fest, dass die beiden Geschwister sehr unterschiedlicher Natur waren und die Lösung des Rätsels in der Vergangenheit des Vaters beider Mordopfer zu suchen ist. Der Leser erkennt schnell, dass im Hintergrund eine Münchner Geschäftsfrau, mit rumänischen Wurzeln, die Fäden spinnt. Der Bruder und der Vater der Deutschen sind keine Unschuldslämmer und der rumänische Geheimdienst hört fleißig Telefongespräche ab, was zur (zeitweiligen) Absetzung des rumänischen Ermittels führt. Auch der – etwas ältere – Verlobte der Deutschen scheint eine gewisse Rolle zu spielen. Doch was hat es mit dem, einsam lebenden, rumänischen Jagdhelfer auf sich? Zusammen mit den Erkenntnissen des deutschen Kriminalbeamten, den Ermittlungen einer jungen Ungarin und dem Einsatz seines Assistenten gelingt es schließlich dem Major die Puzzleteile zu einem Bild zusammenzusetzen, während ein Boot der stürmischen See des Schwarzen Meeres trotzt… „Erntejagd“ bezeichnet eine Jagdform, bei der durch die Erntearbeiten aufgescheuchtes Wild erjagd wird.

Leider kam es in den letzten Jahren hierbei immer wieder zu Vorfällen, die Jagdgegner, aber auch die Jagdverbände auf den Plan riefen. Der Autor spinnt die Geschichte hier einfach ein bisschen weiter. Wie bei G. K. Szitas üblich werden Fachbegrie in Fußnoten erklärt und die sprachlichen Unterschiede durch die Sprachkenntnisse der unterschiedlichen Akteure ausgeglichen. Was beispielhaft dadurch verdeutlicht wird, dass der deutsche Kriminalbeamte sichtlich erleichtert ist, dass sein ungarischer Kollege deutsch spricht. In (kursiv geschriebenen) Rückblenden werden die persönlichen Erinnerungen eines Teils der Protagonisten erzählt.

Wer einen klassischen „Dedektivroman“ – mit einem alles überragenden Ermittler – erwartet, wird enttäuscht, denn besonders der Örnagy (Major) István László verhält sich, wie sich ein umsichtiger Jäger verhält – ruhig und abwartend.

Neben der Liebe – der Leutnant entwickelt zärtliche Gefühle für die junge Ungarin – kommt auch der Humor nicht zu kurz, wenn der Major über die (europäische) Bürokratie schimpft, der Leutnant über das Dienstfahrzeug des Majors lästert oder der rumänische Chefermittler seinem Vorgesetzten ein Angebot macht, das dieser nicht ablehnen kann.

Wie in den beiden historischen Romanen, wird auch ein kleines bisschen Wissensvermittlung betrieben, wenn es um das deutsche Waffenrecht und die unterschiedlichen Bestattungsmöglichkeiten in Deutschland und Ungarn geht.

Die allgemeine Stimmung des Romanes ist herbstlich, was nicht nur mit der Jahreszeit und dem Wetter zu tun hat, in der die Geschichte spielt. Auch die seelische Verfassung eines der Protagonisten deutet darauf hin. Allgemein lädt der Roman dazu ein, es sich bei einem warmen Tee auf dem Sofa gemütlich zu machen und die eigenen Sorgen an die kalte, herbstliche Luft zu setzen. . .

(Foto: der Autor Jörg Christian Seubert)