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Orbáns päpstliches Geschenk mit einer versteckten Botschaft

Papst Franziskus, der Ungarn anlässlich des 52. Eucharistischen Kongresses besuchte, beehrte die ungarische katholische Gemeinschaft nicht nur mit seiner Anwesenheit, sondern auch mit der Feier der Abschlussmesse. An eucharistischen Kongressen nimmt in der Regel ein päpstlicher Legat teil, nicht der Papst selbst. Vor der gigantischen Heiligen Messe traf das Kirchenoberhaupt unter anderem mit ungarischen Würdenträgern zusammen, darunter Staatspräsident János Áder und Ministerpräsident Viktor Orbán. Orbán schenkte ihm eine Kopie eines Briefes von König Béla IV., der an Papst Ince IV. adressiert wurde. Hat dieses Geschenk eine versteckte Botschaft?

Um zu verstehen, warum Papst Franziskus dieses Geschenk von Viktor Orbán erhalten haben könnte, müssen wir zunächst einen Blick auf die Haltung des Papstes zur Migration werfen.

Papst Franziskus, einer, der sich mit einem besonderem Erbarmen und Verständnis den Gefallenen zuwendet, denjenigen, die auf der Flucht sind, denjenigen, die sich nach Aufnahme sehnen. In seinem jüngsten Buch „Wage zu träumen!“ schreibt er über die Migration:

Die Migration ist keine Bedrohung für das Christentum, nur in den Köpfen derer, die von diesen Forderungen profitieren. Das Evangelium zu popularisieren und gleichzeitig Fremde in Zeiten der Not nicht willkommen zu heißen – das schafft eine Kultur, die nur noch dem Namen nach christlich ist und unsere Religion dessen beraubt, was sie ausmacht.

Das außergewöhnliche Einfühlungsvermögen des Heiligen Vaters rührt auch daher, dass sein Vater als italienischer Emigrant nach Argentinien kam, wo er seine Frau (die spätere Mutter von Franziskus) kennenlernte. Das erste Kind dieser Verbindung war Jorge Bergoglio, der später als Papst Franziskus das Oberhaupt der katholischen Kirche wurde. Während seines Pontifikats hat er wiederholt Staaten verurteilt, die keine Flüchtlinge aufnehmen. Dies kommt auch in seinem Buch zum Ausdruck.

Die national-populistische Fantasie ist einfach die Verteidigung der christlichen Zivilisation gegen vermeintliche Feinde, sei es der Islam, die Juden, die Europäische Union oder die Vereinten Nationen. Diese Angstmacherei spricht Menschen an, die nicht mehr religiös sind, aber ihr nationales Erbe als eine Art Identität betrachten. Angst und Identitätsverlust nehmen zu, während die Zahl der Kirchenbesucher abnimmt

Am Sonntagmorgen begrüßte Papst Franziskus die Mitglieder der ungarischen katholischen Bischofskonferenz nach einem Treffen mit öffentlichen Würdenträgern. In seiner Ansprache an sie betonte er auch die Bedeutung der Offenheit.

Ihr Land ist ein Gebiet, in dem Menschen aus verschiedenen Völkern seit langem zusammenleben. Verschiedene Nationalitäten, Minderheiten, Konfessionen und Migranten haben dieses Land auch zu einer multikulturellen Gemeinschaft gemacht […] Um eine brüderlichere und solidarischere Gesellschaft in Ungarn zu schaffen, muss die Kirche neue Brücken des Dialogs bauen. Als Bischöfe bitte ich Euch, gemeinsam mit euren Priestern und Kollegen in der Laienpastoral stets das wahre Gesicht der Kirche zu zeigen, das alle, auch die Außenstehenden annimmt und brüderlich und offen für den Dialog ist

Franziskus: "Mein Wunsch ist, dass ihr so sein möget: gefestigt und offen, verwurzelt und respektvoll"
Franziskus:

Hier die Worte von Papst Franziskus beim Angelus in Budapest in amtlicher deutscher Übersetzung.Continue reading

Es ist jedoch auch wichtig festzustellen, dass wir Ungarn, im Laufe unserer Geschichte bei vielen Gelegenheiten sowohl Opfer als gleich auch Held gewesen sind. Bei vielen historischen Ereignissen haben wir viele heldenhafte Opfer gebracht, um uns und Europa zu verteidigen. Es gab Zeiten, in denen ein Sieg über erobernde Nationen, die für den christlichen Kontinent eine Bedrohung bedeuteten, wie der Triumph von Nándorfehérvár im Jahr 1456, vom Papst mit einer Tradition begangen wurde, die bis heute lebt, wie das Läuten der Glocke um 12:00 Uhr. Dieses Ereignis hatte einen solchen Einfluss auf den Vatikan, dass Kallixtus III. ab 1457 den Tag des Sieges bei Nándorfehérvár zum Fest der Verklärung Christi machte.

Die Helden von Ungarn, für die die Glocken am Mittag läuten
Die Helden von Ungarn, für die die Glocken am Mittag läuten

Am 22. Juli 1456 haben die verteidigenden Ungarn der Festung Nándorfehérvár (Belgrad) den Heeren des osmanischen Sultans Mehmet II eine verheerende Niederlage beigebracht.Continue reading

Orbán überreichte Seiner Heiligkeit die Kopie eines Briefes, den der ehemalige ungarische König Béla IV. an Papst Ince IV. geschrieben hatte. Im ersten Teil des Briefes schreibt der ungarische König von den drohenden fremden Nationen, die sich uns nähern und fügt dann hinzu, dass wir statt Hilfe aus dem Westen (den Deutschen und Franzosen) nur Vernachlässigung erfahren. In seiner letzten Verzweiflung wendet sich Béla IV. an den Papst selbst. Béla schreibt verzweifelt, dass Ungarn sogar heidnische Völker in das Land reingelassen hat, um Konflikte zu vermeiden und jetzt versucht das Land mit einem heidnischen Heer sich selbst und das christliche Europa zu schützen.

Wir haben auch die Kunen in unser Land aufgenommen, und jetzt verteidigen wir unser Land leider mit Heiden, wir vernichten die Feinde der Kirche mit Heiden. Wir haben sogar unseren erstgeborenen Sohn im Interesse des Christentums mit einem Kun-Mädchen verheiratet, um Schlimmeres zu vermeiden und eine Gelegenheit zu schaffen, sie unters Taufwasser zu locken, wie wir es schon bei vielen von ihnen getan haben. […] Wir wundern uns, dass die apostolische Frömmigkeit sich so sehr um das Reich von Konstantinopel und die überseeischen Teile kümmert, die, selbst wenn sie verloren gingen – was in weiter Ferne liegen mag – den Bewohnern Europas nicht so viel Schaden zufügen würden, als wenn unser Land allein von den Tataren besetzt wäre. […]

Fact

Im Frühling 1241 begann die tatarische Invasion. Zwischen 11. und 12. April haben die mongolischen Truppen bei Muhi unerwartet das ungarische Heer angegriffen und haben eine vernichtende Niederlage beigebracht. Der König und seine Familie flohen in die Burg Trau an der Adriaküste (heute Trogir, Kroatien). Der Monarch versuchte weiterhin, den Papst, den französischen König und den deutsch-römischen Kaiser um Hilfe zu bitten, aber diese Versuche stießen immer auf taube Ohren. Wenige Tage nach der Schlacht von Muhi eroberten die Tataren Pest und richteten ein großes Massaker an.

Das Geschenk von Orbán und seine Äußerung während des Treffens mit Franziskus, als er den Heiligen Vater gebeten hat, die christlichen Ungarn nicht verloren gehen zu lassen, sind eindeutig miteinander verbunden. Gewollt oder ungewollt besteht eine spürbare Spannung zwischen dem Migrationsdruck und der damit zusammenhängenden ungarischen „Verteidigungspolitik“, die seit 2015 besteht, und der „Politik“ der offenen Tore des Papstes. Damals bat Béla IV. den Papst, die christlichen Ungarn nicht untergehen zu lassen, jetzt bittet Viktor Orbán Papst Franziskus in einer Situation, wo kein einziger Batu Khan jenseits der Grenze darauf wartet, unser Land zu unterjochen.

Es stimmt ebenfalls, dass auch Papst Franziskus starke Botschaften bei seinem Besuch in Budapest geäußert hat, zum Beispiel im Angelusgebet, als er sagte, dass die Ungarn alle Menschen mit offenem Herzen willkommen heißen sollten.

„Über tausend Jahre war das Kreuz die Säule deines Heils, auch heute möge das Zeichen Christi für dich die Verheißung einer besseren Zukunft sein. Dies wünsche ich euch, dass das Kreuz eure Brücke zwischen der Vergangenheit und der Zukunft sei! Das religiöse Empfinden ist der Lebenssaft dieser Nation, die so treu zu ihren Wurzeln steht. Aber das Kreuz, das in den Erdboden eingepflanzt ist, lädt uns nicht nur dazu ein, uns gut zu verwurzeln, sondern es erhebt und breitet seine Arme für alle aus: Es mahnt dazu, feste Wurzeln zu bewahren, aber ohne sich zu verschanzen; aus den Quellen zu schöpfen und uns dabei den Dürstenden unserer Zeit zu öffnen. Mein Wunsch ist, dass ihr so sein möget: gefestigt und offen, verwurzelt und respektvoll.“

Und es ist auch zu vermuten, dass die oben zitierten päpstlichen Äußerungen auch ein starker Hinweis auf die Politik von Viktor Orbán sein können.

(Titelbild: Facebook-Seite von Viktor Orbán)