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Rabbiner Slomó Köves: „Der Antisemitismus geht in Ungarn zurück“

„In Ungarn ist die Zahl der verbalen antisemitischen Äußerungen eindeutig zurückgegangen. Physische Angriffe waren früher auch nicht typisch.“ – betonte der Rabbi der Einheitlichen Ungarischen Jüdischen Gemeinde in einem Interview mit der linksliberalen Wochenzeitung 168 Óra. Slomó Köves wurde über sein Verhältnis zur Regierung, über Antisemitismus und über die neue Organisation gegen Antisemitismus gefragt. Ein Auszug.

Antisemitismus im Niedergang in Ungarn

Laut Köves ist der Antisemitismus in den letzten 20 Jahren in Westeuropa immer stärker geworden, in Ungarn hat er jedoch nachgelassen. Es gibt mehrere Gründe für die Verbesserung der Situation – so Köves, laut ihm ist der entscheidende Faktor, dass die ungarische Oppositionspartei „Jobbik“ in den letzten Jahren versucht hat, sich gegen öffentliche antijüdische Rhetorik zu richten. Die Erscheinung der neuen rechten Partei „Mi Hazánk Mozgalom“ könnte jedoch möglicherweise antisemitische Rhetorik ins Parlament zurückbringen, argumentiert er.

Unterstützung der neuen Organisation zur Bekämpfung des Antisemitismus

Köves behauptet, dass die Gründung einer neuen Organisation zur Bekämpfung des Antisemitismus in Europa, seine Idee sei. „APLE“ wird nach der gleichen Methode arbeiten wie die ungarische „Handlung und Verteidigung Stiftung“. (Tett és Védelem Alapítvány). Diese ist seit ihrer Gründung (2012) erfolgreich und hat auch Niederlassungen in ganz Europa. Derzeit ist die ungarische Regierung mit einem Gesamtbetrag von 525 Mio. Forint (1,6 Mio. EUR) der Hauptgeber des Projekts. Die Regierung wird ab 2020 jährlich 500 Millionen Forint (1,5 Millionen Euro) bereitstellen.

Die Liga erklärt ihre Hauptaufgabe als „umfassende Bewertung des Justizsystems in den Mitgliedstaaten der EU und Vorschläge für eine einheitliche Gesetzgebung zur wirksamen Bekämpfung des Antisemitismus“.

Darüber hinaus muss eine 24-Stunden-„Hotline“ eingerichtet sein. APLE werde auch die nationalen Lehrpläne und die angewandten Unterrichtsmaterialien analysieren, außerdem werde sie den Antisemitismus in den Medien und im öffentlichen Leben überwachen sowie Berichte zu allen Mitgliedstaaten vorlegen.

Die Stiftung wurde – Berichten zufolge – von wichtigen jüdischen Organisationen und Politikern, darunter dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu, begrüßt.

„Sargentinis Bericht ist irreführend“

Auf die Frage nach dem Sargentini-Bericht sagte Köves, der Bericht sei völlig unbegründet und enthielt irreführende Hinweise und Informationen.

Slomó Köves ist als Rabbi der Einheitlichen Ungarischen Jüdischen Gemeinde (EMIH) einer der bekanntesten ungarischen jüdischen Führer. Seine Organisation hat eine Reihe von gemeinsamen Projekten mit der ungarischen Regierung.

(Via: 168ora.hu, hungarytoday.hu, Beitragsbild: Slomó Köves; via zsido.com)