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Ungarisches-Tennis-Wunder: Nationalteam spielt Davis Cup Finale am Wochenende

In diesem Jahr hat sich das ungarische Team für das Davis-Cup-Finale qualifiziert, bei dem der Weltmeister aus 18 Mannschaften ermittelt wird. Trotz der Tatsache, dass wir in den vergangenen Tennis-Generationen immer mindestens einen TOP 100 Spieler hatten, ist das Erreichen des Finales an sich schon ein großer Erfolg, wenn man weiß, dass die Ungarn seit der ersten Austragung des Davis Cups (1899) nur dreimal die Weltgruppe erreicht haben. Erst 1994, dann 1996 und zum letzten Mal im Jahre 2018. Ungarn wird jetzt am 27. November im italienischen Turin gegen Australien antreten.

Der Davis Cup wurde von zwei Studenten der Harvard University mit dem Ziel erfunden, Turniere zunächst auf amerikanischer und später auf internationaler Ebene zu organisieren. Die Geschichte des Davis Cups begann 1899, als der Student der Harvard University Dwight Filley Davis zusammen mit Holcombe Ward die College-Meisterschaft gewann und später US-Tennismeister wurde. Sie wollten die Meisterschaft zunächst auf die gesamten Vereinigten Staaten und später auf die ganze Welt ausweiten.

Der Tennissport im Westen wird in Zukunft große Fortschritte machen. Wir müssen eine große internationale Spielserie auf die Beine stellen, die nicht nur hier, sondern in der ganzen Welt für Aufmerksamkeit und Interesse sorgen wird

sagten die Initiatoren.

Die ungarische Tennis-Nationalmannschaft wollte 1924 zum ersten Mal am Davis Cup teilnehmen, doch der internationale Verband lehnte die Teilnahme ab, da Ungarn und Österreich als Verlierermächte des Ersten Weltkriegs nicht in den internationalen Verband aufgenommen worden waren. Die Entscheidung stieß auf große internationale Empörung und wurde deswegen zurückgenommen, so dass 1924 als das Jahr des ersten Auftritts in die Tennisgeschichte einging.

1956 nahm Ungarn wegen der ungarischen Revolution von 1956 nicht an dem Wettkampf teil. 1966 gab es doch einen Zuschauerrekord beim Viertelfinale Ungarn-Großbritannien in Budapest, wo 20.000 Zuschauer das Davis-Cup-Team András Szikszay-István Gulyás während des viertägigen Spiels unterstützten.

Fact

In der Geschichte des Davis Cups hat Ungarn insgesamt 166 Spiele bestritten mit einer Bilanz von 83-83. Einer der berühmtesten ungarischen Tennispieler, Balázs Taróczy hat mit 33 Davis-Cup-Partien die meisten Spiele bestritten und ist mit 76 Siegen und nur 19 Niederlagen auch der erfolgreichste Spieler. Kornél Bardóczky war die längste Zeit, nämlich 15 Jahre lang, Mitglied der ungarischen Tennisnationalmannschaft.

 2020: Ungarn qualifiziert sich für die Davis-Cup-Endrunde

Viele vergleichen den Erfolg des ungarischen Tennis-Teams mit der Qualifikation der ungarischen Fußballmannschaft für die Europameisterschaft im Jahr 2016. Der Davis Cup ist sowieso ein besonderes Ereignis des Herrentennis, bei dem die Spieler, die das ganze Jahr über um Ranglistenpunkte und Preisgelder kämpfen, für einige Wochenenden zu Nationalspielern werden und schließlich in der Weltgruppe spielen, für die sie sich nun qualifiziert haben. Hier treffen sich die 18 besten Teams der Welt. Und natürlich wird der Kampf mit den besten TOP-Spielern veranstaltet. In diesem Jahr wird unter anderem die Weltnummer 1, der Serbe Novak Djokovic, der Russe Daniil Medvedev, der britische Cameron Norrie, sowie auch der italienische Janik Sinner dabei sein. Die Deutschen sind Jan-Lennard Struff, Dominik Koepfer, Philipp Kohlschreiber.

Die 12 Qualifikanten sind Australien, Österreich, Kolumbien, Kroatien, Tschechische Republik, Ecuador, Deutschland, Ungarn, Italien, Kasachstan, Schweden und die Vereinigten Staaten. Die Halbfinalisten des letzten Jahres waren Spanien, Kanada, Großbritannien und der Russische Tennisverband. Die beiden Wildcard-Nationen Frankreich und Serbien vervollständigen das 18-köpfige Teilnehmerfeld.

Mitglieder des ungarischen Teams

Das ungarische Team ist in Bezug auf Alter und Karriere gemischt. Der zweifache Junioren-Grand-Slam-Champion und ehemalige Junioren-Weltranglistenerste, mehrfacher Finalist und einmalige ATP-Weltmeister Márton Fucsovics, der derzeit auf Platz 40 der Weltrangliste steht, ist der erfahrenste Spieler im Feld. In der ersten Hälfte des Jahres war Fucsovics in Topform, wie die Tatsache beweist, dass er im Juli beim Wimbledon mehrere Top-20-Spieler (einschließlich Mártons Angstgegner, den auf Nummer 5 stehenden Rublev) schlug und das Viertelfinale erreichte, wo er nur von Djokovic gestoppt werden konnte. Bei dem ATP 500  Finale konnte nur Rublev ihn besiegen. In Rotterdam im März haben beide im Finale gegeneinander gespielt. In der zweiten Saisonhälfte hat Fucsovics‘ bombastische Form leider wegen einer Schulterverletzung nachgelassen, aber seit dem ATP 1000 Masters in Paris zeigt er wieder sehr gute Leistungen auf dem Platz.

Foto: Hungarian Tennis – Facebook Seite

Attila Balázs (131) ist der älteste in der ungarischen Mannschaft. Seine bisher größten Erfolge waren ein Halbfinale bei der BRD Năstase Țiriac Trophy in Bukarest im Jahr 2012, wo er gegen Fabio Fognini verlor, ein Halbfinale beim ATP 500 in Rio de Janeiro im Jahr 2020, bei dem er zum ersten Mal in seiner Karriere unter die Top 100 kam und das Finale der Croatia Open Umag 2019 in Umag, wo er gegen den Serben Dušan Lajović verlor. Er ist Mitglied der ungarischen Davis-Cup-Mannschaft seit 2009.

Zsombor Piros (282), zweifacher Junioren-Grand-Slam-Champion, ist der jüngste Spieler im Team. Er bestritt kürzlich ein ATP-Challenger-Finale in Bratislava und schlug dabei mehrere Top-100-Spieler.

Weitere Spieler der ungarischen Mannschaft sind Gábor Borsos (867 im Doppelten), der sein Karrierehoch im ATP-Einzel von 551 hatte. Seine höchste ATP-Rangliste im Doppel liegt bei 188 und wurde am 13. November 2017 erreicht. Borsos hat 23 ITF-Doppeltitel gewonnen.

Levente Gödry, seine höchste ATP-Rangliste im Einzel liegt bei 934 und wurde am 25. August 2014 erreicht. Seine höchste ATP-Rangliste im Doppel liegt bei 512, erreicht am 28. Januar 2019. Gödry hat 6 ITF-Doppeltitel gewonnen.

Ungarn spielt wie gesagt schon am Samstag seine erste Runde in der Gruppe D, bei der es gegen zwei sehr starke Mannschaften, Australien und Kroatien, um das Weiterkommen geht. Wenn Ungarn weiterkommen will, müssen sie in der nächsten Runde wahrscheinlich entweder die USA oder Italien schlagen, aber wir wollen nicht zu weit vorgreifen. Drücken wir unserem Team am Samstag, den 27. die Daumen. Los Jungs!

(Beitragsbild: MTI – Zsolt Czeglédi)