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Presseschau: ZDF für Dokudrama über die Migrantenkrise 2015 kritisiert

Ungarn Heute 2019.09.11.

Ein linksorientierter Kommentator verteidigt ein vergangene Woche vom ZDF ausgestrahltes Dokudrama zur Flüchtlingskrise 2015 gegen heftige Kritik einer regierungsfreundlichen Kolumnistin. Presseschau von budapost.de. 

Das öffentlich-rechtliche ZDF strahlte vergangene Woche ein sogenanntes „Dokudrama“ (mit fiktiven Szenen ergänzter Dokumentarfilm) zum Themenkreis Flüchtlingskrise aus. Die Sendung lief am 4. Jahrestag der dramatischen Ereignisse am Budapester Ostbahnhof, als Abertausende von Asylbewerbern zu Fuß in Richtung österreichische Grenze aufbrachen (siehe BudaPost vom 7. September 2015). Seit April 2015 waren bereits zahllose Flüchtlinge per Bahn oder Pkw über Budapest nach Deutschland gereist. Mitte August baten die österreichischen Behörden ihre ungarischen Kollegen, sie mögen verhindern, dass die Asylbewerber Züge in Richtung Wien besteigen. Daraufhin strandeten Tausende von ihnen am Ostbahnhof und brachen in der Folge zu Fuß über die Autobahn Budapest-Wien Richtung Westen auf. Ministerpräsident Viktor Orbán bat in dieser Situation Bundeskanzlerin Angela Merkel um ihre Zustimmung, dass die Migranten mit Bussen an die österreichisch-ungarische Grenze gebracht werden. Dem österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann sicherte Merkel die Übernahme eines Teils der Flüchtlinge zu. Merkel erklärte im Nachhinein, dass diese Geschehnisse sie gezwungen hätten, die Grenzen Deutschlands für die Tausenden von Asylbewerbern offen zu halten – eine Darstellung, die das Dokudrama unterstützt. Der ungarische Botschafter in Berlin protestierte gegen den Film und behauptete, er habe die Rolle Ungarns falsch und so dargestellt, als ob die Migrationskrise ihren Ausgangspunkt in Budapest genommen hätte.

Ungarischer Botschafter protetstiert gegen ZDF-Film

In Magyar Hírlap weist Mariann Őry darauf hin, dass der Film selbst von oppositionellen Medien als unangemessen empfunden worden sei. (Das Onlineportal von Heti Világgazdaság beklagte, dass das deutsche Dokudrama keinen einzigen ungarischen Zeugen oder Analysten habe zu Wort kommen lassen. Es sei ein Beleg dafür, dass wir uns längst noch immer kein klares Bild über die Ereignisse des Jahres 2015 machen könnten – Anm. d. Red.) Nach Ansicht Őrys wollten die Autoren des Films den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán für die katastrophalen Entscheidungen ihrer eigenen Regierung während der Migrationskrise verantwortlich machen.

Róbert Friss von der Tageszeitung Népszava hingegen stimmt den Autoren des Films zu, die Ministerpräsident Orbán „als dunklen Schatten“ hinter den Ereignissen dargestellt hätten. Der linke Kommentator glaubt, dass Orbán bewusst Tausende von Migranten in Budapest ansammeln ließ, um die öffentliche Meinung gegen die Migranten aufzustacheln. Damit sei Europa „in die Lügenfalle Orbáns getappt“, schreibt Friss. Als Folge davon „ist der Kontinent noch immer zwischen Orbán und Merkel hin- und hergerissen“.