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Regierung führt Maskenpflicht ein, will aber „Nicht-Geimpfte nicht bestrafen“

Zsófia Nagy-Vargha 2021.11.18.

In Geschäften, Museen, Theatern, Kinos und öffentlichen Einrichtungen, d.h. in geschlossenen Räumen besteht ab Freitag Mitternacht eine Maskenpflicht in Ungarn. Das ist die Antwort der Regierung auf den starken Anstieg der epidemiologischen Zahlen. Der Kanzleramtsminister kündigte dies bei einer außerordentlichen Pressekonferenz an und forderte alle auf, sich eine dritte Corona-Impfung verabreichen zu lassen. Den Prognosen zufolge könnte die vierte Welle der Epidemie Ende November oder Anfang Dezember ihren Höhepunkt erreichen, so Gergely Gulyás.

„Ungeimpfte Menschen gefährden das Leben anderer, weshalb die Regierung beschlossen hat, ab Samstag (Freitag Mitternacht) eine Maskenpflicht einzuführen“ kündigte Kanzleramtsminister Gulyás bei einer Pressekonferenz an.  Was die Schulen betrifft, werden die Schulleiter ermächtigt, über die Einführung der Maskenpflicht zu entscheiden. Beim Sport und in Büros besteht jedoch weiterhin keine solche Regelung.

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Abgesehen von der Impfkampagne, die gut angelaufen ist, sich aber verlangsamt hat, sagt die Kammer, dass keine sinnvollen Präventivmaßnahmen seitens der Regierung ergriffen wurden.Continue reading

„Die Regierung sieht die Ungeimpften nicht als Feinde an, weshalb wir ihnen auch keine Beschränkungen auferlegen“ betonte Gulyás und fügte hinzu, dass sie allen bewusst machen wollen, dass die Impfung die einzige Möglichkeit ist, die Epidemie zu kontrollieren. Auf die Frage, warum Österreich, das früher als „Vorzeigeland“ galt, lange Zeit nicht gefolgt wurde, antwortete er:

Wir wollen wirksame Entscheidungen treffen, ohne dass sich jemand durch die Regierung von einem komfortablen Leben ausgeschlossen fühlt. In Restaurants, in Hotels, wenn nötig, können wir solche Maßnahmen ergreifen. Der Grund, warum wir es jetzt nicht für wichtig halten, ist, dass die Menschen hier weit entfernt voneinander sitzen

Das Home Office kann jederzeit genutzt werden, aber das Wichtigste ist, die vierte Welle so zu überstehen, dass das Land funktionsfähig bleibt, betonte Gulyás. Die digitale Bildung werde deswegen auch sicherlich nicht zurückkehren, da „die Eltern nicht arbeiten gehen können, wenn die Kinder zu Hause bleiben müssen.“

Er fügte hinzu, dass die EMA (Europäische Arzneitmittel-Agentur) voraussichtlich bis Dezember über die Impfung von Kindern im Alter von 5 bis 11 Jahren entscheiden wird und dass Ungarn den Impfstoff für diese Kinder zur Verfügung stellen wird, sobald eine Entscheidung getroffen ist. Mehr als die Hälfte der 12- bis 18-Jährigen ist bereits geimpft.

Nach Angaben des Ministers zeigen internationale Erfahrungen, dass das Virus dort eingedämmt werden konnte, wo auf eine zweite Impfung eine dritte folgte.

Vom 22. bis 28. November wird die Impfung in 101 Krankenhäusern zwischen 7.00 und 19.00 angeboten. Vor allem in Budapest wird die Zahl der Impfstellen drastisch erhöht, betonte Gulyás.

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Darüber hinaus zeigen Daten aus israelischen Krankenhäusern, dass die dritte Dosis des COVID-19-Impfstoffs von Pfizer offenbar mehr Antikörper produziert und die Krankheit wirksamer verhindert.Continue reading

Gulyás wurde auch zu den extrem teuren Tests befragt und sagte, dass der Test die Impfung nicht ersetzt und sie deshalb die derzeitigen Regeln nicht ändern wollen.

Auf die Frage eines Journalisten, warum die Regierung keine strengeren Maßnahmen ergreift, wenn die Zahl der Todesfälle in unserem Land dreimal so hoch ist wie der EU-Durchschnitt, antwortete der Minister, dass das Kabinett kontinuierlich unterschiedliche Maßnahmen ergriffen hat und die epidemiologische Situation ständig überwacht.Gleichzeitig räumte er jedoch ein, dass es auch eine Frage der Gesundheitslage der Menschen sei, warum hier mehr Personen sterben als im Durchschnitt anderer europäischer Länder (hohe Raten von Diabetes, Fettleibigkeit und unterschiedliche Bewegungsgewohnheiten).

Der Sputnik-Impfstoff ist in Ungarn nicht mehr verfügbar

Derzeit stehen in Ungarn fünf Arten von Coronavirus-Impfstoffen zur Verfügung, insgesamt 9,7 Millionen Impfstoffe und es kommen ständig neue hinzu, so dass die erforderlichen Kapazitäten vorhanden sind, betonte der Minister. Der russische Sputnik-Impfstoff ist in der Zwischenzeit ausgelaufen. Verfügbar sind:

  • Pfizer
  • Moderna
  • Janssen
  • Sinopharm
  • Astra Zeneca

Pflichtimpfungen 

Das Kabinett hat beschlossen, dass im Gesundheitswesen die dritte Impfung auch obligatorisch sein wird. Nach den geltenden Vorschriften muss das Gesundheitspersonal die dritte Impfung bis zum Ende des siebten Monats nach der zweiten Impfung erhalten. Der Minister gab keine konkrete Antwort auf die Frage, welche Sanktionen den Beschäftigten des Gesundheitswesens drohen, die den dritten Impfstoff doch nicht annehmen. Die Auffrischungsimpfung ist auch in einigen Teilen der Verwaltungen vorgeschrieben, doch gibt es dafür noch keine genauen Kriterien.

Die Regierung fordert außerdem die Gewerkschaften auf, auch die Lehrer bei der Impfbereitschaft zu unterstützen. Derzeit wissen sie, dass 86-87 % der Lehrer geimpft sind, und sie wollen diesen Anteil erhöhen. Gulyás fügte hinzu, dass Lehrer, auch wenn sie selbst nicht gefährdet sind, mit vielen Kindern arbeiten, so dass es wichtig wäre, dass auch die übrigen geimpft werden.

Der Minister bekräftigte, dass diejenigen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können, dennoch einen Nachweis davon bekommen können.

Warum erhalten die Bürgermeister keine Daten über die Epidemiesituation in ihrer Gemeinde?

Der Bürgermeister von Szombathely wollte beim Amt der Komitatsverwaltung von „Vas“ Daten über die Epidemie-Situation in seiner Gemeinde anfordern, erhielt aber die Auskunft, dass er 45 Tage warten müsse. Auf die Frage eines Journalisten, ob dies nicht unvernünftig sei, sagte Gulyás, der Bürgermeister solle lieber bei der epidemiologischen Kontrolle helfen. Die Studie, die bereits versprochen wurde, um zu untersuchen, warum das Virus so schwerwiegende Folgen hat, steht kurz vor dem Abschluss, mit anonymisierten Daten von 6000 Patienten, die an dem Coronavirus gestorben sind. Die Infektionsdaten der Geimpften stehen noch aus, sagte Gulyás.

Gergely Gulyás bestätigte schließlich auf die Frage eines Journalisten, dass Ungarn 10 Ärzte nach Slowenien schickt, um bei der Bekämpfung der Epidemie zu helfen.

(Titelbild: MTI/Kovács Attila)